ESCH/ALZETTE
SVEN WOHL

Fall „Keeseminnen“: Erhaltenswert und doch rollen die Bagger an

Der Denkmalschutz bleibt ein beliebtes Thema bei der Politik. Nachdem das Thema bereits im Juli breit von „déi lénk“ aufgegriffen wurde, fragen die Abgeordneten noch einmal hinsichtlich des „Rout Lëns“ nach. Wir erinnern uns: Bei besagtem Viertel in Esch/Alzette wurden mehrere Gebäude, welche mit dem industriellen Erbe der Stadt und des Großherzogtums zusammenhängen, unter Denkmalschutz gestellt. Sie sollen mit in die Gestaltung des neuen Viertels einfließen. Eine Ausnahme stellte bekannterweise die „Keeseminnen“ dar. Diese waren zunächst von der Diskussion ausgeschlossen worden, bis Kulturministerin Sam Tanson aktiv wurde - doch seitens der Besitzer, Bauträger und der Gemeinde bestand im März diesen Jahres kein Interesse am Erhalt dieser Gebäude. Marc Baum, Abgeordneter von „déi lénk“ erkundigt sich nun, auf welcher Basis die anderen Gebäude als schützenswert eingestuft wurden.

Bis vor kurzem kein Thema

Die Ministerin gibt in ihrer Antwort einen umfassenden Überblick über die Faktoren, die bei einer entsprechenden Klassierung eine Rolle spielen. Hierzu gehören die Authentizität, die architektonische Geschichte, die Kunst und Leistung der Ingenieure, das Genre, die Charakteristiken der Konstruktionsperiode, die technische, industrielle und handwerkliche Geschichte wie auch die soziale Geschichte und der Gebäudetyp. Die wissenschaftliche Analyse, welche im Rahmen eines Klassierungsverfahrens durchgeführt wird, erfolgt durch den „Service des sites et monuments nationaux“.

Einige der genannten Kriterien ließen sich laut Ministerin auch auf die „Keeseminnen“ applizieren. Nachdem die Gespräche mit den Besitzern und Bauträgern ins Leere liefen, entschied man sich jedoch, keine Klassierungsprozedur durchzuführen. Das gesamte Projekt der „Rout Lëns“ wurde von Beginn an vom „Service des sites et monuments nationaux“ begleitet. Bis vor einigen Monaten sei dabei, so die Ministerin, nie die Rede von den „Keeseminnen“ gewesen. Dementsprechend werden diese Gebäude auch nicht erhalten werden.

Mehrere Industriegebäude mit eingebunden

Am 14. Juli wurden die Klassierungsprozeduren für mehrere andere Gebäude des Geländes begonnen. Hierzu gehören die Gebäude der „Handwierkergaass“, die Turbinenzentrale, das alte Stellwerk, die  Stützmauer der Fabrik, die alte Gebläsehalle und das alte Lager und Geschäft. Die gesamte Größe des neuen Viertels, in den diese Gebäude mitintegriert werden, beläuft sich auf elf Hektar. Ökologie steht im Mittelpunkt des neuen geplanten Viertels, wozu auch der respektvolle Umgang mit den Ressourcen gehört. Das Projekt soll voraussichtlich bis 2025 abgeschlossen werden.

In einer vorangegangenen parlamentarischen Anfrage hat Ministerin Tanson bereits unterstrichen, dass solche Situationen, in denen Gebäude außen vor bleiben, in Zukunft vermieden werden sollen. •