LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Daniel Balthasar mit neuem Album „presence of absence“ - Release Party heute Abend in „The Box“

Zweifelsohne ist er einer der bekanntesten Songwriter Luxemburgs. Und in der Regel meldet er sich alle zwei Jahre mit einem neuen Album. Diesmal mussten sich die Fans etwas länger gedulden. Heute Abend stellt Daniel Balthasar sein neues Werk mit dem aussagekräftigen Titel „presence of absence“ in der „Luxexpo The Box“ vor. Zwölf vom Stil her teils relativ unterschiedliche Songs hat Balthasar für das Album geschrieben, das indes nicht nur in Stereo, sondern zum Teil auch in Surround Sound (5.1.) aufgenommen wurde. Musikalisch einengen lässt sich der Sänger immer noch nicht, spricht von einer permanenten Weiterentwicklung und einer unkontrollierbaren Inspiration.

An diesem neuen Album haben Sie drei Jahre gearbeitet oder sogar noch länger, immerhin war „The World is a Mess“ im Jahr 2015 ja „nur“ eine EP.

Daniel Balthasar Das stimmt. Normalerweise versuche ich, Alben im Zwei-Jahres-Rhythmus rauszubringen. Nun bin ich aber seit 2012 Vater, und seither ist es ein bisschen schwieriger, mich einzuteilen (lacht). Um mehr Zeit für die Arbeit am neuen Album zu haben, habe ich eine EP dazwischengeschoben, die im Dezember 2014 in den Abbey Road Studios in London aufgenommen wurde.

Inwiefern unterscheidet sich „presence of absence“ von „The World is a Mess“?

Balthasar Eigentlich total, da nämlich „The World is a Mess“ eine akustische EP ist; damals aus der Not geboren, muss ich zugeben, weil die Preise in den Abbey Road Studios recht gepfeffert sind. Speziell für die EP hatte ich sechs Stücke geschrieben, die in einer relativ kurzen Zeit aufgenommen werden konnten, ohne das Budget zu sprengen. Außerdem wollte ich schon immer etwas Akustisches machen. Mit im Studio waren nur Marc Welfringer am Piano, Emmanuelle Seiwerath am Cello und Michel Mootz am Vibrafon. Wenn ich mit allen Musikern eine CD aufnehme, wie jetzt, ist das ein richtiges Bandprojekt, also eine ganz andere Dynamik. „presence of absence“ haben wir noch dazu komplett live eingespielt, waren demnach alle zusammen im großen Aufnahmeraum, wo wir so lange „Takes“ gemacht und am Sound getüftelt haben, bis wir zufrieden waren.

Es kommt demnach durchaus vor, dass Songs anders werden, als ursprünglich vorgesehen?

Balthasar Immer. Die Lieder schreibe und arrangiere ich, nehme zuhause ein Demo auf, gehe damit zu meiner Band, und dann arbeiten wir zusammen daran. Also ja, meine Demoaufnahme klingt meist anders als das Endresultat. Das entscheidet sich erst im Studio. Genau das ist das Spannende. Es ist der Moment, wo alle an einem Strang ziehen, um das Lied quasi auf die Welt zu bringen. Es ist ein echtes Gemeinschaftsgefühl, zusammen kreativ im Studio zu sein.

Zeichnen sich die neuen Lieder durch eine bestimmte musikalische Linie aus?

Balthasar Ich bin nicht stilgebunden, sondern schreibe die Musik, die aus mir rauskommt, manchmal ist sie introvertierter, manchmal rockiger oder experimenteller. Die neuen Stücke sind relativ unterschiedlich, jedenfalls in meiner Perzeption. Es sind Stücke dabei, die nur aus klassischer Gitarre, Streichinstrumenten und Stimme bestehen, dann wieder andere mit einer Unmenge an Effekten, von Synthesizer bis elektrische Gitarre. Fast ist es wie ein Malkasten, es ist ein bisschen von allem drin.

Eine neue Richtung schlagen Sie aber nicht ein?

Balthasar So würde ich es nicht ausdrücken. Musik schreiben, ist für mich einfach etwas Kontinuierliches. Ich stelle mich andauernd selbst in Frage. Ich nehme mir aber nicht gezielt vor, das oder das zu schreiben. Das funktioniert nicht, vielmehr ist es etwas, was aus dem Unbewussten kommt. Wenn ich beim Schreiben zu viel über meine Lieder nachdenke, höre ich auf, denn dann entsteht etwas zu Durchdachtes, etwas total Verkopftes, was nicht spontan ist. Meine Lieder sollen aber so klingen, als wären sie ganz natürlich entstanden.

An der nötigen Inspiration mangelt es also nicht?

Balthasar Selten. Ich habe ständig irgendwelche Melodien im Kopf, irgendwelche Sätze, die einfach so auftauchen. So etwas wie eine Schreibblockade hatte ich bislang nicht. Inspiration ist etwas Magisches, was man nicht kontrollieren kann. Wenn man sich hinsetzt, kommt immer etwas dabei raus, was nicht heißt, dass alles gut ist. Es gibt auch Stücke, die Schrott sind und die dann natürlich nicht veröffentlicht werden.

Nehmen Sie sich denn gezielt gewisse Themen vor?

Balthasar Auch nicht, das entsteht so ein bisschen aus einem nebulösen Gefühl heraus. Oft habe ich eine vage Idee, oder mir fällt ein bestimmter Satz ein, der dann die Ausgangsbasis bildet. Ich schreibe keine politischen oder gesellschaftskritischen Texte, das liegt mir nicht. Meine Lieder sind zeitlos und handeln von Emotionen, von dem, was uns Menschen ausmacht, dass wir fühlen, dass wir überlegen, dass wir uns Fragen stellen...

Mit „Something Worth“ haben Sie auch ein Duett mit Noémie Wolfs, frühere Sängerin von Hooverphonic, aufgenommen. Wie kam es dazu?

Balthasar Eigentlich hatte ich das Lied schon komplett eingesungen, jedoch dauernd das Gefühl, dass etwas fehlen würde und dass es sich perfekt als Duett eignen würde. Ich hatte eine Stimme à la Nancy Sinatra im Sinn, wusste aber nicht genau, wer eine solche Stimme hat, so habe ich das Ganze einfach mal sacken lassen und nicht weiter darüber nachgedacht, bis mir auf einmal ein Lied von Hooverphonic in den Kopf kam. Werner Pensaert, mit dem ich jetzt schon vier Alben und eine EP aufgenommen habe, arbeitet regelmäßig als Toningenieur mit der Band und hat den Kontakt hergestellt.

Sechs Alben und zwei EPs haben Sie bislang mit Ihrer Band veröffentlicht, waren davor Mitglied der alternativen Band „Blue Room“ und haben noch dazu 1998 in Eigenregie das Album „Daniel Balthasar“ realisiert. Wie haben Sie sich in dieser ganzen Zeit musikalisch weiterentwickelt? Können Sie sich noch mit Ihren Erstlingswerken identifizieren?

Balthasar Natürlich nicht (lacht). Mein erstes Album habe ich tatsächlich 1998 zuhause auf einem Vierspurgerät aufgenommen und alle Instrumente selbst gespielt, obwohl ich gar nicht alle beherrsche. Wenn ich mir das heute anhöre, finde ich es natürlich ganz furchtbar. Die Lieder waren nicht ausgereift. Es war nicht mehr als ein Hobby-Projekt. Trotzdem bin ich der CD sehr dankbar, weil sie mich zu „Blue Room“ gebracht hat, mit denen ich dann mein erstes Album im Studio aufgenommen habe und 2003 schließlich mein erstes eigenes Album. Damals habe ich viele Sachen gemacht, die ich heute nicht mehr so machen würde, zum Beispiel habe ich versucht, meine Musiker komplett zu kontrollieren und jedem gesagt, wie er spielen muss. Ich wollte meine Stücke vor allem schützen und nur meine Vision durchsetzen. Das habe ich aber im Laufe der Zeit abgelegt, dadurch dass ich meinen Musikern nun viel mehr Freiraum lasse. Ich habe gemerkt, dass etwas Interessanteres und von der Musik her Lebendigeres entsteht, wenn die Musiker so spielen, wie sie es spüren und nicht verkrampft an dem festhalten, was ich vorgebe.

Viele Köche verderben also doch nicht den Brei?

Balthasar Ich bin immer noch, wie soll ich es nennen, ja, der Diktator, also ich sage ganz klar, wenn mir etwas nicht gefällt, bin aber offen für gute Ideen. An diesen Punkt musste ich aber erstmal kommen, demnach die Ideen der anderen für meine Lieder zuzulassen.

Daniel Balthasar tritt heute während des „e-Lake New Release Festival“ im Rahmen der „Spingbreak“ um 21.20 auf. Auch andere Bands wie Diario, District 7 und De Läb stellen ab 18.00 ihre neuen Alben vor. Infos unter www.springbreak.lu