LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Vier Jahre Haft für Mann verlangt, der schwangere Freundin getreten haben soll

Weil er seine schwangere Freundin in den Bauch getreten hat, stand ein 28-jähriger Mann am Freitagmorgen vor der 13. Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg. Eine rohe Sinnesart bescheinigte die Vorsitzende Richterin Sylvie Conter in der Gerichtsverhandlung dem 28-jährigen Fawzi K., der seine Ex-Freundin (27), die im siebten Monat schwanger war, mit Tritten in den Bauch traktiert haben soll.

Die Anklage wirft K. vor, am 20. März, am 17. Mai und am 27. August 2019 seiner damaligen hochschwangeren Freundin mindestens drei kräftige Fußtritte in den Bauch versetzt und damit den forcierten Abbruch der Schwangerschaft zumindest billigend in Kauf genommen zu haben. „Je vais te faire tomber l’enfant“, soll er seiner Freundin gesagt haben.

Tatsächlich bekam die heute 27-jährige Mutter in der Folge starke Schmerzen und dann Blutungen. Da suchte sie das Krankenhaus auf, es konnte ihr geholfen werden: Die Frau hatte keinen Abgang. Das Kind wurde am vergangenen 2. Dezember geboren. „Stimmt’s?“, fragte ihn die Vorsitzende Richterin Sylvie Conter. „Nein“, antwortete K. Warum er die Frau geschlagen hat, wollte die Richterin wissen. Der Mann blieb bei seiner Version: „Ich habe sie nicht in den Bauch getreten“.

Nur mit der flachen Hand

F. gab aber gestern zu, dass er in drei Fällen seine Freundin im Streit angegriffen, sie mit der flachen Hand geschlagen hat. Streit habe es damals praktisch ständig gegeben, weil seine Ex-Freundin trotz Schwangerschaft Kokain im Übermaß konsumiert und sich um nichts gekümmert habe. „Ich will kein Kind von einer Rauschgiftsüchtigen“, schrie er in den Saal.

Trotz Beschimpfungen, Drohungen und Gewalt, findet die Frau nicht den Mut und die Kraft, den mutmaßlichen Täter zu verlassen. Den Polizisten hatte sie erzählt, dass sie von ihrem Freund geschlagen und getreten worden sei, während den Richtern gegenüber nur noch von ein paar Schlägen ins Gesicht die Rede war.

Die Hämatome im Gesicht und eine schmerzhafte Platzwunde an Ober- und Unterlippe sollen nicht von ihrem Ex-Freund stammen, sondern von den nigerianischen Drogendealern mit denen sie ihr Kokain dealte. Das habe sie aber alles erfunden, sagt die Frau, die angab, bei allen Aussagen unter dem Einfluss von Drogen, vor allem Kokain, gestanden zu haben. An die Gewalttaten kann sie sich nicht vollständig erinnern. Das hat sie mit ihrem Täter gemein. Sie habe das nur so erzählt, um ihre Ruhe zu haben. „Ich wollte mein Kokain“, sagt sie, „doch er hat mir verboten Kokain zu nehmen.“ Die Anklagevertreterin ist aber überzeugt davon, dass F. die junge Frau geschlagen und in den Bauch getreten hat. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft plädierte (laut Art. 409 des Strafgesetzbuches) auf gefährliche Körperverletzung und verlangte vier Jahre Haft für K.

Subsidiarisch soll der Angeklagte nach Art. 348 des Strafgesetzbuches verurteilt werden. Art. 348: „Celui qui, par aliments, breuvages, médicaments, violences, manœuvres ou par tout autre moyen aura, à dessein, fait avorter ou tenté de faire avorter une femme enceinte ou supposée enceinte qui n’y a pas consenti sera puni de la réclusion de cinq à dix ans.“

Die Anklage überlässt den Richtern ob die Strafe ganz oder zum Teil auf Bewährung ausgesetzt werden soll oder der Angeklagte bei einer bedingten Freilassung Auflagen oder Überwachungsmaßnahmen unterworfen wird.


Das Urteil wird am 23. Januar 2020 gesprochen