LUXEMBURGSVEN WOHL

Spielfokus: Silent Hill 2

Subtilität kann kompliziert sein. Ob Film, Literatur oder Videospiel, in den meisten Medien bleibt es eine Herausforderung, etwas subtil zu vermitteln, ohne, dass es beim Publikum gänzlich unbemerkt bleibt. Vor allem die ganzen Actionkracher vermitteln den Eindruck, dass Videospiele Subtilität meiden wie radioaktiv verstrahltes Gemüse. Doch einige wenige Spiele schaffen es, sich in dieser Hinsicht zu profilieren, und „Silent Hill 2“ gehört eindeutig dazu.

Folgenreicher Brief

Wenn „Silent Hill 2“ etwas richtig macht, dann ist es Atmosphäre schaffen. Dichter Nebel, blasse Farben und gleich mehrere Filter sorgen dafür, dass das Bild unscharf und ohne jegliches Leben wirkt. Das passt auch perfekt zur eigentlichen Handlung: Der Protagonist James besucht das kleine Städtchen Silent Hill, das er einst mit seiner Frau besuchte. Dies tut er jedoch nicht, weil er es dort so entspannend fand, sondern weil er einen Brief von seiner Frau erhalten hat, in dem sie ihm erklärt, dass sie dort auf ihn wartet. Das einzige Problem daran: Seine Frau ist bereits seit Jahren tot. Trotzdem wagt James sich dorthin, so als hätte er nichts besseres im Leben zu tun. Es verwundert einen eigentlich kaum, dass es dort nur so vor Monstern wimmeln, die aus seiner eigenen Psyche stammen.

Weil die Monster sein eigenes Leiden spiegeln und die ganze Stadt abseits dessen fast menschenleer ist, stellt sich sofort ein Gefühl der Isolation ein. Straßen sind aufgerissen und es klaffen unendliche Abgründe darin, Monster kriechen unter Wagen hervor und das einzige Geräusch, das oft genug zu hören ist, sind die eigenen Schritte und die Statik des Radios, das James bei sich trägt.

Seelische Abgründe

Kämpfen ist nur selten eine vernünftige Lösung. Die Steuerung ist katastrophal, die Kamera bleibt über die volle Länge des Spieles gänzlich unberechenbar. Dank einer Karte, die sich automatisch aktualisiert, finden sich die Spieler trotzdem in Silent Hill zurecht. Denn Erkunden und Rätsel lösen sind die einzigen Aktivitäten, die James voranbringen. Nach nur wenigen Stunden wird auch der Plot immer surrealer, begegnet James doch einer Frau, die seiner Ehefrau zum Verwechseln ähnlich sieht. Dadurch wird ein Schuldgefühlstrip ausgelöst mit monströsesten Dimensionen.

Dabei spielt auch die Grafik eine wichtige Rolle. Vor allem der Einsatz des Lichtes sorgt in Innenräumen für eine unverwechselbare Stimme. James läuft schließlich mit einer Taschenlampe durch die Gebäude und das erlaubte den Entwicklern natürlich, so ziemlich alles in absolute Finsternis zu tauchen. Sehr zum Nachteil der Spieler, versteht sich, da diese sich damit noch verwundbarer fühlten als bisher.

Verletzbare Spieler

Genau hier besteht der große Unterschied zu modernen Horrorspielen: Die Spieler sind noch angreifbar, sie haben nicht die notwendigen Mittel, um sich gegen die Bestien zu verteidigen. In gewisser Hinsicht sind die Spieler damit auf einer Ebene mit James, der auch nicht fähig ist, mit der Vergangenheit abzuschließen.

Das Spiel kann damit auch heute noch empfohlen werden und gilt gemeinhin als einer der absoluten Klassiker der Horrorspiele. Viele Videospiele haben sich an Silent Hill 2 gemessen und sind daran gescheitert, allen voran die Nachfolger innerhalb der eigenen Serie. Die Originalversion für PlayStation 2 kann selbst heute noch relativ leicht aufgetrieben werden. Es gab eine erweiterte Umsetzung für die Original-Xbox und es gibt auch eine HD-Neuauflage zusammen mit dem dritten Teil, die jedoch unter etlichen technischen Mängeln leidet.