LUXEMBURG
JEAN-JACQUES SCHONCKERT

Am Montag stellte die zuständige Kontroll- und Bewertungskommission die Ergebnisse einer Umfrage über Sterbehilfe in Luxemburg vor. Die Hauptschlussfolgerungen: 85 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Euthanasiemöglichkeit eine gute Sache ist, aber 43 Prozent der Umfrageteilnehmer wissen nicht, dass es ein entsprechendes Gesetz gibt. Wir baten Jean-Jacques Schonckert, den Präsidenten der Vereinigung „Mäi Wëllen, Mäi Wee“, die sich seit über 30 Jahren für die Sterbehilfe einsetzt, um eine Reaktion auf die Umfrage und fragten ihn, wo Nachbesserungsbedarf am Gesetz besteht.

„Die Umfrage bestätigt zum einen, dass es eine große Akzeptanz für die Idee der Euthanasie gibt. Das war vor zehn Jahren, als das Gesetz gestimmt wurde, nicht der Fall. Zum anderen untermauert sie das, was wir auch beständig wiederholen: Dass noch viel Aufklärungsbedarf besteht.

Deshalb sind wir als Vereinigung ständig am Informieren. Das passiert nicht nur über unsere Webseite www.mwmw.lu,

wo sich zahlreiche wichtige Informationen und Dokumente finden, oder über öffentliche Konferenzen, sondern wir kommen auf Wunsch auch zu Menschen nach Hause, um im diskreten Kreis ihre Fragen zur Sterbehilfe zu beantworten.

Ein wichtiger Teil unserer Arbeit besteht darüber hinaus darin, im Verbund mit anderen Akteuren an der allgemeinen Verbesserung der Information und der Bedingungen rund um die Sterbehilfe zu arbeiten. In diesem Sinne wurde zusammen mit dem Gesundheits- und dem Familienministerium die ‚plate-forme fin de vie‘ eingesetzt, ein runder Tisch, an dem sich drei bis viermal jährlich neben den Vertretern aus den Ministerien alle Vereinigungen treffen, die sich mit Sterbehilfe und Palliativpflege befassen. Es ist ein fruchtbarer Austausch, der etwa bereits zur Ausarbeitung einer sehr gut gemachten Broschüre zum Lebensende geführt hat.

Eines unserer hauptsächlichen Anliegen derzeit ist die Einschreibung der Patientenverfügung – das Dokument also, in dem der Patient seinen letzten Willen festlegt und das sehr wichtig wird, sollte er sich am Ende nicht mehr ausdrücken können – in das ‚dossier de soins partagé‘. Hier warten wir noch auf die Versicherung, dass das auch passiert.

Was das Sterbehilfegesetz an sich anbelangt, so fehlen noch Bestimmungen zur Euthanasie bei Minderjährigen. Das ist freilich ein besonders heikles Thema, das bereits in verschiedenen unserer Nachbarländer sehr kontrovers diskutiert wurde. Wir sollten uns auch intensiver damit befassen. Ferner müssen wir versuchen, einem Sterbewilligen zu helfen, wenn der von ihm gewünschte Arzt die Sterbehilfe verweigert. Wir meinen, dass dieser Arzt, oder aber die Institution, in der er arbeitet, dann dazu verpflichtet werden sollte, einen Kollegen zu finden, der den Wunsch des Sterbewilligen erfüllt. Es gibt also noch viel zu tun. Wir sind jedenfalls froh, dass das Thema Sterbehilfe durch die Umfrage wieder verstärkt in der Öffentlichkeit diskutiert wird.“