LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Anhörung zur Petition 668 - Mehr heimische Lebensmittel in Kantinen - Umsetzung schwierig

Eigentlich bedurfte es dieser Anhörung gar nicht. Prinzipiell waren sich alle einig. Die Petition 668 rannte bei den Unterzeichnern, den Parlamentariern und den Regierungsmitgliedern sprichwörtlich offene Türen ein. Praktisch jedermann will die stärkere Nutzung von Lebensmitteln aus luxemburgischer Produktion in öffentlichen Großküchen. Hinter der Petition 668, die das notwendige Quorum von 4.500 Unterzeichnern mit 7.925 deutlich übertroffen hat, standen die Präsidenten der Landwirtschafskammer und der wichtigsten luxemburgischen Bauernverbände. Sie hatten die Petition im eigenen Namen eingebracht, aber gleich deutlich gemacht, dass es um die Interessen der gesamten luxemburgischen Landwirtschaft geht.

Volles Haus

Marco Schank (CSV), der nach einleitenden Worten von Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo, als Vorsitzender des Petitionsausschusses die Sitzungsleitung übernahm, begrüßte „…die halbe Chamber…“. An der Anhörung nahmen Mitglieder von immerhin fünf Kommissionen teil, neben dem Petitionsausschuss, waren das die Agrar-, Bildungs-, Familien- und Gesundheitskommission, darüber hinaus waren auch Landwirtschaftsminister Fernand Etgen, Familienministerin Corinne Cahen und Bildungsminister Claude Meisch (alle DP) dabei. Auf Seiten der Petitionäre saßen - unter anderem - Marco Gaasch, Camille Schröder, Aloyse Marx und Marc Fisch.

Vorteile für alle Seiten

Die Rolle des Wortführers übernahm der Präsident der Landwirtschaftskammer, Marco Gaasch. Die Verwendung luxemburgischer Produkte in den „Kantinen“ habe für alle Seiten nur Vorteile. Sie nütze der Wirtschaft der Gesellschaft und der Landwirtschaft, egal ob biologisch oder konventionell betrieben. Durch die Nutzung einheimischer Produkte in öffentlichen Einrichtungen könne nicht nur nachhaltig gewirtschaftet werden - kurze Transportwege, Nachverfolgbarkeit der Produktionskette, frische Produkte, direkte Kontrolle des Tierschutzes - sondern auch die Qualität des Essens in den Gemeinschaftsküchen von Schulen oder Krankenhäusern steigen. Gaasch räumte ein, dass die luxemburgische Landwirtschaft derzeit nicht mit Produkten aus allen Bereichen dienen könne, sich dies aber bei entsprechender dauerhafter Nachfrage leicht ändern könne.

Nach Auffassung der Landwirtschaft muss es, auch bei Berücksichtigung der europäischen Regelungen, möglich sein, einheimische landwirtschaftliche Produkte zu fördern. Außerdem verwies er auf Frankreich, wo schon eine Mindestquote von 40 Prozent einheimischer Produkte in öffentlichen Großküchen vorgeschrieben ist. Angesichts einer praktisch garantierten Qualitätskontrolle könne auch ein höherer Preis kein Gegenargument sein, nicht zuletzt auch deswegen, weil die reinen Kosten für Lebensmittel nur einen geringen Anteil an den Gesamtkosten darstellen.

Für Gaasch ist es auch unbedingt notwendig, die Mitarbeiter in den Großküchen für die Möglichkeiten und Produkte der luxemburgischen Landwirtschaft zu begeistern. Im Grunde sei alles eine Frage der Organisation, so Gaasch. Er schlug die Bildung einer Plattform vor, etwa im Rahmen der Landwirtschaftskammer, in der sich Landwirte, Veredler und Küchenbetreiber regelmäßig austauschen sollen.

Allgemeine Unterstützung

Von Seiten der Abgeordneten kam praktisch aus allen Parteien Unterstützung für das Anliegen der Landwirte, allein beim Vertreter der Grünen war eine gewisse Distanz herauszuhören. Von den Parlamentariern wurde eine Reihe detailreicher Fragen gestellt. Dabei ging es vor allem um den aktuellen Anteil von luxemburgischen Lebensmitteln in den Großküchen, die Frage nach dem Preiskampf mit ausländischen und außereuropäischen Importen und den Defiziten der Luxemburger Landwirtschaft oder den Möglichkeiten, die Struktur des luxemburgischen Lebensmittelangebots zu ändern. Auch Detailfragen, wie von Marc Angel (LSAP), nach möglicherweise vorgeschriebenen Verpackungsgrößen zeigten die Probleme auf, mit denen sich luxemburgische Anbieter unter Umständen herumschlagen müssen.

Marco Gaasch erläuterte, dass die Landwirtschaft bei Fleisch, Milchprodukten und Getreide, also Brot, voll konkurrenzfähig ist. Das größte Defizit (97 Prozent) gibt es im Bereich Gemüse. Auch beim Geflügelfleisch ist die Nachfrage erheblich höher, als das luxemburgische Angebot. Aktionen wie „Sou schmaacht Lëtzebuerg“ zeigten zwar gute Erfolge, verlangten aber nach viel Detailarbeit und Einsatz. Es habe sich aber gezeigt, dass solche Programme erheblich erfolgreicher sind, wenn das Ziel solcher Aktionen erklärt und niemand zur Teilnahme gezwungen wird.

Neues Qualitätslabel

Landwirtschaftsminister Fernand Etgen kündigte eine Qualitätsoffensive, eine weitere Qualitätszertifizierung landwirtschaftlicher Produkte - im Detail von einer Mitarbeiterin der Landwirtschaftsverwaltung (ASTA) präsentiert - mit einem neuen Label und ein neues Ausschreibungsrecht an.

Hohe Joghurt-Quote

Interessant waren die Nutzungszahlen, die Bildungsminister Claude Meisch und Familienministerin Corinne Cahen, für einige Bereiche nennen konnten. So liegt der Anteil luxemburgischer Lebensmittel beim Schulkantinenbetreiber „Restopolis“ bei immerhin 32 Prozent. Der öffentlich-rechtliche Betreiber von Senioren- und Pflegeheimen „Servior“ konnte der Ministerin Zahlen nennen, die die Stärke der luxemburgischen Landwirtschaft in zentralen Bereichen unterstreicht. 80 Prozent des Rind- und 60 Prozent des Schweinefleischs kommen aus Luxemburg. Bei den Milchprodukten liegt die durchschnittliche Quote einheimischer Produkte bei 98 Prozent.