LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Das Stück "Lady Windermere’s Phone" gewann den Theater-Wettbewerb

In der vergangenen Saison organisierte der TNL Jugendclub „Maach Theater“ anlässlich seines zehnten Jubiläums den Wettbewerb „First Steps“. Hierbei wurden junge Theaterbegeisterte aufgefordert, ihr selbstverfasstes Projekt einzureichen. Das Stück „Lady Windermere’s Phone“ der 18-jährigen Abiturientin Ada Günther wurde aus allen Einsendungen ausgewählt und feierte am Freitag im „TNL“ Premiere. Wir haben mit der jungen Drehbuchautorin über diese Erfahrung gesprochen.

Worum geht es genau in deinem Stück?

Ada Günther Es ist im Grunde kein ganz neues Stück, sondern eine Neubearbeitung Oscar Wilde’s „Lady Windermere’s Fan“. Ich kam während des Leseprozesses auf die Idee und habe dann von dem Wettbewerb „First Steps“ gehört, da ich seit fünf Jahren Mitglied des TNL Jugendclubs bin. Es handelt von einer jungen Frau, Lady Windermere, deren Vater plötzlich in ihr Leben tritt. Im Mittelpunkt stehen das komplexe Vater-Tochter- Verhältnis und die persönliche Entwicklung der engstirnigen Protagonistin, die trotz ihres jungen Alters sehr altmodische und festgefahrene Ideen hat. Zu den grundlegendsten Veränderungen im Vergleich zum Originalwerk gehören die Modernisierung der Sprache und die Ersetzung des Butlers durch ein personifiziertes Handy, das auf der Bühne als Person auftritt und als Diener der Protagonistin fungiert.

Wieso hast du gerade ein Werk von Oscar Wilde ausgesucht?

Günther Oscar Wilde konnte seine wirkliche Meinung, die denen der Allgemeinheit in vielen Punkten widersprach, zu seiner Zeit nicht klar ausdrücken. Es gibt viele Hinweise darauf, dass er mit der Gesellschaft und ihren Vorstellungen nicht einverstanden gewesen ist. Auch konnte er wohl nie zu seiner Homosexualität stehen. Ich wollte seine Ideen gerne in unsere Zeit übertragen und das, was ihm nicht erlaubt war, ausdrücken, weiterführen und auf den Punkt bringen.

„Life is far too important a thing to ever talk seriously about it“ heißt es im Originalwerk. Wie ist das gemeint?

Günther Jeder versteht wahrscheinlich etwas anderes darunter. Ich denke, es ist ungesund, alles immer zu ernst zu nehmen und zu negativ zu sehen. Ein gesunder Optimismus macht einem das Leben leichter und angenehmer und manchmal ist es gut, etwas mit Humor zu nehmen. Oscar Wilde ist immerhin bekannt dafür gewesen, eine sehr humorvolle Person zu sein; der Humor seiner Werke ist einzigartig.

Was war die größte Herausforderung bei der Umsetzung deines Drehbuchs?

Günther Ich musste mich von vornherein um alles selbst kümmern. Alles begann mit einem Casting für die Besetzung, was sich als ein wenig schwer erwiesen hat am Anfang, weil es nicht so viele Schauspieler gibt, die englischsprachige Stücke spielen. Ich habe auch zum Teil die Regie übernommen, die Kostüme ausgewählt, einen Probeplan erstellt und mich um alle administrativen Angelegenheiten gekümmert. Ich war im Grunde genommen verantwortlich für das gesamte Projekt, wenn also jemand eine Frage hatte, dann wandte er sich an mich. Ich musste alles koordinieren und die Beteiligten auch mal an bestimmte Sachen erinnern und dafür sorgen, dass niemand zu spät kam. Die Regieführung empfand ich hin und wieder als frustrierend, wenn ich etwas nicht so umsetzen konnte, wie ich mir das vorgestellt hatte. Zum Glück hatte ich aber Unterstützung und war auch froh, dass manche Details geändert wurden. Das ist das Schöne, wenn Menschen zusammenarbeiten, dann bringt jeder neue Ideen ein.

Was war es für ein Gefühl, zu sehen, wie das eigene Stück Form annimmt?

Günther Es ist ein unglaublich tolles Gefühl! Mein erster Gedanke war, dass ich das alles nicht verdient habe. Aber dann war ich stolz, weil ich weiß, dass ich mir das erarbeitet habe. Es freut mich, dass die Menschen, die mit mir zusammengearbeitet haben, verstanden haben, was ich mit meinem Stück ausdrücken wollte und dazu beigetragen haben, dem Publikum das ebenfalls zu vermitteln.

Was gefällt dir im Allgemeinen am Theater?

Günther Man kann es natürlich nicht wirklich mit einem Buch oder einem Film vergleichen, aber ich persönliche schätze am Theater, dass es sich um eine sehr persönliche und direkte Art der Kunst handelt. Alle Menschen konzentrieren sich für kurze Zeit auf eine bestimmte Geschichte. Man hat das Gefühl, einander nahe zu sein und unmittelbar im Geschehen zu sein.

Was machst du sonst noch in deiner Freizeit?

Günther Ich wirke in Theaterstücken auch als Darstellerin mit. Auch schreibe ich Gedichte und habe vor zwei Jahren sogar mit einem Roman begonnen. Ich lese sehr viel, lerne Diktion am Konservatorium und mache Yoga. Mit Babysitten und Übersetzen kleinerer Texte verdiene ich mir nebenbei ein kleines Taschengeld dazu.