LUXEMBURG
MARCO MENG

Bundespräsident Gauck eröffnet die Deutsch-Luxemburgische Wirtschaftskonferenz

Anwendungsorientierte Forschung und die Frage, wie durch Wissenstransfer die Wirtschaft gefördert werden kann, stand gestern im Mittelpunkt der 13. Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftskonferenz, die vom deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck und Erbgroßherzog Guillaume eröffnet wurde.

Michel Wurth erklärte als Präsident der Luxemburger Handelskammer in seinen Begrüßungsworten, da Europa immer mehr zu einer wissensbasierten Gesellschaft werde, müssten auch Forschung und Wirtschaft enger vernetzt werden. Innovation zu fördern bedeute nämlich, auch in Zukunft global konkurrenzfähig zu sein. Deutschland sei auf dem Gebiet bekanntermaßen an der Spitze anzufinden, doch auch Luxemburg habe in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Aufgaben der Zukunft erkannt und seine Ausgaben in Bildung und Forschung kontinuierlich erhöht: 2013 habe Luxemburg in diesem Bereich fast 300 Millionen Euro ausgegeben, zehnmal mehr als im Jahr 2000. Wurth hob in diesem Zusammenhang vor allem die gute Kooperation der Universität Luxemburg und ihr angegliederter Institute mit hiesigen Unternehmen hervor.

Wirtschaft und Wissen verzahnen

Doch „Forschung ist das eine, Transfer das andere“, betont Wurth, und darum nehme die Handelskammer Luxemburg gerne die Aufgabe wahr, Innovationsprozesse zu unterstützen. „Wettbewerbsfähig zu sein bedeutet, innovativ zu sein“, so Wurth, doch die Rahmenbedingungen dazu müssten verbessert werden, insbesondere junge Unternehmen in diesem Bereich den Zugang zum Kapitalmarkt zu erleichtern. Wirtschaft, erklärt Wurth, sei kein Mittel zum Zweck - es gehe nicht nur um Wachstum, sondern darum, das Leben der Menschen zu verbessern. Die hochkarätig besuchte Konferenz solle dazu beitragen, die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Luxemburg wie auch die zwischen den Unternehmen weiter zu verbessern.

Bundespräsident Gauck verwies darauf, dass Deutschland und Luxemburg von Beginn an die Europäische Union mitgestalteten. Seitdem hätten sich die Wirtschaften immens gewandelt und einen Höchststand an Wohlstand erreicht, den wir bislang kannten. Und: Ohne dieses europäische Zusammenwachsen, ohne den europäischen Binnenmarkt „wären unsere Wirtschaften schwächer“, so Gauck. Da Wirtschaft aber nichts statisches sei und man sich auf Altem auch nicht ausruhen dürfe, braucht Wirtschaft neue Impulse und Erkenntnisse, denn der Anteil von Innovation an Wirtschaftskraft werde steigen. Luxemburg, fuhr Gauck fort, habe immer wieder den wirtschaftlichen Wandel erfolgreich gemeistert. Das Land, dessen Offenheit spürbar und ein Faktor für Erfolg sei, meinte Gauck, sei hier Sinnbild und Vorbild für Europa, denn auch der alte Kontinent könne nur erfolgreich sein, wenn er offen für neue Ideen sei.

Gauck warf in diesem Zusammmenhang die Frage in den Raum, dass man nun auch beantworten müsse: „Wollen wir den Binnenmarkt vervollständigen?“ Stark, so sieht es der deutsche Bundespräsident, sei Europa nur gemeinsam. „Lassen Sie uns gemeinsam Neues wagen“, so Gauck.

Erbgroßherzog Guillaume sprach denn gestern in der Handelskammer auch davon, dass die gemeinsamen Voraussetzungen sehr gut sind. Deutschland sei wichtigster Handelspartner von Luxemburg und wichtigstes Abnehmerland für Luxemburger Exporte sowie nach Belgien der zweitgrößte Lieferant nach Luxemburg. Nach Angaben von German Trade and Invest ist umgekehrt Luxemburg auch ein großer Investor in Deutschland, und so erfreuen sich die Direktinvestitionen Luxemburgs dort seit Jahren einer kontinuierlichen Zunahmen, so dass der Bestand von 78,4 Mrd. Euro 2010 auf 86,7 Mrd. 2013 stieg. Umgekehrt ist Deutschland mit rund 23 Prozent der größte ausländische Direktinvestor in Luxemburg vor Belgien und den USA.

Offenheit und neue Ideen

Nach Erbgroßherzog Guillaume bedarf die angepeilte Diversifizierung der Wirtschaft Innovationen und neuer Ideen. Und der Wissenstransfer in die Betriebe sei von zentraler Bedeutung für die Luxemburger Wirtschaft.

Der Erbgroßherzog verwies dabei darauf, dass sich nicht nur jährlich 3.000 Luxemburger an deutschen Universitäten einschreiben, sondern mittlerweile auch - und zwar immer mehr - Deutsche an der Universität Luxemburg studieren.

Die Preisträger des deutschen Zukunftspreises 2012 berichteten im Anschluss von ihrer Zusammenarbeit und ihrem Erfolg: In Kooperation zwischen Siemens und der Universität Oldenburg hat das Forscherteam aus den Professoren Birger Kollmeier und Volker Hohmann sowie Dr.-Ing. Torsten Niederdränk (Siemens) ein sogenanntes binaurales Hörsystem entwickelt, das die Kommunikation zwischen den Hörgeräten beider Ohren ermöglicht und damit gewissermaßen „räumliches Hören“ ermöglicht.

Heute besucht Bundespräsident Gauck das Forschungszentrum in Esch/Belval.