BÖVINGEN/ ATTERT
CORDELIA CHATON

Die erste Aufmerksamkeit gilt den Familien

Am Sonntag hat das Zentrum der Elternvereinigung „Een Häerz fir kriibskrank Kanner“ seine Türen geöffnet. Viele Gäste und Freunde feierten das 15-jährige Bestehen. Zudem wurde ein neuer Gebäudeflügel eingeweiht.

Das Fest fand am Sitz in Böwingen/ Attert statt. Das alte Wohnhaus eines Arztes, der es dem Verein verkauft hat, strahlt in frischem Blau, daran schließt sich ein ganz neuer Gebäudetrakt an, der Pavillon. Hier gibt es Versammlungsräume, Tischfußball, Spielzimmer, eine Bibliothek, Kunstausstellungen, aber auch Therapiezimmer und Schlafzimmer für Jugendliche.

Marie-Marthe Bruck-Clees sitzt in ihrem Büro im alten Gebäude und nimmt sich vor dem großen Fest ein bisschen Zeit für Erinnerungen. „Die Elternvereinigung wurde gegründet, nachdem ich von einer humanitären Mission in Weißrussland zurück kam, bei der ich erstmals Kontakt mit krebskranken Kindern hatte“, erzählt sie. Ihr Mann, damals Oberbefehlshaber der luxemburgischen Armee, gründete einen Hilfsverein, der später mit einem anderen Verein zusammen arbeitete und dann zu einer Stiftung wurde.

Zunächst von Düdelingen aus knüpften die Eltern krebskranker Kinder Kontakte über die Grenze hinweg, versuchten, ihren Kindern noch einige schöne Augenblicke zu vermitteln. Der Verein arbeitet mit der Krebshilfe Trier, bietet Gespräche oder Reittherapien an.

Mit den Mitschülern sprechen

„Wir haben auch eine Gruppe Jugendlicher, die survivor group“, sagt die 70-Jährige. In ihrer Stimme klingt das Leid mit all´ jenen durch, die nicht dazu gehören konnten. Bruck-Clees hat viel miterlebt -und auch davor. „Mein eigener Großvater war 36 Jahre querschnittsgelähmt.“

Die Elternvereinigung begleitet zuallererst Familien. „Beim Krankenhausbesuch, bei der Palliativpflege, bei der Nachsorge, aber auch bei Problemen mit Geschwisterkindern, die wir hier Schattenkinder nennen, weil sie oft angesichts des Leids hintan stehen“, erzählt sie. Dazu gehören auch Besuche in den Schulklassen erkrankter Kinder und der Geschwisterkinder, bei denen das Thema Krebs offen angesprochen wird. Dabei bringt sie auch Infomaterial und Wanderausstellungen mit.

Immer wieder staunt sie dabei über das Unwissen. „Viele fragen immer noch, ob Krebs ansteckend ist“, wundert sich die Leiterin des Vereins. Trotz 15 Jahren voller Aktivität bleibt also noch viel zu tun. Die erste Aufmerksamkeit aber gilt den Familien. „Wir betreuen jede Familie einzeln. Das geht bis hin zu Informationen über gesunde Ernährung und Kochkursen“, berichtet sie.

Vor dem Haus und im Foyer prangt ein großes Herz. Das ist Bruck-Clees ganz wichtig. Zuhören heißt, ganz bei jemandem sein, in seinem Herzen. „Nach Lieben ist Helfen das wichtigste Verb“, sagt sie. Wer hier war, kann wiederkommen. Andere können ihr Herz neu hören - etwa bei der Unterwassertherapie.

Dank ist für die Präsidentin des Vereins Ansporn. „Wir sind eine große Familie“, sagt Bruck-Clees. Sie freut sich, dass bei der Arztausbildung die Familie stärker berücksichtigt wird. „Aber es gibt immer noch viel zu tun. Mehr Geld für Forschung“, gibt Bruck-Clees die Richtung vor.