COLETTE MART

Die von Donald Trump initiierte militärische Attacke in Syrien rüttelte die Weltöffentlichkeit auf, schürte die Angst vor einer Eskalation des Krieges und warf ebenfalls die Frage der Opportunität einer Intervention in einem Land auf, in dem die Menschen hilflos einer verheerenden Diktatur ausgeliefert sind.

Zeitgleich engagiert sich Donald Trump in ein Säbelgerassel mit Nordkorea; genauso wie in Syrien steht in diesem kleinen Land ein Diktator an der Spitze, der sein Volk terrorisiert. Auf den ersten Blick könnte man also meinen, Trump kehre zu jenem humanitären Interventionismus zurück, der die Außenpolitik Amerikas im 20. Jahrhunderts kennzeichnete.

Gegner des Assad-Regimes hätten also aufatmen können, dass jetzt endlich eine Kehrtwende in der Syrien-Krise, und vielleicht damit auch ein Ende der Assad-Diktatur und eine Demokratisierung des Landes eingeläutet werden könnte. Sogar die radikalsten Gegner Trumps konnten vorige Woche zur Schlussfolgerung kommen, dass der US-Präsident jetzt doch die richtige Richtung eingeschlagen hat, dass er dort gehandelt hat, wo man Obama Zaudern vorgeworfen hat, und damit an jene amerikanische Tradition anknüpft, die im Westen bis heute ihre Spuren in den Herzen der Menschen hinterließ. Die Welt ist jedoch seit dem Zweiten Weltkrieg noch komplizierter und undurchsichtiger geworden, der Krieg in Syrien wurde für politische Beobachter verworren und unüberschaubar, und militärische Interventionen gegen den IS waren vor allem durch die Angst des Westens vor Anschlägen im eigenen Land begründet, und hatten mit einem Einsatz für die Syrer wenig zu tun. Nach der ersten weltweiten Verblüffung über die Opportunität von Trumps Angriff stellt sich auf Anhieb die Frage: Wie geht es jetzt weiter?

Eskaliert der Syrien-Konflikt zu einem offenen Stellvertreterkrieg zwischen Russland und Amerika? Hat die Menschheit seit dem Zweiten Weltkrieg dazu gelernt, oder etwa doch nicht? Welche Rollen spielen der Einsatz von Chemie-Waffen in der Eskalation des Konfliktes?

Während die UNO zwar Richtlinien zum Umgang mit Chemie-Waffen und auch eine Intervention in Falle des Einsatzes solcher Waffen vorsieht, ist noch nichts in diesem Sinne wirklich passiert, da die UNO auch viel zu oft zaudert, wenn unmittelbar Menschenleben in Gefahr sind.

Fazit all dieser Überlegungen ist, dass es immer schwieriger wird, in der heutigen Welt gute Politik zu machen, die darin bestünde, Menschen vor Diktaturen und Kriegen zu schützen. Noch immer fehlen effiziente Mittel auf UN-Ebene, im Falle einer Diktatur legitim einzugreifen, ohne dabei das internationale Völkerrecht zu verletzen. Aus diesen Gründen bleiben die Menschen in Nordkorea zum Beispiel, aber auch in Syrien, ihren Diktatoren völlig schutzlos ausgeliefert, wofür sich die Welt schämen sollte. Jede Art des Eingreifens artet allerdings zu einem Krieg mit eventuell regionalen oder auch weltweiten Folgen aus. Soviel zur Komplexität einer Debatte, die an der Wurzel, nämlich in der konsequenten Vermeidung von Diktaturen, angepackt werden müsste.