LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Paul Schonenberg, CEO und Präsident der „Amcham“, kostet seinen Verein einiges

Der Chairman & CEO der „American Chamber of Commerce“ (Amcham) Luxembourg, Paul-Michael Schonenberg, über den wir bereits diese Woche berichteten, hat nicht nur Staat und Steuerzahler hinters Licht geführt, sondern auch seinen Verein. Ersteres hat dazu geführt, dass das Ministerium für Familie, Integration und die Großregion Unterlagen an die Staatsanwaltschaft weitergereicht hat, wie uns auf Anfrage bestätigt wurde. Dabei geht es um den Missbrauch öffentlicher Gelder, die für Integration gedacht waren. Der großzügige Umgang mit Vereinsgeldern könnte ähnliche Folgen haben, denn die wenigsten Mitglieder dürften geahnt haben, was der Mann so tat. In den 19 Jahren, die der geborene New Yorker an der Spitze des Vereins steht, in dem zahlreiche bedeutende Unternehmen und Kanzleien Mitglied sind, gab es offenbar wenig Fragen. Vielleicht äußert er sich auch nicht gern. Unsere Anfrage um eine Stellungnahme seinerseits auf die Vorwürfe blieb bislang unbeantwortet. Mitgliedsunternehmen wollten keinen Kommentar abgeben.

Doch nach Unterlagen, die dem „Journal“ vorliegen, hat Schonenberg seine Stellung ausgenutzt, um sich selbst zu bereichern. Er ist dabei systematisch vorgegangen und hat unliebsame Kritiker aus dem Weg geräumt. Heute geht es darum, wie der laut eigenen Angaben dienstälteste CEO der Amcham seine Macht ausnutzte, um sich auf Kosten des Vereins zu bereichern - trotz finanzieller Schwierigkeiten desselben.

Die Amcham bezeichnet sich selbst als größte und aktivste Handelskammer in Luxemburg, die 450 Unternehmen repräsentiert und seit 23 Jahren hier präsent ist. Sie ist Teil des europäischen Amcham-Netzwerks und gehört der „American Chamber of Commerce in Washington“ an. So honorig die Amcham sich auf ihrer Webseite darstellt, so schwierig ist offenbar die finanzielle Situation.

Probleme mit den Beiträgen

In einer Mail von Ende April 2018 teilt Schonenberg dem Amcham-Schatzmeister James O’Neal mit, dass rund 160 Mitglieder ihren Beitrag für das Jahr 2018 noch nicht bezahlt haben. Aber es würden „nur“ 30.000 Euro fehlen, um geplante Ausgaben tätigen zu können. Der Schatzmeister, der ansonsten Schonenbergs Positionen meist unterstützt, warnt ihn jedoch, die Mitglieder über die genaue Höhe der fehlenden Summe zu informieren, unter anderem, weil das Budget noch nicht abgeschlossen sei und jenes, das Schonenberg dem „Executive Committee“ vorgelegt habe, nicht mit den Zahlen von 2017 übereinstimme. Zu genau solle man nicht sein, sonst seien hinterher nur umso mehr Erklärungen nötig, rät der Schatzmeister.

Abgesehen von dem Vertuschungsversuch gegenüber den Mitgliedern und dem Verwaltungsrat ist die Situation noch viel schlimmer. In einer Mail von Mitte Mai 2018, also nur einen Monat später, ist das dem Amcham-CEO offenbar auch klar. Dort spricht er von geschätzten 120.000 Euro Defizit, die er und sein Schatzmeister den Mitgliedern zu erklären hätten. Das habe er aber unterlassen, weil er der Meinung gewesen sei, dass dies nicht die Wirklichkeit widerspiegeln würde. Wie schlecht es steht, muss ihm aber klar gewesen sein, denn Schonenberg selbst wollte zum gleichen Zeitpunkt rund 500 neue Mitglieder, davon 100 Unternehmen, gewinnen, um das langfristige Überleben der Kammer zu sichern.

Üppiges Gehalt von 6.000 Euro monatlich

Dabei hat Schonenberg selbst dazu beigetragen, dass so viel Geld in der Kasse fehlt. Denn schon zwei Jahre zuvor ließ er sich bestätigen, dass er seit Juli 2016 ein monatliches Gehalt von 6.000 Euro brutto erhält, die 2016 als 3.478,14 Euro netto auf seinem Konto landen. Nach der steuerlichen Anpassung sind es ab Januar 2017 mehr als 4.150 Euro netto. Pikant ist, dass im internen „Decision Sheet“ des „Executive Committee“ zwei Daten aufgeführt sind. Eines geht auf den 30. Mai ein und listet die Namen von zwei Mitgliedern des Gremiums sowie die von James O´Neal und Paul Schonenberg auf. Darunter erscheint der 31. Mai mit nur zwei Namen: Paul Schonenberg und eine weitere Person, die damals dem Gremium angehörte. Erst dann folgt die Agenda. Das wirft die Frage auf, wer überhaupt die Entscheidung zu diesem üppigen Gehalt gutgeheißen hat. Waren es wirklich alle Mitglieder des „Executive Committees“ - oder wurden solche Entscheidungen zwischen Schonenberg und einer anderen Person einen Tag später getroffen?

Denn in anderen Amchams ist es nicht unbedingt üblich, dass der Vorsitzende ein solches Gehalt erhält. Schonenberg war darüber hinaus zu diesem Zeitpunkt Rentner und bezieht eine Pension. Schwierig ist auch die Unabhängigkeit des Verwaltungsrats. Denn CEO Schonenberg ist in diesem Gremium der Präsident. Dort lief also nichts, ohne dass er davon wusste. Zeichnungsberechtigt für die Konten der Amcham sind entweder James O’Neal allein oder gemeinsam mit Schonenberg.

Die Mitglieder der Amcham hätten gegen das Gehalt vielleicht nicht so viel einzuwenden, denn in solchen Vereinen ist es oft schwierig, den Posten des Präsidenten zu besetzen, weil ihn keiner machen will. Doch das bedeutet nicht, dass sie sich abzocken lassen und für Luxus-Artikel zahlen wollen, die mit dem Geschäft nichts zu tun haben.

Spesen und Spaß mit der Kreditkarte

Denn Schonenberg kostete die Amcham-Mitglieder weit mehr als nur das Gehalt. Er verfügte über eine persönliche Kreditkarte, die über das Amcham-Konto bei der BGL BNP Paribas lief. Nach den Unterlagen, die der Zeitung vorliegen, bediente er sich reichlich. Zwischen 700 und 2.500 Euro wurden von Schonenberg monatlich mit dieser Karte ausgegeben; die meisten Beträge liegen bei etwas mehr als 1.100 Euro. Neben bemerkenswert hohen Spritkosten von um die 200 Euro monatlich - die einer Fahrleistung von etwa 45.000 Kilometer jährlich entsprechen und angesichts seines Wohnorts in Hesperingen erstaunen -, fallen Barabhebungen auf. Mal sind es 500, mal 700 und mal 1.000 Euro monatlich; fast immer verbunden mit hohen Abhebungsgebühren. Neben Restaurant-, Parkplatz- und Hotelkosten, die sich mit seiner Tätigkeit erklären lassen könnten, finden sich auch sehr wunderliche Posten. Einkäufe beim Londoner Onlineportal „aliexpress.com“, das Kleidung, Schmuck, Spiele oder Elektroartikel vertreibt beispielsweise. Oder mehr als 100 Euro für Waren von „Agent Provocateur“, einer britischen Dessous-Marke, die laut Wikipedia für „opulente Designs und provokative Werbung“ bekannt ist und Paris Hilton sowie Kate Moss zu ihren Kundinnen zählt. Die Damenunterwäsche hat ihm wohl sehr gut gefallen, denn einige Monate später ordert Schonenberg im Juli 2018 dort erneut für 685 Euro.

Was kann er da im Sinne der Amcham erworben haben? Ins Auge fallen ebenfalls 595 Euro für Kleidung des US-Anbieters www.ssense.com, bei dem ein Herrenhemd mit 420 US-Dollar zu Buche schlägt - aber hier gibt es auch farbenfrohe Lackhosen einer nigerianischen Designerin oder andere Artikel, bei denen sich die Amcham-Mitglieder sicher die Augen gerieben hätten, hätten sie davon gewusst. Schonenberg muss es gefallen haben. Denn hier shoppte er nicht nur kurz vor Weihnachten 2017, sondern auch Ende Februar 2018 - nochmal für 550 Euro. Wenn man weiß, dass Schonenberg zu Weihnachten das 1,5-fache seines Gehalts an Weihnachtsgeld erhielt und die Lage der Vereinsfinanzen im Kopf hat, ist das bemerkenswert.

Designersonnenbrillen und Schönheitsmittel

Am 01.03. 2018 gab er mit der Amcham-Karte 636 Euro beim Onlineanbieter für Sonnenbrillen „Otticanet by star“ aus, der unter anderem Designer-Modelle von Dior, Gucci oder Tom Ford vertreibt. Das geschah wohlgemerkt eineinhalb Monate, bevor er sich über ausstehende Mitgliedbeträge ausließ. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass er auch zu diesem Zeitpunkt schon wusste, wie klamm sein Verein war. Was ihn nicht gehindert hat, Mitte Juli 2018 nochmal 662 Euro bei der gleichen Adresse auszugeben. Und es geht weiter: Im Mai 2018, jenem Monat, in dem er von 120.000 Euro Defizit spricht, die der Amcham in der Kasse fehlen, gibt er mit seiner Visa-Karte 2.588,27 Euro aus - so viel wie selten zuvor. In diesem Monat hebt Schonenberg 1.250 Euro ab, damit Bargeld in der Amcham-Kasse zur Verfügung steht. Doch dieses Bargeld verschwindet Anfang Juni aus der Kasse im Büro. Erstaunlicherweise schlägt eine Amcham-Mitarbeiterin vor, das Geld von ihrem Privatkonto abzuheben und so zu tun, als ob nichts geschehen sei. Sie gilt als Vertraute Schonenbergs. Heftiger fallen die Spesen dann noch im Juni 2018 aus: 4.915,90 Euro - und das in einer Situation, in der die Amcham ein Loch im Budget hat. Auch in den folgenden Monaten ist Schonenberg nicht zurückhaltend. Im September 2018 gibt der 73-Jährige 203 Euro für Einkäufe bei „Bioledtherapy“ aus, die in der Calle Rossello 340 in Barcelona ein Geschäft mit Geräten zur Behandlung der Haut unterhalten und auch Parfümerie- und Schönheitsprodukte online vertreiben. Immerhin: Der Versand ist gratis.

Link zu unserem ersten Artikel: tinyurl.com/Schonenberg