LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Wiedereröffnung des Hauptgebäudes der „Archives nationales“

Acht Monate lang waren die Türen des Hauptgebäudes des Nationalarchivs für die Öffentlichkeit geschlossen. Gestern wurde die Wiederöffnung in den Räumlichkeiten auf dem Plateau „Saint-Esprit“ gefeiert. Seit dem 22. September ist das Nationalarchiv wieder wie gewohnt geöffnet.

In erster Linie handelt es sich bei den durchgeführten Arbeiten um eine technische Instandsetzung, die vor allem der Sicherheit der Besucher in den Lesesälen und des Personals zugute kommt. Vor Beginn der Arbeiten entsprach das Gebäude weder den geltenden Sicherheitsanforderungen noch den Anforderungen der „Commodo/Incommodo“-Prozedur. Insgesamt elf Unternehmen waren in den vergangenen Monaten im Einsatz, um unter anderem Feuerschutztüren einzubauen, die Elektrik komplett zu erneuern wie auch den Einbruchschutz zu verbessern.Neu ist auch das Heiz- und Kühlsystem im Restaurationsatelier, um Temperatureinbrüche im Winter zu vermeiden. Die historischen Schätze wurden während den Arbeiten komplett abgedeckt.

Die Direktorin des Nationalarchivs, Josée Kirps hieß die Gäste gestern Abend willkommen. Auch Kulturministerin Maggy Nagel wohnte der Wiedereröffnungszeremonie bei. Auf die Ansprachen folgte ein Konzert von André Mergenthaler. Derzeit befinden sich die Bestände des Nationalarchivs an drei Standorten, im Archiv selbst und nebenan im Parkhaus St. Esprit. Fast die Hälfte der Bestände, rund 22 Regalkilometer befinden sich derzeit noch im Postgebäude am Bahnhof - der dritte Standort - und werden bald nach Bartringen umziehen, wo für rund 26 Regalkilometer unter guten Bedingungen Platz ist. Für Konsultierungen werden Dokumente von hier auf Bestellung ins Nationalarchiv gebracht.

Die große Standortfrage

Aufschluss über das nun seit Jahren diskutierte Dossier Nationalarchiv gibt eine im Sommer beantwortete parlamentarische Anfrage. Demnach reicht die Entscheidung, ein neues Gebäude für das Nationalarchiv in Esch/Belval zu bauen, auf das Jahr 2002 zurück. Ein Jahr später nimmt der Regierungsrat im April ein entsprechendes Gesetzesprojekt an. Für den Bau werden rund 84,2 Millionen Euro veranschlagt; das Projekt sieht rund 180 Regalkilometer vor auf 28.000 m2 vor. Im Koalitionsabkommen 2004 heißt es dann: „le Gouvernement poursuivra les travaux de construction (…) des Archives nationales à Esch/Belval“. Weitere zwei Jahre vergehen und die Regierung überdenkt das erste Projekt zugunsten eines Baus in mehreren Phasen, um einerseits die Kosten zu verringern, andererseits nicht ein Gebäude zu errichten, das in der Folge halb leer stehe. Eine im gleichen Jahr eingesetzte Arbeitsgruppe soll ein neues Bauprojekt ausarbeiten, das der finanziellen Situation des Staats und dem unmittelbaren Bedarf des Nationalarchivs gerecht wird. Ihre Schlussfolgerungen unterbreitet die Arbeitsgruppe der Regierung im Jahr 2009, ohne, wie es in der Antwort heißt „,qu’il y ait eu des suites au niveau politique“. Mit dem Resultat, dass sich das Nationalarchiv heute in einer „schwierigen und inakzeptablen“ Situation wiederfinde.