LUXEMBURGSVEN WOHL

Spielekritik: Halo 4

Die „Halo“-Serie hat in den elf Jahren, seit sie existiert, einen tiefen Eindruck in der Spieleindustrie hinterlassen. Der First-Person Shooter dient heute noch als Blaupause für zahlreiche Genrevertreter, doch zitterten die Fans um die Serie, als sich der ursprüngliche Entwickler „Bungie“ von Microsoft lossagte und davonzog. Das flugs gegründete Studio „343 Industries“ soll mit Halo 4 eine neue Trilogie starten. Dass ihnen das Schwierigkeiten bereitet, sieht man dem Spiel deutlich an.

Rentenreform

Der Masterchief wird spontan aus seinem Kälteschlaf aufgeweckt und muss sich innerhalb kürzester Zeit gegen altbekannte und neue Aliens wehren, die, Ihr habt es erraten, die Welt zerstören wollen. Seine Freundin Cortana, künstliche Intelligenz und Aushilfs-GPS in einem, degeneriert nebenbei auch noch, weil künstliche Intelligenzen anscheinend ein Verfallsdatum haben. Das Skript hat durchaus Qualität und funktioniert wunderbar, es sei denn, der Protagonist soll Gefühle vermitteln. Mit seinem Helm deckt der Masterchief nämlich das emotionale Spektrum einer Blechdose ab, was der Dramaturgie schadet und diese teils im Keim erstickt.

Oft verschwindet damit auch der Bezug zu den Aufgaben. Zwar erreicht man in der Kampagne so einiges, immerhin rettet man ja die Welt, aber irgendwie fühlt es sich nach Nichts an. Die Kämpfe sind lang und abwechslungsreich, aber abgesehen davon drückt man nur Knöpfe. Genau das macht das Spiel beinahe lächerlich: alles was die Spieler machen, mündet in einem Knopfdruck. Die Ziele sind immer gleich: Erreiche die Konsole, drück den Knopf oder lass den Knopf durch die KI drücken indem du, richtig erraten, einen Knopf drückst. Das klingt jetzt unsäglich kleinlich, aber Dynamik ist ein essenzielles Element, wenn man sich von der Konkurrenz abheben und eine spannende Geschichte erzählen will. Hier sind die Gegner beeindruckender, denn deren Intelligenz und eigenwilliges Verhalten machen die Kämpfe komplex, spannend und abwechslungsreich. Auch die zahlreichen Gefährten, die man im Verlauf der Kampagne nutzt, brechen die Monotonie auf. Nur das Leveldesign will nicht wirklich gefallen, da es, wie bereits erwähnt, immer auf die Suche nach dem Knopf hinaus läuft.
Typischer Multiplayer
Natürlich ist auch der Mehrspielerteil des Titels wichtig. Die kooperative Kampagne Spartan-Ops
recycelt munter Teile der Story-Kampagne für bis zu vier Mitspieler und macht einigen Spaß. Der kompetitive Teil überzeugt weniger. Von „Call of Duty“ abgeschaut haben sich die Entwickler die zahlreichen freischaltbaren Fähigkeiten, was zwar motiviert, aber für eine unfaire Kluft zwischen Neulingen und Veteranen sorgt. Auch die Level sind unübersichtlich und teils asymetrisch aufgebaut. An „Halo: Reach“ kommt der Titel nirgends ran (Erhältlich für Xbox 360 für 65 Euro bei „Le Réservoir“).