LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Für die Deutsche Bank Luxemburg war 2018 ein profitables Jahr - nach Verkäufen Fokus auf EU-weites Wealth Management und Unternehmensfinanzierung

So langsam hat Frank Krings die Deutsche Bank Luxembourg S.A. da, wo er sie haben will. Das machte der Vorstandsvorsitzende des Instituts auf Kirchberg gestern während der Präsentation der Bilanz für 2018 klar. Zunächst sprach Krings von einem zurückgewonnenem Fokus. Damit war auf der einen Seite gemeint, dass Verkäufe, die teils bereits 2017 unterzeichnet worden waren und 2018 zum Abschluss kamen, die Randaktivitäten bereinigten. Da ist der Verkauf des Alternative Fund Services-Geschäfts an APEX, zum anderen der des Corporate Services- und Domizilierungsgeschäfts an VISTRA. Darüber hinaus veräußerte die Bank ihr Cardif Lux Vie-Versicherungsagenturgeschäft an Gatsby & White - „vor dem Inkrafttreten der EU-Versicherungsvertriebsdirektive“, wie Krings betonte.

Zur weiteren Fokussierung zählte er die Reduzierung der Bilanzsumme auf 31 Milliarden Euro Ende 2018 von 38 Milliarden Euro 2017. Dadurch konnten die vorgeschriebenen Einlagen bei der Zentralbank Luxemburg auf rund sechs Milliarden Euro reduziert werden. Das ist in Zeiten von Negativzinsen in Höhe von 0,40 Prozent interessant, denn die können schnell viel ausmachen. „Vor drei Jahren betrugen die negativ verzinsten Einlagen bei der Zentralbank noch elf Milliarden Euro“, unterstrich Krings. Insgesamt habe die Bank seit 2015 die Bilanz um rund 50 Milliarden Euro gedrückt. Davon betroffen war vor allem das Interbankengeschäft mit „viel Volumen und wenig bis null Marge“, wie Krings erklärte. Die Bilanzsumme Ende 2018 betrug 31 Milliarden Euro, 2017 waren es noch 38 Milliarden Euro gewesen.

Jahresüberschuss: 133 Millionen Euro

Die Deutsche Bank Luxembourg S.A. erzielte im Geschäftsjahr 2018 einen Jahresüberschuss von 133 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es zwar noch 218 Millionen Euro gewesen, doch das lag an dem außergewöhnlichen Verkauf der DWS für 139 Millionen Euro, wie Krings betonte. Das Mutterhaus in Frankfurt/ Main, die Deutsche Bank AG, konnte sich über eine Überweisung von 621 Millionen Euro freuen. In dieser Summe sind einbehaltene Gewinne vom Vorjahr enthalten. „Die Mutter ist froh mit uns“, betonte Krings. Im Umkehrschluss würde Luxemburg jedoch wenig bis kaum unter den negativen Schlagzeilen leiden, für die die Deutsche Bank AG wegen der geplatzten Fusion mit der Commerzbank, Millionen-Boni für die Chefs sowie anhaltender Probleme immer wieder sorgte.

Jetzt will sich Krings vor allem auf zwei Säulen konzentrieren: Den Bereich International Wealth sowie das Unternehmensfinanzierungsgeschäft. „Damit setzen wir auf eine asset- und eine liquiditätsgetriebene Seite“, erklärte der Vorstands-Chef der Deutschen Bank Luxembourg. Basis des neuen Privatkundengeschäfts ist die IT-Plattform Avaloq, deren Einführung zum Jahresbeginn 2018 abgeschlossen war. Sie hatte 30 Millionen Euro gekostet und löste ein 39 Jahre altes System ab. Die IT-Plattform dient als Grundlage, um zum Dienstleistungszentrum für Wealth Management innerhalb der EU zu werden. Ein erster Schritt dahin war der Kauf des österreichischen Wealth Management-Geschäfts der Deutschen Bank AG. Weitere folgen wohl. „Wir machen nur das, was wir digitalisieren können“, betonte Krings. „Die IT ist der Katalysator für die Konsolidierung.“

Kreditrahmen: 1,4 Milliarden Euro

Im Bereich Kredite für multinationale sowie eigentümergeführte Unternehmen will die Deutsche Bank Luxembourg ihr Angebot ausweiten. Auch hierbei ist die IT Grundlage. Die Grenze für Großkredite liegt bei 1,5 Milliarden Euro, mit Risikoabschlag ergibt sich ein Kreditrahmen von 1,4 Milliarden Euro pro Kunde. Damit sind Konzerne, notierte Unternehmen oder Familienstiftungen Kunden. Angeboten werden auch Mehrparteien-Kredite.

Krings betonte eine Internationalisierung des Aufsichtsrats. Die zwölf Mitglieder sind alle bei der Deutschen Bank angestellt, zwei von ihnen sind weiblich. Ernst Wilhelm Contzen, von 1998 bis 2013 Amtsvorgänger von Krings, schied auf eigenen Wunsch aus. Er ist jetzt 70 Jahre alt.

Die Bank beschäftigt rund 500 Mitarbeiter in Luxemburg, davon 305 in der Bank. Rund ein Dutzend ausgewählter Fachkräfte soll hinzu kommen. Krings verwies auf neue Berufsbilder und Fähigkeiten, die benötigt würden. Für die Zukunft setzt Krings auf Agilität, Technologie und Rentabilität. Für ihn sei 2018 ein profitables Jahr der Veränderung und kontinuierlichen Beschleunigung gewesen.