ECHTERNACH
CLAUDE MÜLLER

Nils Landgrens „Funk Unit“ beim Echternacher Festival

Im letzten Sommer stand er noch mit Viktoria Tolstoy und dem spektakulären Projekt „West Side Story“, begleitet von einem großorchestralen Ensemble, auf der Bühne des Trierer Minifestivals „Porta hoch 3“ vor der Porta Nigra. Dieses Jahr konnte der Echo-Jazzpreisträger Nils Landgren mit seiner Band „Funk Unit“ im Rahmen des Echternacher Festivals für ein Freilichtkonzert im Innenhof der Abtei verpflichtet werden.

Mit einer Powertruppe, die den Ansprüchen der Fusionfans eigentlich gerecht werden sollte, stellte der schwedische Starposaunist Nils Landgren am Donnerstag im angenehmen Dekor des Abteihofs sein neues Album „Unbreakable“ vor.

Überraschungsloses Fundament

Gleich beim Titelstück überzeugte der Leader mit einer ausgedehnten Improvisation, bei der er seine berühmte Posaunenkunst in allen Einzelheiten zur Schau stellte. Kontrollierte Glissandi, gepflegtes Vibrato, eine ausdrucksvolle Tongebung, elegante, sensible Melodiebögen, aufregende klangliche Explosionen, alles was das Herz der Anhänger des modernen Posaunenspiels höher schlagen lässt, war in dieser Demonstration enthalten. Aber das war’s dann schon. Die Begleitcrew mit Keyboards, Gitarre, E-Bass und Schlagzeug bot ein respektvoll distanziertes, überraschungsloses Fundament, das, leider ohne die besonders für Liveauftritte wichtigen dynamischen Schattierungen, sanft dahinplätscherte.

Ohne Zweifel waren sämtliche Musiker makellose Techniker, die aber in dem eingeschränkten Rahmen der primitiv arrangierten Kompositionen keine Gelegenheit hatten, sich voll zu entfalten. Allenfalls das obligate Schlagzeugsolo gegen Ende des Konzerts konnte durch einige wildere Eskapaden, die aber vorhersehbar waren und zum guten Ton der vielen Showdrummer auf Musikmessen gehören, auffallen. Auch der mit überzeugendem Volumen blasende Tenorsaxofonist brachte mit einigen kraftvollen, geschliffenen Soli etwas Bewegung in diese uns vertraute Musik, die wir des Öfteren in den Empfangshallen großer Hotelketten oder als Wellnesspolster in Einkaufshäusern begegnen.

Publikumsträchtige Erstaunungsmomente

Natürlich sorgten die effektvollen elektronischen Verfremdungen der beiden Blasinstrumente noch immer für publikumsträchtige Erstaunungsmomente, aber dass Posaune und Saxofon wie Synthesizer oder verzerrte Rockgitarren klingen müssen, ist nicht mehr zeitgemäß. Der Band, die immerhin schon über 20 Jahre auf dem Buckel hat und der öfters neues Blut durch junge Musiker eingehaucht werden sollte - nur Gründungsmitglied und Bassist Magnum Coltrane gehört noch dazu - sind offenbar die Ideen ausgegangen. Jedenfalls vermisste man die Kreativität und den Punch der frühen Jahre.

Hervorzuheben sind trotz allem die brillante Präzision und die verblüffende Leichtigkeit mit der die „Funk Unit“ diese geschönten, gut gemeinten Versuche die Musik der großen Vorbilder „Spyro Gyra“ und „Passport“ in volksnahe Stimmungsmusik zwischen Kitsch und Kommerz umzuwandeln vermochte. Überflüssig und nicht ganz ernst zu nehmen waren allerdings die amateurhaften Gesangseinlagen.

Monotone Angelegenheit

Alles in allem konnte man ein abgerundetes, gut poliertes Konzept in lässigem After Work-Ambiente genießen, obwohl nach anderthalb Stunden dem letzten Soft-Jazztouristen aufgefallen war, dass alle Stücke ziemlich ähnlich klangen und das immer gleiche Tempo sowie der monotone, harmonische Background die anfängliche Begeisterung schmälern ließen. Vermutlich könnte ein charismatischer Sänger mit magnetischer Ausstrahlung das etwas lädierte Image der ehemals hoch eingeschätzten Band aufpolieren.

Entschädigt und versöhnt wurde man durch eine wunderbare, ergreifende Soloversion eines schwedischen Volkslieds durch den Ausnahmeposaunisten, bei der dieser noch einmal sämtliche Facetten der modernen Posaunenschulen in virtuoser Manier Revue passieren ließ.