LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Auftakt des „Like a Jazzmachine“ mit Michel Reis und Ambrose Akinmusire

Langsam aber sicher avanciert die Stadt Düdelingen zur Jazzmetropole entwickelt. Neben hochkarätigen Konzerten während der laufenden Saison - denken wir nur an die unvergesslichen Momente mit den Formationen der Starbassisten Ricardo Del Fra, Dave Holland und George Mraz zurück -, zählt die 3. Auflage des Festivals „Like A Jazz Machine“ zu einem der vielbeachtesten Ereignisse der Großregion in Sachen improvisierter Musik.

Neben den schon legendären Aushängeschilder der Veranstaltung wie Joachim Kühn und Billy Cobham sind wie jedes Jahr neben einheimischen Musikern die zum Teil neue Projekte speziell für diese Konzertreihe entwickelten, vielversprechende Newcomer, die schon in der Weltpresse von sich reden machten, an der Tagesordnung.

Lyrische Momente

Nach dem David Laborier Trio mit dem Bassklarinettisten Michel Pilz und dem Quartett des norwegischen Trompeters Arve Henriksen war die Reihe an der mit Spannung erwarteten Combo des Luxemburger Pianisten Michel Reis. Eine perfekt einstudierte, abwechslungsreiche Demonstration des zeitgenössischen Jazz bot das bestens aufeinander eingespielte Quartett gestern Abend mit Anlehnung an die großen Meister des neuen Jazz.

Der Leader, der mit äußerst disziplinierten Einwürfen und einer bestechenden Virtuosität überzeugte, vermittelte mit der Philosophie einer fast sakralen Musik, die besonders durch die sensiblen, lyrischen Momente des Holzbläsers Stefan Karl Schmit unterstrichen wurden, eine originelle Perspektive besten musikalischen Geschmacks, wobei eigentlich nur eine Kleinigkeit an Spontaneität fehlte, von der die Live-Jazzmusik eigentlich lebt.

Ein markantes Beispiel für außerordentliche Newcomer, die die Zukunft der Jazzgeschichte sicherlich mitschreiben werden, war am Eröffnungstag des über die Grenzen hinaus bekannten Events, das Quintett des amerikanischen Trompeters mit nigerianischen Wurzeln Ambrose Akinmusire. Das pluralistische Konzept der Band ist nur schwer in einen bestimmten stilistischen Bereich einzuordnen; Akinmusire beherrscht die gesamte Palette des zeitgenössischen New Jazz, seine spektakuläre Ansatztechnik mit den immer präsenten weichen Attacken und seinem kultivierten Ton ließen besonders bei ruhigen Phrasierungen eine fesselnde rhythmische Spannung erleben.

Bei der kraftvollen Ballade „Regret (No More)“ erinnerte Akinmusire an die Tradition der Hardbop-Solisten, aber dominant waren während der ganzen Darbietung seine technischen Stärken, die, ob er laut, leise, schnell oder langsam spielte, eine faszinierende originelle Stimmung heraufbeschworen.

Facetten des Post-Bop

Obschon das Quintett eher unkonventionelle Strukturen mit sehr konzentrierten Anspielungen auf die avantgardistischen Tendenzen eines „Art Ensemble Of Chicago“ vorgab, waren bei den eleganten Phrasierungen der einzelnen Musiker die Anlehnung an klassischen Facetten des Post-Bop zu erkennen.

Ebenfalls durch die sich fortwährend steigernde Intensität, die dank der routinierten Rhythmussektion mit ihrem unaufdringlichen aber abwechslungsreichen Background eine spannende Demonstration einer bewährten Etappe des zeitgenössischen Jazz, gespickt mit den Finessen einer kontrollierten Dynamik, verkörperte, bot sich ein harmonisches musikalisches Abenteuer.

Jedenfalls war das zahlreich erschienene Publikum durch die musikalische Vielfalt und die hervorragende Qualität der einzelnen Konzerte der sechsstündigen Soiree restlos begeistert.