LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

SEW: Organisation der „Rentrée“ als „Farce“ bezeichnet - SNE lehnt Beaufsichtigung des Schulhofs ab 07.00 ab

Nicht einmal eine Woche bleibt bis zur Wiedereröffnung der Grundschulen, da reiben sich die Gewerkschaften erneut an Ressortminister Claude Meisch (DP). Nach der Ankündigung des Ministers vom vergangenen Freitag, dass die Schulhöfe ab 07.00 vom Lehrpersonal beaufsichtigt würden, wenn Eltern zur Arbeit müssen, aber kein „Accueil“ stattfinden kann, ist dem „Syndicat National des Enseignants“ (SNE/CGFP) offensichtlich der Geduldsfaden gerissen. „Die meisten Lehrerinnen und Lehrer waren bereit, im Rahmen der Wiedereröffnung der Grundschulen ihre ,Tâche´ zu erhöhen und Überstunden zu leisten, damit es im Laufe des Morgens nicht zu einem Wechsel des Lehrers kommt und alle Stunden, die anfallen, vom Klassenlehrer gehalten werden können“, schreibt die Gewerkschaft.

„Jetzt noch ihnen abzuverlangen, ab 07.00 eine Beaufsichtigung zu organisieren (...) wäre vollkommen unverantwortlich und ein absolutes NO-GO für den SNE/CGFP“. Denn, und das ist das zweite Argument, es sei unmöglich, eine Vermischung von Kindern aus verschiedenen Gruppen zu verhindern. „Kinder reden miteinander, spielen zusammen und werden sich vermischen. Es sind eben Kinder!“, hält die Gewerkschaft fest.

Zu dieser Einschätzung kommt auch das „Syndikat Erzéiung a Wëssenschaft“ (SEW/OGBL), geht aber noch einen Schritt weiter. Die gesamte Organisation – Splitting der Klassen, Einteilung des Schulhofs in Zonen, die zeitversetzten Pausen – mit dem Ziel, „die Klassen nicht zu vermischen ist damit lächerlich und die ganze Organisationsarbeit der Gemeinden um zu garantieren, dass die Kinder, wenn sie zur Schule kommen, die Distanzen einhalten können und sich nicht vermischen, werden zu einer Farce.“

Das Bildungsministerium teilt die Bedenken der Gewerkschafter offenbar nur bedingt. Die Beaufsichtigung von Kindern ab sieben Uhr werde sich an eine kleine Zahl von Eltern richten, betonen Ministerium und Syvicol nach einer Konzertierung gestern. Die Beaufsichtigung werde für die Kinder von Eltern organisiert, die einer „activité essentielle“ nachgehen und die auf eine Betreuung ihrer Kinder ab 07.00 angewiesen seien. Die genauen Modalitäten dieser Beaufsichtigung würden derweil mit den Regionaldirektionen und dem SYVICOL ausgearbeitet und „vor den Pfingstferien“ mitgeteilt.

SEW fordert anderes „Rentrée“-Konzept

Doch diesen Weg will der SEW wohl nicht weiter gehen: Zusammen mit dem Landesverband fordert das Syndikat eine „Taskforce“ aus Vertretern von Gewerkschaften, Elternvertretern, dem Gemeinde- und Städteverbund Syvicol sowie Verantwortlichen aus dem Bildungsministerium, um ein Modell zu finden, „das den sanitären Anforderungen, den Bedürfnissen der Kinder und der Eltern gerecht wird und organisatorisch machbar ist“. In dem offenen Brief an Premierminister Xavier Bettel prangert die Lehrergewerkschaft nämlich etliche bleibende organisatorische Probleme an. So würde bei der Definition der Gruppen ausschließlich der Betreuungsbedarf durch die „Maison Relais“, nicht aber pädagogische Kriterien oder Freundschaften berücksichtigt und in verschiedenen Fällen „nicht einmal Geschwister in dieselbe Woche gesetzt werden“.Darüber hinaus würden viele Kinder nicht mehr von ihrem Lehrer betreut. „Bis der neue Lehrer den Überblick hat, ist das Schuljahr vorbei“, bemängeln SEW und Landesverband. In „vielen“ Gemeinden seien auch Personalfragen und die Organisation der Säle nicht geklärt. Nach Angaben des SEW wollen verschiedene Gemeinden auf eine Aufteilung der Klassen verzichten. Für Unverständnis sorgt das besondere Konzept im „Cycle 1“. Nach außen hin seien diese Gruppen nicht mehr und nicht weniger abgeschirmt als alle andere Kinder in der Grundschule. Gleiches gilt für die mögliche Zusammenlegung verschiedener Gruppen in der „maison relais“ oder die nicht mögliche Einhaltung von Abständen in den Bussen.

Verunsicherung herrscht nach Angaben des „Syndicat du Personnel de l´Éducation nationale oeuvrant spécifiquement dans l´intérêt des élèves à besoins éducatifs spécifiques“ (SPEBS/CGFP) allerdings auch noch beim Schulpersonal der Kompetenzzentren und den Eltern der betroffenen Schüler. In einem achtseitigen Papier identifiziert die Gewerkschaft zahlreiche Widersprüche und fordert, „die Gesundheit der Schüler, Lehrer, Erzieher sowie des gesamten Personals der Kompetenzzentren genauso Wert zu schätzen wie die aller anderen Menschen.“ Zu diesem Zweck formuliert und wiederholt sie mehrere Forderungen.