DÜDELINGEN
CLAUDE MÜLLER

Die Squeezeband gastierte im Düdelinger opderschmelz

Gleich zum Auftakt des Jazz-Zyklusses der diesjährigen Saison des Kulturzentrums „opderschmelz“ hatten die Organisatoren sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

So waren am vergangen Freitag große Namen der aktuellen Jazzszene zusammen mit Ausnahmeinterpreten derWorldmusic in einem äußerst originellen Kollektiv vereint, das im momentanen Angebot weltweit seinesgleichen sucht. Mit wunderbaren, mystischen und sphärischen Klängen sorgte der niederländische Keyboarder Jasper van’t Hof gleich zu Beginn für eine spannende und intensive Atmosphäre, die als Leitfaden das gesamte Konzert dominierte.

Die beiden weltbekannten Saxophonisten Chico Freeman und Gilad Atzmon starteten anschließend mit einem eher traditionell anmutenden Jazz-Thema, lieferten als Beweis ihrer multi-stilistischen musikalischen Anschauung Soli, die gleich zu Beginn die breite Palette verschiedenster Bereiche der Kunst des Saxophonspiels in der Jazzgeschichte beleuchteten.

Auch ihre Duos, die zeitweise an die legendären „Battles“ der 1950er Jahre bis zu den Tönen des „New Jazz“ eines Ornette Coleman erinnerten, waren von exquisiter Qualität.

Besonders Freeman an Tenor und Sopran setzte dem Ensemble mit seinem machtvollen Sound seinen Stempel auf und dokumentierte in seinen perfekt aufgebauten Improvisationen die Kunst des Jazzsaxophons von Coleman Hawkins bis John Coltrane während Altsaxophonist Gilad Atzmon, Gründer des berühmten „Oriental House Ensembles“, teils geschmeidig verträumt, teils entspannt federnd, eher die rasanten Phrasen der Hard Bop-ära aufleben liess.

Schlagzeugloser „Drummer“

Einen Hochgenuss offerierte der virtuose Beatboxer Nino G. mit seiner Demonstration eines zehnminütigen schlagzeuglosen „Drumsolos“, das exklusiv durch Körpereinsatz, d.h. perfekte Beherrschung von Zunge, Zähnen, Hals, Brust, Zwerchfell und natürlich Stimme gestaltet war. Aber dieses phänomenale Spektakel zu beschreiben ist nicht möglich. Diese unglaublichen vokalen Akrobatien für Ohr und Auge muss man live erlebt haben.

Reto Weber selbst, der Leader und Initiator der „Squeezeband“, der schon vor Jahren, u.a. mit dem italienischen Startrompeter Enrico Rava und dem deutschen Bassisten Eberhard Weber,unvergessliche Konzerte in Düdelingen gab, faszinierte wie gewohnt mit seinem facettenreichen Arsenal an teilweise selbst entwickelten Instrumenten und verlieh dem unvergleichlichen Touch der Formation durch seine harmonischen und melodiösen Finessen die rare Essenz eines völlig neuen Klangimperiums.

Amerikanische Avantgarde

Ruhender Pol während der gesamten Performance war der vortreffliche Bassist Michel Alibo aus der Karibik mit seinen swingenden Riffs und seinen markanten Exkursionen in die Welten der internationalen Folklore.

Jasper van’t Hof, einer der ersten Stars der Rock-Jazz-Bewegung zeichnete maßgeblich für die Vielfarbigkeit des Backgrounds verantwortlich, bot seine virtuosen Soli, die manchmal noch an die Anfangsjahre des Free Jazz erinnerten, und überraschte immer wieder mit originellen und subtilen Nuancierungen von lyrischer Schönheit. Auch hörte man einen Gruß an sein Idol McCoy Tyner heraus, ebenso war auch die minimalistische Welt der amerikanischen Avantgarde stark vertreten. Die wertvollste, interessanteste und wichtigste Botschaft der Band war jedoch, dass jeder der sechs Musiker sein individuelles in diversen Bereichen erworbenes Paket nicht separat vortrug, sondern rücksichtsvoll aber intensiv zusammen mit den anderen Bandmitgliedern zu einer vollkommenen Einheit verschmelzen ließ.