LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Silence“, der neue Film von Martin Scorsese

Der fiktive historische Roman „Silence“ von Shûsaku Endô aus dem Jahr 1966 war die Grundlage für den gleichnamigen Film von Martin Scorsese. Die Geschichte spielt im Japan des 17. Jahrhunderts, als katholische Missionare versuchten, den Japanern ihre Religion aufzudrängen.

Christen unerwünscht

Im Jahr 1633 muss der Jesuitenpater Ferreira (Liam Neeson) mit ansehen, wie japanische Christen von Inquisitoren gefoltert werden. Ein letzter Brief von ihm erreicht Pater Valignano (Ciarán Hinds) in Portugal. Die Priester Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garupe (Adam Driver) wollen nicht glauben, dass ihr Vorbild Ferreira seinem Glauben absagte, nur um nicht getötet zu werden. Sie wollen sich auf die Suche nach ihm machen. In Kichijiro (Yôsuke Kubozuka) finden sie einen Führer, der sie nach Japan bringt. Direkt werden sie von dort lebenden Christen aufgenommen, die ihren Glauben jedoch wegen der Inquisition geheimhalten müssen. Auch die beiden Priester sind gezwungen, sich tagsüber zu verstecken. Schließlich trennen sich Sebastião und Francisco auf ihrer Suche. Sebastião betreibt die Seelsorge in einem Dorf namens Goto. Bald tauchen die Inquisitoren von Inoue (Issei Ogata) dort auf. Sie foltern die Menschen, bis sie sich von ihrem Glauben lossagen. Falls nicht, werden die Gläubigen kurzerhand getötet.

Unübersehbare Längen

Der Film beginnt mit der Folterung von japanischen Christen, die mit brühendem Wasser übergossen werden. Die Männer von Inoue greifen hart durch, denn Toleranz ist ein Fremdwort für das etablierte Regime. Sie zwingen die Gläubigen, ihren Glauben aufzugeben, ansonsten müssen andere Menschen sterben. Auch Sebastião muss sich für oder gegen seine Überzeugung entscheiden, und ob Menschenleben nicht wichtiger sind, als das Festhalten an einer Religion.

Man beginnt sich zu fragen, was Scorsese eigentlich mit seinem Film bezweckte. Soll es eine Kritik am zeitlosen zwanghaften Drang der katholischen Kirche sein, allen Menschen ihren Glauben aufzuzwingen? Oder will er zeigen, dass alle Völker das Recht auf eine eigene Religion haben? Erst zum Schluss des 161 lange Minuten dauernden Films begegnet Sebastião Ferreira, der eine Japanerin geheiratet hat und sich nun Sawano Chuan nennt. Diese Begegnung bringt etwas Licht in die Absichten des Oscargewinners Scorsese. So vergleicht Ferreira Japan mit einem Morast, in dem keine fremden Pflanzen wachsen können. Leider ziehen oft überlange und sich wiederholende Szenen, in denen die Inquisitoren von den Menschen das Lossagen vom Christentum verlangen, den Film in die Länge. Zwei Stunden hätten den selben Zweck auch erfüllt.