LUXEMBURG
TONIKA HIRDMAN

Gefördert von der jungen Generation gewinnt Sustainable Investing nach und nach an Boden bei Geldanlagen, auch in Luxemburg, wo die Regierung in enger Abstimmung mit dem Finanzsektor ihre Vision verfolgt, der führende nachhaltige Finanzplatz der Welt zu werden. Dies ist ein großer Schritt nach vorn und sehr vielversprechend, meint Tonika Hirdman, Generaldirektorin der Fondation de Luxembourg.

„Für Stiftungen, die ein breites Feld philanthropischer Ziele unterstützen, ist es essentiell, ihre Investitionen in Einklang mit dem Stiftungszweck zu bringen und die Übereinstimmung zwischen den Werten der Gründer und den Investi-tionen der Stiftung zu gewährleisten. Obwohl die meisten Banken in Luxemburg heute eine Vielzahl nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen anbieten, haben leider nur wenige von ihnen Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren, die so genannten ESG, in ihre gesamte Anlagepalette integriert. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Fondation de Luxembourg unter den zahlreichen Banken, mit denen sie im Auftrag von über 80 unter ihrem Dach verwalteten Stiftungen zusammenarbeitet.

In der Fondation de Luxembourg empfehlen wir jedem neuen Gründer, eine nachhaltige Anlagepolitik zu verfolgen, die nicht nur finanzielle Aspekte, sondern auch ESG-Faktoren berücksichtigt. Deren Reaktion ist in der Regel sehr positiv. Bei der Entscheidung über einen solchen ESG-Ansatz kommt es darauf an, dass er umfassend und einfach anzuwenden ist, mit klaren Kriterien und einem Monitoringansatz. Typischerweise wählen Stiftungen zwischen einem Negativ-Screening, bei dem Investitionen in Unternehmen oder Branchen, die im Widerspruch zum Stiftungszweck stehen, ausgeschlossen sind, und einem positivem Ansatz, bei dem Unternehmen ausgewählt werden, die ihre ESG-Risiken aktiv überwachen. Ein dritter Ansatz ist das aktive Engagement, bei dem es darum geht, die Unternehmen, in die investiert wird, so zu beeinflussen, dass schädliche soziale oder ökologische Praktiken von diesen selbst angegangen werden. Viele Investoren entscheiden sich für eine Kombination dieser drei Strategien.

Es stimmt, dass die meisten Stiftungen eher in Fonds als direkt über Eigenkapital in Unternehmen investieren. In diesem Zusammenhang bietet die Luxemburger Label-organisation Luxflag Anlegern Leitlinien, um sicher zu stellen, dass die Fonds wirklich so investieren, wie sie es behaupten. Leider stehen derzeit nicht genügend mit dem Label gekennzeichnete Fonds zur Verfügung, um ein gut diversifiziertes Portfolio zu erreichen. Hoffentlich wird die künftige EU-Regulierung in diesem Bereich mehr Fonds in diese Richtung orientieren. Für Stiftungen, die einen Schritt weiter gehen wollen, könnte eine Strategie entwickelt werden, wie sie dies nicht nur durch Zuschüsse, sondern auch durch sogenannte Impact-Investitionen wie in Mikrofinanz oder Sozialunternehmen weiter unterstützen können. Auf diese Weise kann eine Stiftung eine doppelte Wirkung erzielen. Impact Investment zielt darauf ab, soziale und ökologische Probleme wie Armut und Klimawandel zu lösen und gleichzeitig bescheidene finanzielle Erträge zu generieren, die reinvestiert werden können, um die Kontinuität und damit langfristige Auswirkung zu gewährleisten. Wenn sich mehr Finanzinstitute in Luxemburg uneingeschränkt für diesen Bereich engagieren würden, beispielsweise, indem sie die ESG auf ihr gesamtes Produkt- und Dienstleistungsspektrum anwenden würden, wäre dies eine echte Chance, die Welt zu verändern.“