TRIER
CHRISTIAN SPIELMANN

Stationen aus dem Leben des Schauspielers Theo Lingen

Theo Lingen - Komiker aus Versehen“ ist eine musikalische Komödie von Tilmann von Blomberg (Buch und Dialoge), mit Songtexten von Ilja Richter. Die Uraufführung war 2011 in Stuttgart. Am Sonntag wurde das Stück im Studio des Trierer
Theaters erstmals gezeigt, unter der Regie von Werner Tritzschler.

Wie aus Schmitz Lingen wurde

Franz Theodor Schmitz wurde 1903 in Hannover geboren und starb 1978 in Wien. Er nahm den Künstlernamen Lingen an, nach der Geburtsstadt seines Vaters. In Trier liest der Schauspieler Michael Ophelders Lingens Biografie vor, ehe in kurzen Szenen verschiedene Stationen seines Lebens nachgespielt werden. Sabine Brandauer und Christian Miedreich schlüpfen in verschiedene Rollen, während Matthias Stockinger den jungen und Ophelders den älteren Lingen spielen. Eine Puppe ist erstmals der kleine Theodor in Hannover 1906. Die nächsten Spielstätten Lingens, dessen schauspielerisches Talent entdeckt wurde, sind Halberstadt, Bad Oeynhausen und Frankfurt, wo er Marianne Zoff kennenlernt, die erste Frau von Bertold Brecht. Beide heiraten 1928 und der große Durchbruch kommt für Lingen mit der Rolle des
Macheath in „Die Dreigroschenoper“ von Brecht und Kurt Weil. Lingens Einstellung zu den nationalsozialistischen Herrschern während des Zweiten Weltkriegs ist ein Schwerpunkt des Stücks. Er selbst will nur seinem Beruf in Ruhe nachgehen und hat nichts mit Hitlers Partei am Hut. Doch wenn die eigene Frau eine Halbjüdin ist, und die jüdische Schwiegermutter soeben verhaftet wurde, bekommt selbst der Stärkste Angst. Miedreich karikiert genüsslich einen debilen Hitler, während Brandauer den hinkenden Goebbels spielt, bei dem Lingen vorspricht. Ohne seiner Ideologie untreu zu werden, kann er sich selbst und seine Frau vor der Deportation retten.

Musik und viel Humor

Stockinger spielt den jungen Lingen mit viel Verschmitztheit. Das berühmte Lingensche Näseln hat er ebenfalls drauf. Ophelders ähnelt Lingen sogar ein wenig, während Miedreich die Lacher als Hitler, Frankfurter Theaterdirektor und Gustaf Gründgens auf seiner Seite hat. Teils sinnlich, teils ernst, teils humorvoll spielt Brandauer die Marianne Zoff, den Leiter der Reichskulturkammer oder den Zigarren rauchenden Brecht. Vor einer grün gestrichenen Wand, mit einem Durchgang mit rotem Vorhang, und einem Podest nahm das Spiel der vier Schauspieler mal humorvolle, mal ernste Züge an. Ihre wenigen Requisiten waren in der Hauptsache Kleider und Anzüge, die je nach Szene gewechselt wurden.

Die Biografie wird immer wieder mit Liedern aufgelockert, wie z. B. „Theodor im Fußballtor“ und „Ballade vom semmelblonden Emil“, die Lingen selbst gesungen hat, einer Arie aus „Gräfin Mariza“ und das von Ilja Richter textlich umgeänderte „Haben Sie den neuen Hut von Fräulein Molly schon geseh’n“ oder seinem Text auf Ravels „Bolero“. Am Klavier spielte Angela Händel. Insgesamt kann diese Biografie der besonderen Art gefallen.
Informationen www.theater-trier.de