LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Die Welt des Jazz hat brillante Musiker verloren

Die Welt des Jazz ist wieder um ein paar wunderbare Stimmen und ausgezeichnete Musiker ärmer geworden. Die Musik der 2018 Verstorbenen wird dennoch bleiben. Ein Überblick.

Mit seinen Hitproduktionen in den Popcharts machte er den südafrikanischen Jazz weltweit bekannt. Der Trompeter und Sänger Hugh Masekela, der in den 1960er Jahren mit Miriam Makeba verheiratet war, verstarb am 23. Januar im Alter von 78 Jahren. Nur 62 Jahre alt wurde der französische Stargeiger Didier Lockwood, der am Abend des 18. Februar, nach einem Auftritt in Paris einem Herzleiden erlag.

Ein Mann der ein wegweisendes Kapitel der neueren Jazzgeschichte mitgeschrieben hat, ist ohne Zweifel der Free Jazzpianist Cecil Taylor. „Andere Pianisten sind allenfalls für Minuten in der Lage, eine derartig brennende und berstende Intensität zu entwickeln, und es ist unfassbar, dass Taylor ein solches Spiel ganze Abende in langen Konzerten und Clubauftritten durchhalte“, berichtet der deutsche Pianist Alexander von Schlippenbach. Taylor, der noch im hohen Alter in der Philharmonie auftrat, starb am 5. April im Alter von 89 Jahren.

Eng mit der Luxemburger Szene verbunden war der deutsche Bassist Ali Haurand, der am 28. Mai mit 74 Jahren verstarb. Die Liste der Musiker mit denen Haurand, der außerdem als Impresario, Journalist und Moderator tätig war, in der Blütezeit des „jazzclubluxemburg“ hauptsächlich im Melusina auftrat, reicht von Enrico Rava über Philip Catherine bis zu Charlie Mariano.

Jon Hiseman, einer der profiliertesten Schlagzeuger Europas, heimisch sowohl im Jazz wie im Rockbereich, verließ uns 73-jährig am 12. Juni. Der in Jazzkreisen geschätzte Drummer des „United Jazz &
Rockensembles,“ zu dem neben seiner Ehefrau, der Saxofonistin Barbara Thompson auch Wolfgang Dauner und Albert Mangelsdorf gehörten, wurde 1968 als Gründungsmitglied und langjährige treibende Kraft der Rockband „Colosseum“ bekannt.

Leider sollte es nicht mehr zu dem für den 1. Dezember angesetzten Auftritt von Tomasz Stanko in der Philharmonie kommen. Der polnische Ausnahmetrompeter, mit seiner „sinnlichen Klangwelt“ einer der wichtigsten Wegbereiter des „Neuen Jazz“ in Europa, verstarb am 29. Juli im Alter von 76 Jahren.

Am 1. September erreichte uns die Nachricht vom Ableben des 92-jährigen Pianisten und Komponisten Randy Weston. Der Bandleader und Solointerpret, „Afrikas Botschafter in Amerika“, wie Weston wegen seiner häufigen Afrikabesuche und seines langjährigen Wohnsitzes in Marokko gerne benannt wurde, war einer der ersten Jazzmusiker, die afrikanische Perkussionselemente und -instrumente in ihre Kompositionen einbauten.

An den Folgen einer Rauchentwicklung nach einem Wohnungsbrand verstarb am 1. Oktober der US-amerikanische Trompeter und Perkussionist Jerry Gonzales im Alter von 69 Jahren in Madrid. In den 1980er und 90er Jahren war der Gründer der „Fort Apache Band“ eine zentrale Figur in der Wiederbelebung des Latin Jazz. Hamiet Bluiett, ein virtuoser Meister der modernen Blastechniken der Holzblasinstrumente - er spielte neben Tenor- und Baritonsaxofon, verschiedene Klarinetten und Flöten - war neben zahlreichen Veröffentlichungen unter eigenem Namen als Gründer und langjähriges Mitglied des „World Saxophon Quartets“ bekannt. Mit 78 Jahren verstarb Bluiett am 4. Oktober.

Am 2. November verlor die Jazzwelt einen der interessantesten Trompeter der aktuellen Szene. Roy Hargrove, den wir von markanten Konzerten in Düdelingen und in der Philharmonie in bester Erinnerung haben, wurde nur 49 Jahre alt. Vor allem in Deutschland bekannt ist der Vibrafonist Wolfgang Schlüter. Während rund 30 Jahren war er Mitglied der NDR Bigband und fungierte als Solist bei Peter Herbolzheimer und Peter Gigers „Family Of Percussion“. An seinem 85. Geburtstag erlag Schlüter am 12. November einem Herzanfall.

Am 28. November verstarb Uli Scherer, österreichischer Pianist und Gründungsmitglied des „Vienna Art Orchestra“, mit dem er mehrmals in Luxemburg gastierte. Er wurde 65 Jahre alt.

Eine wichtige Rolle als Popularisator der Klarinette im neuen Jazz spielte der New Yorker Musiker Perry Robinson. Mit seinem extrem expressiven Sound drückte er unter anderem mit der Vokalistin Jeanne Lee der avantgardistischen Musik der „Galaxie Dream Band“ des Multiinstrumentalisten Gunter Hampel seinen Stempel auf. Wichtige Stationen in seiner Karriere waren seine Präsenz bei Charlie Hadens erstem „Liberation Music Orchestra“ und sein Mitwirken bei der Jazzoper „Escalator Of The Hill“ der Pianistin und Komponistin Carla Bley. Perry Robinson starb am 2. Dezember im Alter von 80 Jahren.

Aus dem Randbereich des Jazz

Auch aus dem Randbereich des Jazz ist der Verlust bekannter Persönlichkeiten zu beklagen. Bereits im Januar verließ uns der 1943 geborene Gospelsänger Edwin Hawkins. Der kalifornische Chorleiter, der mit seinem 1969er Hit „Oh Happy Day“ Weltruhm erlangte, verließ uns 74-jährig bereits im Januar. Zwei Jahre älter war die unumstrittene „Queen Of Soul“ Aretha Franklin, die am 16. August verstarb. Stark vom Jazz beeinflusst waren die Lieder des am 6. April verstorbenen französischen Chansonniers Jacques Higelin, der gelegentlich mit Jazzmusikern wie zum Beispiel dem „Art Ensemble Of Chicago“ zusammenarbeitete. Er wurde 77 Jahre alt. R&B und Soul, aber auch eine gehörige Portion Jazz, das war das Leben der Sängerin Nancy Wilson. Die Grammy Preisträgerin starb am 13. Dezember im Alter von 81 Jahren.