LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Exportbüro music:LX unterstützt die Luxemburger Musikszene seit 2009

Giovanni Trono, Jahrgang 1979 kennt die Musikszene in Luxemburg praktisch in und auswendig, das obwohl er ein paar Jahre im Ausland verbracht hat. Das musikalische Ohr hat er von seiner Mutter, einer begnadeten Sängerin. Sie arbeitete in jungen Jahren in einer Mandelfabrik in Italien und wurde dort häufig von Arbeitskollegen gefragt, etwas vorzutragen.

Giovannis Schwester singt auch. Ihn hat es hingegen im jungen Alter von 13 Jahren ans Schlagzeug verschlagen und er trommelte unter anderem bei Bands wie Intox, Verbal Kint und Lo-Fi. „Später habe ich bei Lecitone an der Gitarre in die Saiten gegriffen und war an verschiedenen Projekten mit Leuten aus der Szene beteiligt. Das liegt aber nun schon eine Weile zurück.“

Auslandsaufenthalte

Vor einigen Jahren hat es Giovanni Trono nach Barcelona verschlagen, wo er spanische Musikstile, darunter Flamenco erlernt hat. Anschließend ging die Reise nach Montreal im Kanada, wo er insgesamt drei Jahre verweilte und in zwei Musikbands aktiv war. „Ich habe während meiner Zeit in Montreal festgestellt, dass die Musiker dort anders denken, als in Luxemburg. Sie haben eine andere Musikkultur. Die meisten Luxemburger, die in einer Band spielen, machen dies nur als Freizeitbeschäftigung. Sie haben meistens einen gutbezahlten Job und wollen diesen nicht unbedingt aufgeben, um eine professionelle Karriere zu starten. Außerdem gibt es in Montreal eine größere WG-Kultur und daher mehr zwischenmenschlichen Kontakt, als hier in Luxemburg.“

Im März 2011 hat Giovanni Trono sein internationales Abenteuer abgebrochen und sich wieder auf den Weg in die Heimat gemacht. Im August hat er dann seinen aktuellen Job bei music:LX angefangen, ein Exportbüro für Luxemburger Musik mit insgesamt zwei Mitarbeitern. „Da wir nur zu zweit sind, ist der Aufgabenbereich sehr breitgefächert. Ich kümmere mich dabei hauptsächlich um Administratives, Kommunikation, Repräsentation, Organisation, Logistik, Consulting und Management. Immerhin gibt es inzwischen mehr professionelle Strukturen in Luxemburg, als noch vor 15 Jahren. Was aber immer noch fehlt, sind große Plattenfirmen und richtige Musikjobs, wie Manager oder Booker, das obwohl das Großherzogtum geografisch sehr gut liegt. Wir sind aber weiterhin darauf angewiesen, Fachleute aus dem Ausland ins Boot zu holen.“, so der Mitgründer der Plattenfirma Ownrecords, der auch viele Jahre beim Schalltot-Kollektiv aktiv war.

Den Bands Sicherheit geben

Giovanni Trono betont, dass es für Bands nicht einfacher wird, auf Tour zu gehen. Die aktuellen Zahlen des Exportbüros sind aber sehr beeindruckend: 2012 haben Luxemburger Bands insgesamt 746 Konzerte auf allen Kontinenten gespielt, das waren ungefähr doppelt so viele, wie im Vorjahr. Daneben waren Bands aus Luxemburg auf 23 Showcases vertreten und es werden immer mehr lokale Gruppen im Ausland unter Vertrag genommen. Eine durchwegs gute Bilanz, wobei Giovanni Trono aber warnt: „Wir können nicht viel leisten, wenn die Gruppen nicht aktiv sind. Sie müssen hart arbeiten und sollten nicht erwarten, dass ihnen alles auf einen Silbertablett serviert wird. Unser Exportbüro ist eine Organisation hinter den Bands, durch die sie mehr Sicherheit bekommen.“

Vorletzte Woche hat im niederländischen Groningen das jährliche Showcase-Festival „Eurosonic“ stattgefunden, wo mit Mutiny on the Bounty und Monophona gleich zwei Vertreter aus Luxemburg mit dabei waren. Beide Bands haben am Freitag gespielt und haben einen guten Eindruck hinterlassen, sowohl beim Publikum als auch bei einigen Professionellen. „Die zwei Gruppen haben gute Konzerte gespielt. 2013 haben music-LX und das radio 100,7 ein erstes Mal zusammengearbeitet. Das soziokulturelle Radio hat Mutiny on the Bounty ausgewählt und wir haben im Vorfeld des Festivals eine Liste mit einer Vorauswahl an die Organisatoren weitergeleitet, die sich letzten Endes für Monophona entschieden haben.“

Showcases in großen Städten

Monophona, die schon im letzten Jahr ein paar kleine Wellen im Ausland gemacht haben, werden ihr erstes Album „The Spy“ in den nächsten Wochen beim Berliner Label „Snowhite“ herausbringen und anschließend in Deutschland auf Promo-Tour gehen.

Bei der nächsten Mission von music:LX sind sie indes auch mit dabei: Unter dem Motto „Luxembourg sounds like…“ spielen Monophona am 22. Januar neben Hal Flavin, Natas Loves You und Sun Glitters im „Nouveau Casino“ in Paris. „Unter diesem Motto organisieren wir isolierte Showcase-Abende in größeren Städten. Der Eintritt am 22. Januar ist frei und wir haben viele pariser Professionelle zum Event eingeladen. Wir versuchen übers Jahr auf den großen Veranstaltungen präsent zu sein, wie beispielsweise dem Midem in Cannes, der c/o Pop in Köln oder der Berlin Music Week, dem Nachfolger der Popkomm. Ich will aber auch noch einmal unterstreichen, dass die Bands ‚Export Ready‘ und aktiv sein müssen.“