LUXEMBURG
DANIEL OLY

Online- und Bürgerforum zur Diskussionsrunde über die luxemburgische Sprache vorgestellt

Die Mehrsprachigkeit Luxemburgs ist seine große Stärke. Sie dürfe aber auch nicht zu Lasten eines der Alleinstellungsmerkmale des Landes gehen, meinte Bildungsminister Claude Meisch gestern. „Die Sprache ist ein Teil unserer Identität“, erklärte er. „Da ist es zu verstehen, dass die Diskussion über die Förderung und die Präsenz der Sprache immer öfter sehr intensiv geführt wurde.“ Um dem Rechnung zu tragen, hätte die Regierung ja auch einen 40-Punkte-Plan aufgestellt und andere Maßnahmen ergriffen, darunter auch die Rechtschreibe-Kampagne „schreiwen.lu“ oder das Gesetzesprojekt zur Förderung des Luxemburgischen.

Gestern wurde die nächste Maßnahme vorgestellt: Ein „Sproocheronn“ genanntes Bürgerforum, bei dem sich Mitbürger untereinander und mit der Regierung austauschen können, um gemeinsam einen Konsens über mögliche weitere Schritte zu finden. Der Minister erhofft sich davon, die bereits geplanten Maßnahmen der Regierung noch weiter zu komplettieren.

Mehr Beteiligung und bessere Förderung

All dies soll eine bessere Vorstellung davon vermitteln, was „direkt vor Ort wirklich gebraucht wird“, erklärt der Minister weiter. Gemeinsam mit einer repräsentativen TNS-ILRES-Umfrage mit mindestens 1.000 Teilnehmern soll so ein Bild davon entstehen, wie gut die Maßnahmen zur Förderung der Sprache greifen und wo es noch möglicherweise hapert.

So sollen zwischen dem 27. Februar und dem 20. März gleich vier Bürgerrunden im direkten Austausch mit Bildungsminister Meisch und dem Staatssekretär für Kultur Guy Arendt stattfinden, bei denen zwei Stunden lang alle möglichen Themen rund um die Sprachförderung angesprochen werden können. „Wenn noch mehr Nachfrage besteht, können wir natürlich auch weitere Termine ansetzen“, meint der Minister aber. Die gesammelten Vorschläge sollen dann zu einem Bürgerprogramm vereinigt werden, das dann zusammen mit den staatlichen Maßnahmen vereint werden soll. Der langfristige Plan: Diese Programmpunkte in den 20-Jahresplan der Sprachförderung einfließen zu lassen.

„Damit kriegen die Bürger ein Mitspracherecht in der Debatte“, betonte Meisch. Damit auch wirklich jeder zu Wort kommt, wurde auch die Online-Plattform „sproocheronn.lu“ freigeschaltet, auf der sich ebenfalls ausgetauscht werden kann. Dort wird es unter anderem auch die Möglichkeit geben, direkte Verbesserungsvorschläge zu machen - diese werden dann von den Moderatoren geprüft und freigegeben. Daneben wird es ein typisches Foren-Format geben, in dem sich Nutzer untereinander austauschen und über den Sprachgebrauch diskutieren können. Die offiziellen Sprachen werden das Luxemburgische, Französische und Englische sein.

Lernen, arbeiten, leben

Das Luxemburgische sei eine wichtige Integrations- und Kommunikationssprache im Alltag. Deshalb soll es in den Diskussionen der „Sproocheronnen“ besonders um die drei alltäglichen Aspekte der Sprache gehen: Mit dem Luxemburgischen lernen und lehren, arbeiten und leben. Deshalb sollen - auch online - besonders die eigenen Meinungen zum Sprachgebrauch im Mittelpunkt stehen. Neben dem Online-Forum „sproocheronn.lu“ soll es aber auch ein speziell für Jugendliche konzipiertes Treffen im „Forum Geesseknäppchen“ geben, das ähnlich wie die Bürgerforen in einer zweistündigen Sitzung den Austausch mit dem Minister erlaubt und gemeinsam mit dem „Zentrum fir politesch Bildung“ (ZpB) organisiert wird.

„Das ist eine direkte Förderung der Strukturen für luxemburgische Sprache“, betonte Guy Arendt gestern bei der Vorstellung der Bürgerrunden. „Das komplettiert unsere Arbeit, etwa mit dem ,Zentrum für luxemburgische Sprache‘ oder dem ,Lëtzebuerger Online-Dictionnaire‘, den wir bald in einer ersten Fassung fertig stellen werden“, meinte er.

In der expliziten Förderung sieht der Minister denn auch keinen Widerspruch: „Die Mehrsprachigkeit und das Luxemburgische können durchaus gleichzeitig gefördert werden“, sagte er. „Das muss nicht zu Lasten des einen oder anderen gehen.“ So sei es denn auch kein Widerspruch, einerseits Sprachförderung zu betreiben, und anderseits dafür zu sorgen, dass Experten aus aller Welt ihr Know-How nach Luxemburg brächten. „Das schließt sich nicht aus.“

Die Absicht dürfte klar sein: Den Diskurs, der in den vergangenen Monaten zunehmend verrohte und von mehreren Seiten instrumentalisiert wurde, wieder auf eine sachliche Ebene zu heben. Es wäre der Diskussion schon reichlich geholfen, wenn die Sorgen und Ängste der Menschen wieder auf eine vernünftige, moderate Art und Weise vermittelt werden könnten.