LUXEMBURG
SERGE KOLLWELTER

Die Anstrengungen der Regierung, um die vielen Menschen unterzubringen, die 2015 und 2016 in Luxemburg ankamen, stoßen beim „Ronnen Dësch“ auf Anerkennung. Mit dem begleiteten Integrationsparcours PIA gebe es nun auch einen ersten Ansatz eines Integrationskonzepts. Die Plattform ist allerdings der Ansicht, dass deutlich mehr unternommen werden könne, um die Integration zu begünstigen, meint Serge Kollwelter - auch mit Blick auf die heutige Konsultationsdebatte zum nächsten nationalen Integrationsplan.

„Wir begrüßen zunächst einmal ausdrücklich, dass es den ,parcours d’intégration accompagné‘ (PIA) überhaupt gibt. Unserer Ansicht nach wäre es sinnvoll, diesem Instrument nach dem Vorbild des Aufnahme- und Integrationsvertrags eine gesetzliche Grundlage zu geben, sobald nach einer gewissen Zeit Erfahrungen gesammelt werden konnten. Man könnte sich darüber hinaus vorstellen dass, wer ein ernsthaftes Interesse an den im Rahmen des PIA angebotenen Kursen an den Tag legt, die Mietbürgschaft gestellt bekommt, wenn der Betroffene erst einmal das Flüchtlingsstatut erhalten hat. Das würde den Familien bei der Wohnungssuche entgegenkommen und zudem Plätze in den Asylstrukturen freimachen. Mit 25 Euro pro Monat pro Erwachsener kann man kein Geld beiseitelegen, um mehrere Monatsmieten vorzustrecken.

Allerdings wäre noch viel mehr im Sinne der Integration vorstellbar. Weil Menschen in der Asylprozedur nur sehr wenig machen können, sprechen wir uns außerdem dafür aus, Schutzsuchenden mit einer hohen Bleibeperspektive, also guten Aussichten auf internationalen Schutz, uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt zu gewähren. Die geringe Anzahl der ausgestellten temporären Beschäftigungserlaubnis (AOT) zeigt, dass dieses Instrument in der Praxis nicht funktioniert - auch wenn man die Anstrengungen der ADEM bei der Arbeitsvermittlung anerkennen muss.

Wer Asylbewerbern mehr Autonomie einräumen will, muss auch bereit sein, ihnen mehr Entscheidungsfreiheit und Verantwortung zuzugestehen. Wenn Luxemburg zur Riege der ,digital nations‘ gehören will, warum dann nicht auch Asylbewerbern wiederaufladbare Kreditkarten zur Verfügung stellen und ihnen erlauben, frei über die ihnen gewährten Mittel zu entscheiden, statt vorzuschreiben, wie viel sie für Hygieneartikel oder Kleidung ausgeben dürfen. In diesem Sinne sollten Asylbewerber auch frei entscheiden können, wo sie ihre Einkäufe tätigen, statt von den teuren ,épicerie sur roues‘ abhängig zu sein. Auf diese Weise würden die Menschen öfter aus den Asylstrukturen raus und mit anderen Menschen in Kontakt kommen. Wir unterstützen außerdem Initiativen, die es Asylbewerbern ermöglichen, selber zu kochen. Wir bedauern zudem, dass von der in der Gesetzgebung vorgesehenen Möglichkeit, Asylbewerber in die Alltagsgestaltung einer Struktur einzubinden, nur wenig Gebrauch gemacht wird.

Es wäre zudem sicherlich fruchtbar, eine Bilanz der zahlreichen von der ‚Oeuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte‘ unterstützten Initiativen zu ziehen. In der Tat gibt es neben den großen Akteuren auch viele kleine Initiativen und Vereine, die sich mit neuen Ideen in der Integration verdient gemacht haben.“

ronnendesch.lu