LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Auch wenn mir falsche Tierschützer morgen die Scheiben einwerfen– die Jagd ist auch im 21. Jahrhundert immer noch eine natürliche Sache. Es gibt durchaus Menschen die ansonsten vegan leben, aber Wildfleisch essen. Denn Wildfleisch ist das genaue Gegenteil von Massentierhaltung. Wer heute gutes Fleisch will, geht am besten zur nächsten Wildkammer.
Wobei Jagd wohlgemerkt nicht gleich Jagd ist. Wer heute noch Löwen im afrikanischen Busch schießt, um seine erektilen Defizite auszugleichen, dem ist auch mit gemahlenen Elefantenstoßzähnen und Nashornpulver nicht zu helfen. Dort ist Jagd zur Perversion und zum Verbrechen verkommen.
Besonders diejenigen, die den Wald schützen wollen, müssen auf die Jagd setzen, denn trotz der Zersiedlung der Landschaft und der Zerschneidung der Wälder ist der Wildbestand so hoch wie nie.  Reh- und Rotwild frisst sich an jungen Bäumen rund und fett. Dass mit dem Fett ist übertrieben, die Fettarmut macht den Reiz von Wildfleisch aus. Dennoch, die Wälder haben ein Problem mit den großen Säugern. Die hässliche Wahrheit: Bambi kann ganze Schonungen killen. Da die großen europäischen Raubtiere wie Wolf, Bär, Vielfraß und Goldschakal entweder in winzigen Kolonien oder am absoluten Rand der Zivilisation leben, kann von einer Selbstregulierung der Natur keine Rede sein.
Dann gibt es noch die Fraktion der Cleveren: Füchse, die in die Städte abwandern, Waschbären die auf Dachböden hausen und dann die von mir so geschätzten schlauen Sauen. Die plündern lieber den von der industrialisierten Landwirtschaft reichlich gedeckten Tisch. Jedes Maisfeld verspricht ein Festgelage und wenn es das nicht ist, räumen Bache und Frischlinge die Mülleimer des nächsten Autobahnparkplatzes aus. Wo nicht geschossen wird, trauen sie sich noch mehr. Kleine Anekdote: Abendliches Warten am Fähranleger auf Usedom, um über einen Nebenarm der Oder zusetzen. Plötzlich klopft es – Mutter Sau trommelt mit ihrem Rüssel ans Beifahrerfenster: „Fütter uns!“ Natürlich ist anders.
Was an der Jagd nervt ist die besonders konservative Fraktion der Jäger. Das dauernde Gemaule über das Verbot der Fuchsjagd entbehrt jeder Grundlage. Weder hat es eine Schwemme von Fuchsbandwürmern gegeben, noch sind die Füchse für den Verlust von bodenbrütenden Vögeln verantwortlich. Eine, mit Verlaub, selten dämliche parlamentarische Anfrage eines adr-Abgeordneten hat das mal wieder versucht zu suggerieren. Für den Verlust an Artenreichtum sind nicht die Füchse, sondern zu viel Agrarchemie in Luft und Boden verantwortlich.
Wann haben sie zuletzt einen Fuchs gegessen? Ach, noch nie? Schwäne werden im Normalfall auch nicht gejagt, weil sie nahezu unverdaulich sind, warum dann Füchse? Die Jagd dient zum Schutz von Wald und zur Nahrungsbeschaffung, darauf sind wir heute zwar nicht mehr angewiesen, aber Abschießen und das Fleisch eines gesunden Tieres verkommen lassen ist unethisch.
Was ich bald fürchte ist eine unnötige Dauerdiskussion mit dem ewig gestrigen Teil der Jäger, wenn sich der Wolf hier wieder ansiedelt. Ewiger Tenor: „Der ist gefährlich, der muss weg!“ frei nach Grimms Märchen. Sie sollten wissen mit wem sie sich ins Bett legen: In den ostdeutschen Bundesländern, in denen sich der Wolf wieder angesiedelt hat, hat sich die AfD zur Anti-Wolf-Partei stilisiert. Braune Wölfe jagen echte Wölfe.