LUXEMBURG
PATRICK WELTER

„UNESCO Visitor Center“ der Öffentlichkeit vorgestellt

Die UNESCO ist für die meisten, trotz allen Nachrichtenflusses, etwas weit Entferntes. Einige wissen immerhin, dass es sich um eine internationale Kulturinstitution mit Sitz in Paris handelt.

Damit sich die öffentliche Wahrnehmung der UNESCO in Luxemburg ändert und auch das Thema „Luxemburg Weltkulturerbe“ weiter vertieft werden kann, wurde gestern im „Lëtzebuerg City Museum“ das „UNESCO Visitor Center“ eröffnet. Es handelt sich zwar nur um zwei – wunderschöne – Räume im barocken Teil des Museums, die haben es aber in sich - vor allem digital! Mit Hilfe modernste Technik kann man vieles über die UNESCO, ihre Geschichte, die noch während des Zweiten Weltkriegs begann, und ihre Aufgaben erfahren. Auf dem zentralen Touchscreen im ersten Raum kann man sich von den drei luxemburgischen UNESCO-Orten (Luxemburg-Stadt, Echternach: Springprozession, Clerf: Family of man) über die Großregion bis in die ganze Welt mit beispielhaften UNESCO-Stätten klicken.

Vier Damen, Großherzogin Maria Teresa als UNESCO-Botschafterin, Simone Beck als Präsidentin der luxemburgischen UNESCO-Kommission, Kulturministerin Sam Tanson und Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer erläutern auf jeweils eigenen Bildschirmen ihre Gedanken über die Aufgaben der UNESCO und den Reiz eines Weltkulturerbes.

Blick aus dem Fenster

Der zweite Raum steht ganz im Zeichen eines Modells der Stadt Luxemburg in ihrer heutigen Ausdehnung und Bebauung. Die ganz in weiß gehaltene, maßstabsgerechte Stadt dient als Projektionsfläche für seitliche interaktive Infosäulen: Rot zeigt die UNESCO-Kernzone, Blau die Pufferzone. Andere Infos gibt es zu wichtigen historischen Baudenkmalen in der Altstadt.

Für Robert Philippart, „UNESCO Site Manager“ und Mitgestalter des „UNESCO Visitor Center“, gehört aber auch der Blick aus dem Fenster zum Konzept. Die beiden nach Osten liegenden Fenster bieten einen Blick, der alles „en direct“ liefert, was das Welterbe Luxemburg ausmacht.

Ein paar Fragen an Robert Philippart, „UNESCO Site Manager“

Auf unsere Frage betonte Robert Philippart, der „UNESCO Site Manager“ für Luxemburg, dass das Jubiläumsjahr und der Status als Weltkulturerbe-Stätte nicht isoliert stehen. In der praktischen Arbeit kommt es auf die Zusammenarbeit an, schon in den „normalen“ Zeiten. Für die zahlreichen Feiern die sich durch das ganze Jahr 2020 ziehen werden, sei die Zusammenarbeit von etlichen Partnern notwendig, um vom Stadium der Planung eines Projektes bis zur Umsetzung zu kommen. Für alles müsse man entsprechend gute Partner finden. Egal ob Verwaltung, Staat oder private Unternehmen. Philippart sprach von einer UNESCO-Familie in die nicht nur die nationalen Kräfte bündelt, sondern auch die benachbarten Weltkulturerbe-Stätten in der nahen Großregion mit einschließt.

Simone Beck, die Präsidentin des luxemburgischen UNESCO-Komitees, hatte am Montag die rote Liste von gefährdeten Weltkulturerbe-Stätten angesprochen. Während in Kriegsgebieten die Kulturerbe-Stätten in ihrem physischen Bestand gefährdet sind, wie das syrische Palmyra, sind es bei westlichen Städten mit dem UNESCO-Label in der Regel Immobilienentwickler, die ihre Projekte ohne Rücksicht auf das Kulturerbe durchsetzen wollen. Aktuell stehen Liverpool und Wien wegen entsprechender Pläne auf der Liste der gefährdeten Weltkulturerbe-Stätten.

Angesprochen auf eine mögliche Gefährdung des Welterbe-Status von Altstadt und Festung Luxemburg durch externe Kräfte, konnte Philippart abwiegeln. Die Stadt Luxemburg schütze die beiden UNESCO-Zonen, die Kern- und die Pufferzone, mit Hilfe des Allgemeinen Bebauungsplans (PAG) rigide. Bauträger mit Ideen für innerstädtische Hochhäuser hätten keine Chance.

Was ist die UNESCO?

„Die UNESCO ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation. Sie ist eine von 15 Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Als einzige UN-Sonderorganisation verfügt die UNESCO über ein weltweites Netzwerk von Nationalkommissionen, derzeit 199 weltweit. Diese sind die zentrale Schnittstelle zwischen Staat, Zivilgesellschaft und der UNESCO. Die Globale Nachhaltigkeitsagenda 2030 ist Leitbild für die Arbeit der UNESCO und ihrer Nationalkommissionen. Mit ihren vielfältigen Programmen tragen sie zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele in allen Weltregionen bei.“ Der Sitz der UNESCO ist Paris. QUELLE: UNESCO