LUXEMBURG
CLAUDE MULLER

Das „Cross Currents Trio“ in der Philharmonie

Immer wieder kommt es besonders bei Jazzensembles zu vielerwarteten aber manchmal auch überraschenden Vereinigungen bedeutender Solisten, die, wie einst die Begegnung John McLaughlin/Billy Cobham (Mahavishnu Orchestra) oder die noch immer tourende Band „Oregon“ mit Ralph Towner und Paul McCandless, als Meilensteine in die Jazzgeschichte eingehen. Am Freitag standen mit Dave Holland, Chris Potter und Zakir Hussain drei Musiker auf der Bühne der Philharmonie, die als „Cross Currents Trio“ durchaus alle Voraussetzungen erfüllen, in den Index solcher Ausnahmeformationen aufgenommen zu werden. Interessant ist in diesem Fall, dass jeder der drei Musiker in den vergangenen Jahren schon als sideman international aufsehenerregender Combos in der Philharmonie gastierte. So war Potter mit Pat Methenys „Unity Group“ bei einem unvergesslichen Marathonkonzert bereits 2014 im Rahmen von „Jazz & beyond“ zu hören. Nicht mehr vorzustellen braucht man den virtuosen Kontrabassisten, Dave Holland, der durch seine legendären Einspielungen mit Miles Davis (Bitches Brew, In A Silent Way) Meilensteine setzte. Auch er war noch vor kurzem, im März dieses Jahres, mit dem tunesischen Oudspieler Anouar Brahem, hier zu Gast.

Die herausragende Persönlichkeit des vollends überzeugenden Trios war bei diesem besonderen Konzerterlebnis zweifellos der indischstämmige Tablaspieler Zakir Hussain, der vom ersten bis zum letzten Takt und Ton seine Rolle als phantastische, technisch perfekte und unheimlich dynamische treibende Kraft kontrolliert und überzeugend verkörperte. Kaum zu glauben war, auch beim näheren, analytischen Betrachten, die Zauberkraft seiner Fingerfertigkeit, die sowohl rhythmisch wie melodiös, die Präsenz mehrerer Komparsen substituierbar scheinen ließ. Auch er hatte schon vor etwa 6 Jahren einen Auftritt an dieser Stelle.

Am letzten Freitag erlebten wir im gut besuchten großen Auditorium der Kirchberger Philharmonie ein Konzert, das mit einer a cappella-Vorstellung des Perkussionisten beginnt, mit dem brillanten, kontrapunktisch und harmonisch abgestimmtem Feeling Dave Hollands und der abenteuerlich markierten Vitalität des instinktsicheren Sopran- und Tenorsaxofonisten Chris Potter im Nu zu einer eindrucksvollen Einheit verschmilzt, die an Kompaktheit, Intensität und Spiritualität kaum zu überbieten ist. Aufgebaut wurde eine alternative Musik mit einer Klarheit und Logik, wie sie in keiner Form der Worldmusic so ekstatisch aber auch so einleuchtend einfach realisiert wurde und die Lektion neu durchdachter Strukturen perfekt übermittelte.

Spannende Dialoge zwischen drei Top-Solisten

Fast eine Stunde voll spannender Dialoge zwischen den drei Solisten, mit Schwerpunkt auf unmerklichem Wechsel von freien Improvisationen und komplex arrangierten Einwürfen, dauerte die kollektive Demonstration einer zauberhaften, kompromisslosen Vernetzung von Jazz, europäischen, amerikanischen Fragmenten und orientalischen Abweichungen bis das langerwartete Kontrabasssolo Hollands zu einem ersten, exemplarisch vorbereitetem Highlight des Konzerts führte.

Mit seiner sagenhaften, federnden Leichtigkeit überzeugte der hörbar weltmusikalisch orientierte Solist, dessen frühere powergeladenen Exkursionen auf dem E-Bass nicht zu leugnen waren, mit explodierenden, aber selbstverständlich klingenden Phrasen mit dem Resultat, seine intelligente musikalische Formsprache handfest und leicht verständlich umzusetzen. Auch Potter mit seinen langen, fantasievollen Melodielinien voller origineller Freiheiten begeisterte mit dem speziellen Aufbau seiner Improvisationen als Krönung des exklusiven musikalischen Feuerwerks.

Zakir Hussain, der sich zwar nicht wie sein Landsmann Trilok Gurtu als Showperkussionist präsentiert, ließ gegen Ende des Konzerts in einer längeren Soloperformance sämtliche Facetten seines virtuosen Konzepts, subtil und dynamisch differenziert, Revue passieren und entpuppte sich als magischer, musikalischer Geschichtenerzähler mit seiner einmaligen hypnotischen und magnetischen Kraft.

Hier waren drei ebenbürtige Partner am Werk, hier gab es keine Leader, hier waren einfach drei Botschafter einer spontanen aber formbedachten Musik am Werk, die wieder einmal bestätigten, dass die wahre Kunst darin besteht, ein schwieriges und kompliziert kalkuliertes Tongebäude so klingen zu lassen als koste es keine Mühe. Allerdings wies die ansonsten total überzeugende Soiree einen nicht bedeutungslosen Makel in Form eines nicht optimal ausbalancierten, architektonischen Klangbilds auf. Störend wirkte die akustisch dominierende Präsenz der Perkussionsinstrumente aus den vom Musiker weit entfernten Lautsprecherboxen, was das sonore Gesamtspektrum verfälschte und auf weiten Strecken die exquisiten Feinheiten von Hollands filigranen Basslinien leider komplett verdunkelten.