LUXEMBURGCLAUDE KARGER

Zeuge erkennt Angeklagten Marc Scheer als „Aufpasser“ beim Attentat auf Justizpalast

Paukenschlag nach der Pause gestern beim 80. Tag des „Bommeleeër“-Prozess: Nach Durchsicht eines Foto-Ordners mit Bildern ehemaliger BMG-Mitglieder identifizierte der Zeuge Michel Maniglier Marc Scheer als den Mann, der offensichtlich am Abend des Attentats auf den Justizpalast am 19. Oktober 1985 hinter dem Gebäude, in der rue Wiltheim, womöglich den „Aufpasser“ spielte.

„Je suis formel, c’est cette personne, qui a retenue mon attention“, wiederholte der damals in Dommeldingen wohnende Franzose, der an diesem Abend mit einem amerikanischen Freund eine Besichtigungstour der Altstadt unternahm.

„Feindlicher“ Blick

Der Zeuge berichtete darüber, dass er fünf bis sieben Leute in dem kleinen Tunnel unter den „Dräi Tierm“ gesehen habe und einen roten Wagen, der in der Gegend abgestellt war. Einer der Männer habe ihm einen „feindlichen“ Blick zugeworfen.

Sie hätten kehrt gemacht und hätten wieder die Richtung zum Fischmarkt eingeschlagen. „Wir hatten sofort den Eindruck, dass wir sie stören würden“, so der Zeuge.

Sofort sei ihm ein junger Mann aufgefallen, von sportlicher Statur, „militärischer Haltung“ und kurzem Haarschnitt sowie sportlicher Kleidung, der allerdings immer das Weite suchte, als die beiden Touristen näher kamen.

Maniglier erinnert sich daran, dass er den Mann ansprechen wollte, um vielleicht weitere Erklärungen über die Altstadt zu bekommen.

Doch der entfernte sich immer wieder. Da habe er es aufgegeben, so Maniglier, der sich auch daran erinnert, dass er den Mann mit einem anderen habe sprechen sehen.

Allerdings seien beide zu weit entfernt gewesen und er habe nicht gehört, in welcher Sprache sich die beiden unterhielten.

Einige Zeit später, er und sein amerikanischer Bekannter befanden sich auf dem Weg zum Place d‘Armes, hätten sie einen lauten Knall vernommen.

Zum ersten Mal Original-Fotos Verdächtiger gesehen

Allerdings habe er erst am darauf folgenden Morgen, als er die Nachrichten über den Anschlag auf den Justizpalast hörte, die Verbindung zwischen den am Vortag beobachteten Männern und dem Attentat gezogen, so Maniglier, der am 4. November 1985 der Polizei den Vorfall schilderte.

Maniglier war später mehrmals dazu vernommen worden, einmal sogar unter Hypnose. Auf Basis seiner Aussagen war ein Phantombild angefertigt worden, das aus unerfindlichen Gründen allerdings nicht einmal innerhalb der Sicherheitskräfte verbreitet wurde. Auch hatte ihm die Untersuchungsrichterin 2007 eine Reihe von Fotos gezeigt, oder vielmehr Fotokopien von Fotos, auf denen er die BMG-Leute Romain Immer und Bernard Reuter als den mysteriösen „Guetteur“ zu erkennen glaubte. Die von den Ermittlern zusammen gestellte Foto-Sammlung sah er gestern zum ersten Mal.

„Ich habe mir das konzentriert angeschaut“, so der Zeuge nach der Verhandlungspause. Auf dem Foto Nummer 14 sei der Mann zu sehen, der ihm am Abend des 19. Oktober 1985 aufgefallen war.

„Dat kann net sinn, ech war net do!“

Die Reaktion von Marc Scheer kam augenblicklich: „Dat kann net sinn, ech war net do!“. Nach der Verhandlung sagte der Angeklagte, er habe zu diesem Zeitpunkt zuhause gesessen und für ein Examen gebüffelt. Seine Frau könne das bezeugen.