COLETTE MART

Ein neues Jahr ist stets mit Aufbruchstimmung und Hoffnungen verbunden. Dennoch bleibt der Blick zurück auf die Geschichte ein wichtiger Lehrmeister, der uns helfen kann, die Entwicklung unseres Landes und auch die zukünftigen Herausforderungen besser zu verstehen.

Während im November 2018 die Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkriegs 1918 zelebriert wurde, lohnt es sich hier und jetzt, auf den Januar 1919 zurückzuschauen, weil vor hundert Jahren in Europa die Weichen für eine neue Welt gestellt wurden. Der Erste Weltkrieg wurde seitens zahlreicher revolutionärer Bewegungen am Machtgehabe europäischer Dynastien festgemacht, und sowohl in Russland als auch in Deutschland und Österreich kam es zur Abschaffung der Monarchie.

Luxemburg war damals keine Insel und führende Gewerkschaftler, linke und liberale Politiker warfen die Frage der Opportunität der Luxemburger Monarchie öffentlich auf. Die damalige Diskussion war nicht von den sozialen Unruhen abzukoppeln, die unser Land nach dem Ersten Weltkrieg erschütterten. Die Lebensbedingungen für die Arbeiter der Stahlindustrie und auch die Bauern waren hart, es kam zu Streiks, und innerhalb der Arbeiterversammlungen im Süden wurde die Republik, der Achtstundentag, das allgemeine Wahlrecht, sowie die Verstaatlichung der Eisenbahn, der Hütten und Banken gefordert. Der Wind der Oktoberrevolution in Russland wehte bis nach Westeuropa, in Deutschland wurden Mitte Januar Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet, und in Luxemburg riefen revolutionäre Kräfte, Gewerkschaftler und Oppositionelle am 9. Januar in der Hauptstadt die Republik aus. Eine liberale Resolution für die Abschaffung der Monarchie konnte sich jedoch im Parlament nicht durchsetzen, allerdings wurde die parlamentarische Resolution der Rechten, die zukünftige Staatsform durch ein Referendum festzulegen, zurückbehalten. Dies war ein relativ cleverer politischer Schachzug der damaligen Rechtspartei, und aus heutiger Sicht könnte man sagen, dass Luxemburg die schwierige Nachkriegszeit auf seine ureigene betuliche Art meisterte. Die Revolutionäre des 9. Januar konnten die linken und liberalen Politiker nicht auf Anhieb auf ihre Seite bringen, die Revolution verebbte, die Sieger schrieben die Geschichte, und das Intermezzo vom Januar 1919 geriet in Vergessenheit.

In jener Zeit erschien vielen führenden Politiker die Frage der Monarchie auch mit jener der Luxemburger Unabhängigkeit verbunden, und es bestand eine gewisse Angst, Luxemburg könnte mit einer zu schwach aufgestellten Republik auch seine Unabhängigkeit in einem Europa großer Umwälzungen verlieren. Unser Land schrieb demnach im Januar 1919 keine revolutionäre Geschichte. Vielmehr operierte die Politik mit Schachzügen. Großherzogin Marie-Adelheid wurde durch Charlotte ersetzt, deren Image nicht negativ besetzt war, in einem Referendum wurde im gleichen Jahr die Monarchie bestätigt, dies auch aufgrund der Einführung des allgemeinen, und demgemäß auch des Frauenwahlrechts.

Die Politik hatte demnach den Forderungen verschiedener sozialer Bewegungen im Land Rechnung getragen, und trotzdem wurde durch die Unterstützung einer doch noch konservativen Mehrheit in der Bevölkerung die alte Welt in einem gewissen Sinne erhalten.