LUXEMBURG/PARIS
CORDELIA CHATON

Das französische Start-up Jamset hat ein Musikmöbel entworfen, das Spaß in Hotels und Coworking Spaces verspricht - Entwurf und Fertigung stammen aus Luxemburg

Olivier Milcent hatte einen interessanten Job bei einem Unternehmen im Pariser Raum. Allerdings musste er viel reisen und langweilte sich oft in Hotels. „Es gibt dort Fitness, eine Cocktailbar und ein Restaurant. Das war’s“, resümiert er. Milcent selbst ist Hobbymusiker und spielt Gitarre. Als er mit zwei alten Freunden in einer ähnlichen Lage darüber sprach, kamen sie auf die Idee, eine Instrumenten-Station für Amateure zu bauen. Mit Gitarre, Schlagzeug und Keyboard. Jamset war geboren.

„Vielen Menschen geht es so wie uns. Durch das Berufsleben haben sie weniger Gelegenheiten zu spielen. Wir wollten das in Hotels, Konzernzentralen, Flughäfen und Coworking Spaces ermöglichen“, erklärt er. „Es soll so etwas sein wie die Klaviere am Bahnhof oder öffentlichen Plätzen. Nur vielfältiger.“

Design aus Luxemburg

Das Trio fing an zu tüfteln. Dabei halfen Anne Kieffer und Arnaud Mouriamé vom „Studio delle Alpi“ in Luxemburg. „Herausforderungen waren die Nutzung des Möbels im öffentlichen Raum, denn es musste solide und resistent sein, den Platz optimal nutzen und gleichzeitig einfach zu transportieren sein“, gibt Designer Mouriamé einen Einblick. Gar nicht so einfach war es, die Wahl der Instrumente - Keyboard, E-Drums, Gitarre, Bass und DJ-Board - einzuarbeiten und alles zu verkabeln. Nach einem Jahr stand das Musikmöbel. Jetzt brauchte Jamset noch jemanden, der es baute. Wieder wurden die Gründer nach einer kleinen Ausschreibung in Luxemburg fündig.

Denn die Designer von „Studio delle Alpi“ hatten 2018 bei einer Wirtschaftsmission nach Italien Marie-Thérèse Kraemer, Direktorin der Menuiserie Kraemer aus Bettendorf, und ihren Mann kennengelernt. Gemeinsam mit Patrick Elsen, dem Geschäftsführer der Schreinerei, bauen sie das Möbelstück in zwei Versionen, einer kleineren mit drei Instrumenten und einer größeren. Kopfhörer sorgen dafür, dass Hobbymusiker andere nicht stören. Eine App regelt, ob sie die anderen hören und umgekehrt. „Wir hatten das Glück, das Kraemer ein Pilotprojekt machen konnte, das nicht industriell ist, gleichzeitig aber über großes Wissen verfügt und preislich im Rahmen blieb“, lobt der Gründer.

Dann lief die Vermarktung an. Heute steht das Jamset in der Lobby des Pariser „Hotel W“, des „Hotel Renaissance“ und bei Europas größtem Coworking, dem Pariser „Spaces La Défense“, das in einem zehnstöckigen Gebäude untergebracht ist. „In Luxemburg haben wir mit dem Vertrieb noch nicht mal begonnen. Denn Ende des Jahres werden wir eine Finanzierungsrunde einläuten. Unser Ziel ist es, 2020 die Nachbarländer anzusprechen, vor allem auch in touristischen Zentren wie Amsterdam, Brüssel, Rotterdam oder Barcelona, überall da, wo Hotels sind“, sagt Milcent.

Er freut sich über die Reaktionen: „Es ist ein bisschen wie mit den Rollern. Die Kunden sind oft sehr erstaunt. Dann laden sie die gratis Jamset-App herunter - und los geht´s. Am Ende sagen sie: Exzellent! Im Coworking La Défense finden rund 60 Jam-Sessions am Tag statt, das hat mehr Erfolg als Fitness!“, freut er sich.

Großes Marktpotential

Jamset kostet die Hobbymusiker nichts. Kunden wie Hotels oder Flughäfen zahlen abhängig vom Leistungspaket inklusive Wartung zwischen 700 und 2.000 Euro pro Monat. Mit Maßen von 2,5x2 m und einer Höhe von 95 cm bleibt das Musikmöbel diskret. Das kleine Jamset „made in Luxembourg“ hat laut seinen Gründern eine große Zukunft vor sich. „Wir rechnen aktuell mit 300 Millionen Amateurmusikern weltweit und rund 100.000 Orten, an denen man Jamset aufstellen könnte. Deshalb befinden wir uns erst ganz am Anfang unseres Abenteuers“, ist Milcent überzeugt.

www.jamset.net