SIMONE MOLITOR

Inklusion ist das Schlagwort und zugleich der Leitgedanken, wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderungen geht. Einen Meilenstein in diesem Kontext bildet die UN-Behindertenrechtskonvention, die 2008 in Kraft trat und 2011 von Luxemburg ratifiziert wurde. Der daraufhin ausgearbeitete nationale Aktionsplan verfolgt das erklärte Ziel, Menschen mit einem Handicap die gleichberechtigte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Und tatsächlich hat sich seither einiges getan, insbesondere in puncto Barrierefreiheit. Heute noch ein öffentliches Gebäude zu bauen, ohne dabei auf die Bedürfnisse gehbehinderter Menschen zu achten, wäre undenkbar. Der öffentliche Transport bleibt wohl ein schwieriges Terrain, doch auch diesbezüglich werden Anstrengungen zugunsten von Rollstuhlfahrern unternommen.

Hinsichtlich der schulischen Inklusion wurden ebenfalls Fortschritte erzielt, wenngleich in der Praxis Sonderschulen immer noch nicht überflüssig geworden sind. Die „Schule für alle“, beziehungsweise die flächendeckende, kompetente Betreuung für Kinder mit spezifischen Bedürfnissen wurde inzwischen gesetzlich verankert. Bemühungen den Arbeitsmarkt betreffend können zwar nicht geleugnet werden, dennoch gestaltet sich die Arbeitssuche längst nicht für jeden Betroffenen leicht. Zu oft bleibt die Beschäftigung in geschützten Werkstätten die einzige Alternative.

Wenn nun aber die Rede von einer gleichberechtigten Teilnahme am gesellschaftlichen Leben geht, bezieht sich dies natürlich nicht nur auf Schule, Arbeit und barrierefreie Gebäude, sondern auch auf den kulturellen Bereich. Tatsächlich war Kultur lange Zeit hörenden, sehenden und gehenden Menschen vorbehalten. Dann fielen zumindest die Hürden für Rollstuhlfahrer. Sie sind aber nun nicht die einzigen, die aufgrund einer Einschränkung noch zu oft vor unüberwindbaren Barrieren stehen, dies letztlich eben auch im Kultursektor. Das an die Bedürfnisse sehbehinderter oder hörgeschädigter Personen angepasste Angebot bleibt überschaubar, dementsprechend fehlen die Möglichkeiten, sich uneingeschränkt ins gesellschaftliche Leben einbezogen zu fühlen.

Auch wenn es zweifellos eine Herausforderung ist, gibt es positive Initiativen und Projektinitiatoren, die den etwas schwierigeren Weg nicht scheuen und die Türen ihrer Institutionen wirklich jedem öffnen. In wenigen Tagen endet in der Villa Vauban die bemerkenswerte Ausstellung „Der Lauf des Lebens“, die unter dem Motto „Ein Museum für alle“ mit Tastmodellen, Führungen in Gebärdensprache und Vergrößerungsgläsern punktet. Im Programm des „Mierscher Kulturhaus“ haben Projekte nicht nur für, sondern auch mit gehörlosen Menschen derweil seit zehn Jahren ihren Platz, der nun dank der Veranstaltungsreihe „Babel. Ein Wort, ein Zeichen“ in Zusammenarbeit mit anderen Häusern noch weiter wächst. Wohlverstanden richtet sich dieses Angebot an alle und nicht an eine spezifische Gruppe, denn wollen wir Inklusion in der Gesellschaft verankern, müssen wir sie zusammen leben, statt jeder für sich.

Auch wenn man in diesem Kontext zweifelsohne immer an Grenzen stoßen wird, kann man doch zumindest überwindbare Barrieren aus dem Weg räumen, um sich gemeinsam auf einer Seite zu bewegen.