LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Wie versprochen wurde die Kulturszene gestern in ein erstes „Atelier KEP“ eingebunden

Seit September letzten Jahres steht er: der Kulturentwicklungsplan (KEP) für den Zeitraum 2018 bis 2028, an dem seit Juli 2016 in Zusammenarbeit mit den Kulturakteuren gearbeitet worden war. Im Koalitionsabkommen sprach sich die Regierung für eine inklusive, partizipative und offene Kulturpolitik aus, die auf die im KEP festgehaltenen Maßnahmen aufbauen solle. Wie mehrfach angekündigt, soll in regelmäßigen Abständen mit den Kulturschaffenden über die künftige Umsetzung beziehungsweise den Stand der Dinge diskutiert werden. Gestern nun wurde ein erster KEP-Workshop im Kulturzentrum neimënster abgehalten. Der Robert Krieps-Saal war gut gefüllt, immerhin standen zwei wichtige Punkte auf der Tagesordnung: die Subventionspolitik und die Schaffung eines „Arts Council“.

Input fließt in den Prozess ein

„Der Input wird dokumentiert und fließt anschließend mit in den weiteren Prozess ein“, versprach Moderator Jan Glas eingangs, allerdings lief die Diskussion am Ende - aus Zeitgründen - dann doch eher auf ein „bitte nur kurze und knackige Fragen“ hinaus. Ausufernde Anregungen waren folglich weniger gewünscht. Als der erste Themenblock zur Diskussion gestellt wurde, bat KEP-Koordinator Jo Kox um ein konstruktives und relevantes Einbringen. Trotz möglicher Frustration solle gemeinsam nach vorne geschaut werden. Kulturministerin Sam Tanson stellte ihrerseits klar, dass man nichts von oben herab diktieren wolle, sondern es darum gehe, die Sachen gemeinsam anzugehen und das bereits Vorhandene noch besser aufzustellen. „Erste Gespräche über die Subventionen gab es bereits. Nun wollen wir von Euch hören, wo es noch bürokratische Hürden gibt und was wir verbessern können“, sagte sie in Richtung Saal.

Anschließend trat Jo Kox ans Rednerpult, um das aktuelle System kurz zu umreißen, das es zu verbessern, zu vereinfachen und zu entbürokratisieren gelte, was jedoch aufgrund bestehender Gesetze kein leichtes Unterfangen sei. „Viele können sich indes an der eigenen Nase nehmen, weil sie nicht wissen, was es überhaupt an Subventionen und Stipendien gibt und an welche Bedingungen sie geknüpft sind. Es ist kein automatisches Recht, eine Subvention zu bekommen. Nicht jeder Antrag bekommt eine positive Antwort“, stellte er klar. Wer in den Genuss einer solchen Zuwendung kommen will, muss ein Projekt vorlegen oder eine kulturelle Tätigkeit ausüben, die im allgemeinen Interesse ist. Er muss zudem genau beweisen, wozu er das beantragte Geld benötigt.

Lehrstunde über das bestehende System

Alsdann folgte eine kleine Lehrstunde, so etwa dass es sich bei einer „Bourse“ nicht um eine Subvention handele. „Das Stipendium soll dazu beitragen, bei der weiteren Professionalisierung zu helfen und wird meist über einen Aufruf ausgeschrieben. Die Entscheidung trifft eine Jury. Es gilt, die Vorgaben genau zu lesen, um einzuschätzen, ob sie überhaupt auf das persönliche Profil passen“, erklärte Kox. Die Problematik der Steuer und TVA wolle man an diesem Nachmittag nicht angehen, bemerkte er. Auch das ist bekanntlich ein heißes Eisen, das schon in der Vergangenheit für reichlich Zündstoff gesorgt hatte. Die „bourse aide à la création“ des Kulturministeriums sei derweil die einzige, die gesetzlich verankert sei, sodass der Künstler keine Steuern und keine TVA darauf entrichten müsse.

Auch das Thema Künstler- oder Autorenresidenz kam zur Sprache. „Hierzu gehört das ganze Package, demnach nicht nur die Unterkunft“, erklärte Kox, um anschließend auf die unterschiedlichen Preise im Kulturbereich einzugehen (vom „Danzpräis“ bis hin zum „Prix Batty Weber“) und den Unterschied zu den „Concours“ zu unterstreichen.

Vielfältige Unterstützung

Es gibt also tatsächlich eine große Vielfalt an Subventionen, über die die Kommissionen in den verschiedenen Institutionen entscheiden (Kulturministerium, „Fonds culturel national“, music:LX und Trois C-L). Um rund 200 Dossiers kümmere sich jede dieser Instanzen pro Jahr, bemerkte Kox. Es sei aber so, dass der Großteil der Anfragen oft an drei Kommissionen gleichzeitig gerichtet werde, sodass es regelmäßig zu einem „Ping-Pong-Effekt“ käme. „Was das Volumen anbelangt, so sprechen wir hier von drei Millionen Euro, was eigentlich ein Klacks im Vergleich zu den 145 Millionen Euro Gesamtbudget für die Kultur ist, insbesondere wenn man sich den damit verbundenen Aufwand anschaut. Da hängt viel Kleinarbeit dran“, gab Kox zu bedenken, ohne diesen Fördermitteln aber ihre Wichtigkeit abzusprechen. Manche Künstler wären auf 15.000 oder 20.000 Euro angewiesen, um überleben zu können. „Deshalb kommt es oftmals zu reichlich Unruhe wegen 5.000 Euro, an denen ein Projekt aber nun mal scheitern kann“, fügte er hinzu. Ein weiterer Punkt, der die Vergabe der Subventionen erschwere, sei der Umstand, dass die Legislativwahlen nicht mehr im Juni sondern im Oktober stattfinden würden: „Das verkompliziert das Ganze noch zusätzlich!“. Man sei bislang aber nicht untätig gewesen, so sei man derzeit dabei, die Missionen des Kulturministeriums und des Focuna neu zu definieren.

„Die Subventionspolitik beruht immer auf dem politischen Programm“, merkte Danièle Kohn-Stoffel bei der anschließenden Debatte an, die, so Moderator Jan Glas, „weder Vortrag noch Rundtischgespräch“ sein sollte, sondern „interaktiv“. Regisseurin Anne Simon wollte wissen, ob eine Gleichbehandlung der verschiedenen Kultursparten bei der Vergabe der Fördergelder angestrebt werde, woraufhin Kox meinte, dass man Musiker, Tänzer und Theaterleute nicht gleichstellen könne, weil die Unterschiede zu groß seien. Angemerkt wurde außerdem, dass es oftmals an einer „aide à la promotion“ fehle, um ein Projekt weiterlaufen zu lassen. Dem widersprach Kox: „Es gibt durchaus eine ,aide à la diffusion‘“. Claude D. Conter vom Literaturarchiv regte eine Subvention für Übersetzungen von einzelnen Buchpassagen an, die etwa nötig seien, wenn ein Luxemburger Autor an einem Bücherfestival im Ausland teilnehme. Suzanne Noesen wünschte sich derweil Ateliers zu erschwinglichen Preisen für bildende Künstlern.

Auf die kulturelle Verankerung kommt es an

Die Frage, welche Verbindung ein Projekt oder Kulturschaffender zu Luxemburg haben muss, um in den Genuss einer Unterstützung zu kommen, wurde ebenfalls gestellt, worauf es hieß, die „kulturelle Verankerung“ sei wichtiger als die Nationalität oder Luxemburg als Wohnort. „Je professioneller man in Luxemburg ist, desto weniger Unterstützung gibt es, habe ich manchmal das Gefühl“, meinte Künstler Serge Tonnar und spielte damit auf den Unterschied zu „Hobbykünstlern“ sowie auch auf die Steuern und Mehrwertsteuer an, die für einen freischaffenden Künstler anfallen. Die TVA sei ein komplexes Thema, gab Kox zu, man würde aber auch in diesem Dossier weiterkommen.

Am Ende blieb die Erkenntnis, dass viel zu tun bleibt und einige Gesetze dringend überarbeitet werden müssen. Auch müsse man sich die Frage stellen, ob die Subventionen höher dotiert werden sollen oder das Börsensystem ausgebaut werden soll. Das zu schaffende „Arts Council“ soll derweil auf eine Vielzahl dieser Fragen die passende Antwort liefern und zu einer allgemeinen Vereinfachung führen. Auf diesen Themenblock werden wir in unserer Ausgabe von morgen eingehen.