CLAUDE KARGER

Nicht nur die Neujahrsempfänge der politischen Parteien prägten die letzte Zeit. Diese Woche hatten auch das Handwerk und die „Chambre des Salariés“ zu Umtrünken eingeladen. Wobei die erwähnten Hauptprioritäten für Land und Welt ziemlich die gleichen waren: Kampf gegen den Klimawandel, die Lösung der Wohnungsbaukrise und die Stärkung der Aus- und Weiterbildung. Über die Lösungsansätze gehen die Meinungen bei diesen Themen, zu denen sich in den verschiedenen Reden etwa noch die anstehende Steuerreform, der Kampf gegen Ungleichheiten, die Landesplanung oder die Investitionspolitik gesellten, auch nicht wirklich fundamental auseinander.

Allerdings blickt das Handwerk natürlich aus einer unternehmerischen Perspektive. Die Branche zeigte sich so besorgt über die zunehmende Belastung besonders der kleinen und mittleren Unternehmen, die sich über alle Sektoren hinweg gesehen in einem tiefgreifenden Wandel befinden - Stichwort Digitalisierung - und darüber hinaus mit steigenden Auflagen zu tun haben sowie mit den Auswirkungen politischer Entscheidungen auf Kosten und Arbeitsorganisation. Von der Handwerkskammer, die einerseits den konstruktiven Dialog mit dem Mittelstandsministerium lobte, gab es so andererseits Rüffel für die Regierung, vor allem was zusätzliche Urlaubstage und mehr Flexibilität bei der Elternzeit anbelangt. Solche Maßnahmen begrüßt die Arbeitnehmerkammer natürlich aus ihrer Perspektive, die da lautet, die Arbeitnehmerrechte abzusichern und jedem Beschäftigten angemessene Arbeitsverhältnisse und „Work Life Balance“ sowie gute Aufstiegschancen zu gewährleisten. Die sind allerdings auch ein Teil der attraktiven Arbeitsbedingungen, durch die die zusätzlich benötigten kompetenten Mitarbeiter angelockt werden können, nach denen etwas das Handwerk verlangt. Wenngleich es natürlich mannigfaltige Reibungspunkte gibt: Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter, die enormen Einfluss nicht nur auf die Entwicklung der Wirtschaft, sondern der Gesellschaft insgesamt haben, ziehen oft an einem Strang und haben es in den letzten Jahrzehnten immer wieder fertig gebracht, die Stränge auch in die gleiche Richtung zu ziehen. Der Sozialdialog nach Luxemburger Modell ist zweifelsohne eine Erfolgsgeschichte, auch wenn oft mit harten Bandagen gekämpft wird. Es ist ein solcher Kampf, der die notwendige Debatte über das Arbeitsrecht im digitalen Zeitalter vergangenes Jahr verstärkt in die Öffentlichkeit brachte, nachdem der Dachverband der Arbeitgeberorganisationen UEL im „Comité permanent du Travail et de l‘Emploi“ bilaterale Diskussionen mit der Regierung vorgeschlagen hatte, um schneller voran zu kommen, was die Gewerkschaften als Bruch des Tripartite-Modells empfanden und dagegen lautstark auf die Barrikaden stiegen. Dabei haben „Bipartiten“ auch schon mal zu Deblockaden geführt... Fakt ist, dass man besonders bei den Reformen des Arbeitsrechts im digitalen Zeitalter vorwärts kommen muss, haben die Entwicklungen doch die bestehenden, teils noch aus dem Industriezeitalter stammenden Rahmen zum Teil längst überholt. Wie immer ist schon mal eine gemeinsame Diagnose eine erste Etappe zu zielführenden Kompromissen. Die 2020, ein weiteres Jahr des Sozialdialogs, sicher auch erzielt werden können.