LUXEMBURG
MARCO MENG

Oranje-Bank rüstet in Sachen Fintechs auf

Die ING Bankengruppe kauft über ihre deutsche Tochter ING-Diba die Berliner Online-Kreditplattform Lendico. Das gab die ING-Diba gestern bekannt.

Mit der Übernahme der ehemaligen Rocket-Internet-Tochter, einem Marktplatz für Unternehmenskredite, rüstet die niederländische Großbank in Sachen Fintech weiter auf. Vor kurzem hatte die Bank Kooperationen mit dem Robo-Advisor Scalable Capital und dem digitalen Versicherungs-Makler Clark bekanntgegeben. Wie aus der gestrigen Erklärung der Bank hervorgeht, hat die ING-Diba AG dem deutschen Bundeskartellamt letzte Woche den Kauf der in Luxemburg ansässigen ECommerce Holding II S.à.r.l. zur Prüfung vorgelegt. Zu ihr gehört die Online-Kreditplattform Lendico.

„Wir sehen im Bereich digital SME sehr viel Wachstumspotenzial für uns“, sagt Nick Jue, Vorstandsvorsitzender der ING-DiBa AG, Head of ING Germany, Austria & Czech Republic. „Mit dem Erwerb gewinnen wir die Zielgruppe der kleinen und mittleren Unternehmen hinzu. Wir sind überzeugt, dass Lendico mit seinem digitalen, sehr effizientem Geschäftsmodell unserer Unternehmensstrategie sehr gut entspricht und wir zusammen stärker wachsen können.“

Endgültige Trennung von Rocket Internet

Im Juli hatte Rocket Internet - das Unternehmen hält unter anderem Beteiligungen am Online-Schuhhändler Zalando - die Kreditplattform Lendico zum größten Teil abgestoßen. Hauptaktionär ist seitdem der britische Hedgefonds Arrowgrass mit Sitz auf den Kaiman-Inseln. Er erwarb demnach im Sommer den Großteil der ECommerce Holding II S.à.r.l von Rocket Internet; gleichwohl sind die Geschäftsführer nach wie vor die bekannten Köpfe von Rocket Internet mit Christoph Bernhard Victor Samwer, Clemens Paschke und Dominik Steinkühler. Co-Geschäftsführer ist der in Luxemburgs Finanzbranche ebenfalls bekannte Ulrich Binninger. Über den genauen Kaufpreis wurden damals wie auch jetzt keine Angaben gemacht.

Lendico war 2013 von Rocket Internet gegründet worden und hat sich im Gegensatz zu anderen Kreditvermittlungs-Plattformen inzwischen auf die Vermittlung von Firmenkrediten im Volumen von 10.000 bis 250.000 Euro spezialisiert. Zwar wurden seitdem viele Niederlassungen gegründet, deren Holdings allesamt in Luxemburg eingetragen sind, doch das Geschäft in Spanien, Polen und Südafrika wurde wieder eingestellt. Laut einem Geschäftsbericht von Rocket Internet mussten die Samwers 2016 auf Lendico eine „Wertminderungsaufwendung“ in Höhe von 19,5 Millionen Euro vornehmen.

Obwohl das Start-up zwar bislang keinen Gewinn gemacht hat, scheint der Zukauf für ING Diba dennoch interessant. Denn wie Jue erklärt, will er die Direktbank zu einer der größten deutschen Universalbanken machen, und dazu kann das Mittel Fintechs dienen. Schon bei der Bilanz-Pressekonferenz Anfang Februar hatte der ING-Diba-bei der Vorlage eines Rekordergebnisses angedeutet, mit einem speziellen Online-Kredit für kleine und mittelgroße Firmen an den Markt gehen zu wollen. Damals glaubten allerdings viele, dass die niederländische Bank das entsprechende Tool selbst bauen würde.

Nicht nur die Holding von Lendico ist in Luxemburg registriert; auch Rocket Internet selbst wie auch der Fonds Arrowgrass haben Gesellschaften in Luxemburg. Mit einer Zustimmung des Bundeskartellamts wird in den nächsten Tagen gerechnet.