NIC. DICKEN

Die weltweite Aktualität zwingt uns dazu, selbst in diesen närrischen Tagen, die nicht nur an Rhein und Main, sondern auch in Luxemburg immer noch mit großem Engagement gefeiert werden, eher ernste und sogar beschämende Überlegungen anzustellen.

In der Schule hat man uns gelehrt, dass grundsätzlich die geistigen Fähigkeiten und deren angemessener Gebrauch die wesentliche Differenz darstellen zwischen dem (angenommen) hoch entwickelten Menschen und dem (instinktiv) animalisch agierenden und reagierenden Tier. Wie wir später im richtigen Leben gelernt haben, verhalten sich Tiere, auch und gerade solche, die wir gemeinhin als Raubtiere bezeichnen, in aller Regel deutlich „menschlicher“ als die ach so hoch entwickelte Spezies Mensch.

Die (angenommen) geistig unterbemittelte Tierwelt funktioniert in der Regel ja so, dass von der Beute, die von der stärksten Art erlegt wurde, nach der Sättigung immer auch noch etwas übrig bleibt für die schwächeren Arten, die allerdings nicht nur als banale Resteverzehrer nützlich sind, sondern auch als Gesundheitspolizei und mithin Indikatoren und gleichzeitig für Fehlentwicklungen - also mögliche Bedrohungen - eine für alle Arten existentielle Rolle zu spielen haben. In der Tierwelt werden vielfach sogar ganz bewusst „Mitesser“ geduldet und sogar gefördert, die den großen Tieren mögliche Schädlinge vom Leib halten und so für deren Lebensqualität sorgen.

Das geschieht bei Tieren instinktiv. In der Kategorie des „homo sapiens sapiens“ ist das nicht so. Die Spezies Mensch scheint immer mehr dazu zu verkommen, nicht nur alle Mitkreaturen systematisch zu bekämpfen, sondern diese bis zum letzten Tropfen auszusaugen, um das eigene Beutekapital bis zur Unvernunft zu mehren. Koexistenz wird vom Fremd- zum Schimpfwort und dient als unverfrorener Vorwand, die eigenen angeblich legitimen Ansprüche umso unverschämter durchzusetzen.

Mit einem Prozent (1%) der Weltwirtschaftsproduktion könnte die größte materielle Not in den unterentwickelten Ländern - diese nennt man übrigens schamhaft nur noch „Länder auf dem Weg der Entwicklung“ (die man ihnen allerdings genau so hartnäckig verweigert) - gelindert, vielleicht sogar beseitigt werden. Dass damit die meisten Gründe für kriegerische Auseinandersetzungen beseitigt werden könnten, ist nur ungenügend bewusst. Da geilt man sich doch lieber gegenseitig mit zusätzlichen Rüstungsausgaben über das Doppelte dieses Anteils hinaus auf, die man bei Erfüllung der ersten Hypothese ohnehin überflüssig wären.

Es ist wohl eher Zufall oder auch (bittere) Ironie des Lebens, dass in der gleichen Woche, da neue Rekorde der weltweiten Rüstungsausgaben gemeldet werden, weitere Horrormeldungen auftauchen über die völlig unzureichende Nahrungsmittelversorgung des „vergessenen Kontinents“ Afrika.

Zur gleichen Zeit werden in europäischen Staaten obszön unverschämte Manager-Boni von angeblich seriösen Politikern verteidigt. „A wanns De net geess!“