ISTANBUL
AP

Mutmaßlicher Reina-Attentäter soll Geständnis abgelegt haben

Die türkische Polizei hat den Täter des Neujahrs-Anschlags auf den Istanbuler Nachtclub Reina mit 39 Toten gefasst. Es handele sich um einen gebürtigen Usbeken, der in Afghanistan ausgebildet worden sei, sagte Istanbuls Gouverneur Vasip Sahin am Dienstag. Er habe gestanden, die Tat verübt zu haben. Seine Fingerabdrücke stimmten mit denen des Angreifers am Tatort überein. Es sei klar, dass der Mann die Bluttat im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat ausgeführt habe, sagte Sahin.

„Der abscheuliche Terrorist, der den Ort der Unterhaltung am Silvesterabend angegriffen und den Verlust so vieler Leben herbeigeführt hat, ist gefangen genommen worden“, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim in Ankara. Der Mann sei bereits von der Polizei verhört worden. Er hoffe, dass die Vernehmung des Mannes zeigen werde, welche „Kräfte“ hinter dem Anschlag in der Neujahrsnacht gestanden hätten. Der IS hatte sich kurz nach der Tat zu dem Massaker bekannt und sie als Vergeltung für türkische Militäroperationen in Syrien bezeichnet.

Hunderte Menschen hatten sich zum Jahreswechsel im Reina versammelt, um das Ende eines turbulenten Jahres 2016 zu zelebrieren und gemeinsam ins Neue Jahr zu feiern. Dann wurde aus der ausgelassenen Stimmung plötzlich ein Alptraum: Der Schütze verschaffte sich Zutritt zu dem Club, indem er einen Polizeibeamten und eine weitere Person vor dem Gebäude am Bosporusufer erschoss und im Anschluss ins Innere stürmte. Die meisten der 39 Todesopfer waren Ausländer, sie kamen hauptsächlich aus arabischen Ländern.

Gouverneur Sahin gab am Dienstag bekannt, dass es sich bei dem Täter um einen usbekischen Staatsbürger namens Abdulkadir M. handele, der im Januar 2016 in die Türkei gekommen sei. Er sei 1983 geboren worden, habe den Decknamen „Ebu Muhammed Horasani“ verwendet, sei gebildet und spreche vier Sprachen. Den türkischen Behörden ist es unter dem nach dem misslungenen Putsch vom Juli verhängten Ausnahmezustand erlaubt, M. für bis zu 30 Tage festzuhalten, bevor Anschuldigungen erhoben werden und er offiziell verhaftet wird. Bis zu einem Strafprozess könnten Monate vergehen.

Die Polizei hatte im Rahmen ihrer Ermittlungen 7200 Stunden Videomaterial von Überwachungskameras ausgewertet. Aus der Bevölkerung waren knapp 2200 Hinweise eingegangen. 152 Adressen wurden überprüft, 50 Personen in Gewahrsam genommen.

Während der Festnahme des Täters im Istanbuler Stadtteil Esenyurt am Montagabend wurden nach Behördenangaben fast 200 000 Dollar (rund 187 000 Euro), zwei Waffen und zwei Drohnen sichergestellt. Sahin zufolge wurden neben M. ein Iraker sowie drei Frauen aus verschiedenen Ländern festgesetzt. Es sei sehr gut möglich, dass sie Verbindungen zum IS hätten, weil sie gemeinsam im selben Haus untergebracht gewesen seien.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, dass sich der vierjährige Sohn des Angreifers nun in Obhut der Behörden befinde.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan dankte den Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten für ihre Arbeit. „In diesem Land wird niemand durchs Netz gehen, jeder wird innerhalb der Grenzen der Rechtsstaatlichkeit zur Verantwortung gezogen“, sagte er.