LUXEMBURG
INGO ZWANK

Manch einer wünscht sich, dass das Bestattungsgesetz in Luxemburg geändert wird

Die Einäscherung ist seit 1972 der traditionellen Erdbestattung gesetzlich gleichgestellt. So verfügt das Krematorium in Hamm über eine Trauerhalle mit Abschiedsraum für eine würdevolle Abschiedszeremonie im Kreis der Familie. „Mit der Feuerbestattung wird der Leichnam würdevoll durch ein ökologisches System der Natur zurückgeführt“, wie es auf den Webseiten heißt. Offiziell muss die Beerdigung des Leichnams innerhalb von 24 bis 72 Stunden nach Eintreten des Todes erfolgen. Bei begründetem Antrag kann diese Frist über 72 Stunden hinaus verlängert werden, wenn vom Amtsarzt eine entsprechende Bescheinigung ausgestellt wurde. Dieses gilt ebenfalls für die Einäscherung. Die sterblichen Überreste dürfen frühestens 24 Stunden nach Eintritt des Todes zur Einäscherung abgeholt werden. Gleichzeitig muss die Abholung vor Ablauf von 72 Stunden erfolgen.

Die Einäscherung einer in Luxemburg verstorbenen Person darf nur mit Genehmigung des Standesbeamten des Sterbeorts erfolgen. Diese Genehmigung wird bei Vorliegen folgender Unterlagen oder Erklärungen erteilt: Einer Willenserklärung des Verstorbenen eingeäschert zu werden, oder einer entsprechenden Erklärung des nächsten Familienangehörigen des Verstorbenen; eines ärztlichen Attests, dass weder Anzeichen noch Indizien für einen gewaltsamen Tod vorliegen; einer „Herzschrittmacher“-Bescheinigung (für das Krematorium). So hatte sich beispielsweise Laurent Hurt im Rahmen einer Petition diesem Thema angenommen. „Es kommen immer mehr Alternativen auf, wie mögliche Baumbestattungen im ,Bois du Souvenir Kayl/Schifflingen‘, ‚Bois du Souvenir Esch/Alzette‘ oder ‚Bois du Souvenir Luxemburg‘“, sagt Hurt gegenüber unserer Zeitung. Er wollte mit seiner Petition noch einen Schritt weitergehen und eine absolut freie Handhabung mit der Asche der Verstorbenen erreichen. „Nicht jeder möchte heute mehr begraben respektiv in einer Urne oder einem Grab auf dem Friedhof beigesetzt werden. Auch nicht jeder möchte nach seinem letzten Willen mehr auf einer entsprechenden Stelle öffentlich verstreut werden“, sagte Hurt.

Der letzte Wunsch von einem Verstorbenen soll auch in der Form erfüllt werden können, dass er im Falle einer Verbrennung in einer Urne von seiner Familie mit nach Hause genommen werden darf, ohne verpflichtend verstreut werden zu müssen, so die Ansicht von Hurt. „Ich persönlich finde das Verstreuen von der Asche bei einem Krematorium oder auf einer dafür vorgesehenen öffentlichen Stelle extrem unpersönlich! Ich finde es persönlich relativ ‚unpersönlich‘, auf einer Wiese zu stehen, wo ich zwar weiß, dass hier der liebe Verstorbene verstreut wurde, aber eben nicht genau, wo!“

Wie in den USA?

Ein Thema, das jetzt auch der Piraten-Abgeordnete Marc Goergen aufgegriffen hat. Goergen führt das Beispiel der USA an. Hier sei es gar möglich, die Urne mit der Asche des Verstorbenen bei sich zuhause aufzubewahren. Mit dem Verweis darauf, dass im Koalitionsvertrag festgehalten wurde, die Bestattungsprozedur zu überarbeiten, fragt Goergen an, ob Innenministerin Tania Bofferding(LSAP) die aktuelle Gesetzgebung noch zeitgemäß finde und auch, ob sich die Regierung mit dem Gedanken vertraut machen könnte, Asche der Verstorbenen, „wenn es denn ihr letzter Wunsch war“, zuhause aufbewahren zu können. Kurz und knapp verweist Bofferding auf bereits beantwortete Fragen zu diesem Thema durch ihren Vorgänger Dan Kersch (LSAP).

In diesem Schreiben aus dem Jahr 2018 geht es vor allem um Einleitungen direkter und indirekter Art in Oberflächengewässer oder auch das Grundwassers und notwendige Genehmigungen durch das Ministerium für die Wasserwirtschaft. Denn die großherzogliche Verordnung vom 21. Juni 1978 über die Ausbringung von Asche, sieht vor, „dass die Ausbringung von Asche auf einem Grundstück innerhalb eines städtischen Friedhofs bzw. auf einem Grundstück erfolgen kann, das zu diesem Zweck ausgewiesen wurde.“ Abweichend von diesem Grundsatz sehe Artikel 3 vor, dass der Bürgermeister auf Wunsch hiervon abweichen kann und eine Genehmigung für die Verstreuung des Verstorbenen auf einem Grundstück im Eigentum einer bestimmten Person oder an einem anderen Ort genehmigen kann. „Generell sollte festgelegt werden, dass eine Anpassung in naher Zukunft im Sinne der Gesellschaftsentwicklung erfolgen kann“, wie es Kersch formulierte.