LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Arbeitssuchende fit machen für digitalen Arbeitsmarkt - ADEM und Partner starten „Future Skills“-Initiative

Am Montag stiegen die ersten zwölf Arbeitssuchenden in das neue „Future Skills“-Programm ein, das die Arbeitsagentur gemeinsam mit ihren Partnern, dem „Luxembourg Lifelong Learning Center“ der Arbeitnehmerkammer und dem „House of Training“ der Handelskammer über die letzten Monate aufgebaut hat. In den kommenden vier bis fünf Wochen werden sie mittels E-Learning intensiv lernen, wie sie ihre Lernfähigkeit verbessern, ihre Organisation, ihre Kommunikation, aber auch ihre Kompetenzen zur Zusammenarbeit in einem Betrieb sowie wie sie ihre Kreativität besser einsetzen können. Dann folgt während zwei Wochen eine Einweisung in die digitalen Instrumente, danach zwei Wochen in Projektmanagement mit Akzenten wie Risikoabschätzung und -verwaltung und Transformationsbegleitung. Im letzten Teil des Programms, das sich über drei bis vier Wochen erstreckt, können die Teilnehmer zwischen einer Vertiefung ihres Wissens über gängige Bürosoftwares oder dem Erwerb der Grundlagen in Sachen Coding und Datenmanagement wählen.

Anschließend bietet sich ihnen die Gelegenheit für ein sechsmonatiges Praktikum im öffentlichen Sektor, bei dem sie ihre Kompetenzen unter Beweis stellen können. Zwecks Abfederung der Konsequenzen der Covid-19-Krise auf den Arbeitsmarkt hatten Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgebervertreter bei der Tripartite Anfang Juli eine Reihe von Maßnahmen beschlossen wie die Absenkung des Zugangsalters zu verschiedenen Einstellungsbeihilfen aber auch die Schaffung bis Ende 2021 von rund 300 sogenannte „Occupation temporaire indemnisée“-Stellen bei Verwaltungen, an denen Bezieher von Arbeitslosengeld eine zusätzliche Vergütung erhalten.

Zwei weitere Pfeiler

Rund 70 solcher Stellen seien mittlerweile geschaffen worden, sagte Arbeitsminister Dan Kersch (LSAP) gestern bei der Vorstellung der „Future Skills“-Initiative und appellierte noch einmal an öffentliche Verwaltungen, solche Praktikumsmöglichkeiten zu melden.

Aber die „Future Skills“-Initiative ist nicht nur langfristig angelegt, sondern soll in einer weiteren Phase – wenn die Unterstützung des Europäischen Solidaritätsfonds gesichert ist – auf die Privatwirtschaft ausgedehnt werden. So sollen vor allem mittelständische Betriebe, deren Aktivitäten durch die Digitalisierung signifikant verändert werden, in den Genuss von Unterstützung für die Planung der Kompetenzen kommen, die sie für eine gelungene Anpassung im Unternehmen benötigen. Ein weiterer Pfeiler von „Future Skills“ ist auch das Monitoring der Auswirkungen des digitalen Wandels auf Berufe. Welche werden verschwinden? Wie müssen die Laufbahnen angepasst werden? Wie muss das Weiterbildungsangebot aussehen? Sind die Begleitmaßnahmen der ADEM noch zeitgemäß? Laut Dan Kersch stattet sich das Arbeitsministerium derzeit mit den erforderlichen internen Kompetenzen aus, um dieses Monitoring zu gewährleisten.

Motiviert und „E-Learning“-affin

Kersch freute sich vor allem darüber, dass mit „Future Skills“ wiederum eine enge Zusammenarbeit mit mehreren Partnern gelungen ist, deren Erfahrung in Sachen Weiterbildung den Jobsuchenden zugute komme. Rund 500.000 Euro investiert das Arbeitsministerium in das Projekt. Wobei, wie ADEM-Direktorin Isabelle Schlesser hervorhob, die Lern-Module, die in diesem Rahmen entwickelt wurden, das intellektuelle Eigentum von ADEM und Arbeitsministerium sind. Das bedeutet, dass sie später einmal auch Arbeitssuchenden, die nicht im Programm sind, zur Verfügung gestellt werden könnten. Schlesser geht davon aus, dass bis Ende nächsten Jahres 300 bis 500 Teilnehmer den „Future Skills“-Weg beschreiten können. Als Voraussetzung gelten mindestens eine abgeschlossene „Deuxième“ der Sekundarschule, gute Französischkenntnisse, Grundlagen im Luxemburgischen, die Fähigkeit, autonom an einem E-Learning-Kurs teilzunehmen und eine Motivationsbekundung, sich richtig reinzuhängen. Das Programm ist auf 30 Stunden die Woche ausgelegt, wobei der Jobsuchende aber weiterhin aktiv eine Stelle suchen und für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen muss. Heißt also: Wenn er eine Stelle findet, scheidet er aus dem Programm aus. Wobei ihm die durchlaufenen Module allerdings stets zertifiziert werden.