LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Auch eine Hitzewelle gefährdet Luxemburgs Trinkwasserversorgung nicht

Es mag banal klingen, aber die wichtigste aller Ressourcen ist, neben dem Sauerstoff, das Wasser, genauer Trinkwasser. Angesichts eines besonders heißen Sommers, auch wenn er im Augenblick eine kleine Pause macht, und Nachrichten über Wasserknappheit in einigen Weltgegenden, kann man sich auch hierzulande die Frage stellen, wie es um unser Wasser steht. Auch im Lichte des Metazachlor-Vorfalls an der belgischen Sauer der auf die Belastung des Grundwassers mit Pestiziden aufmerksam machte ist diese Frage von großer Bedeutung. Im konkreten Fall geht es aber um die Wassermenge, die in Luxemburg zur Versorgung der Bevölkerung bereit steht.

Die beiden DP-Abgeordneten Max Hahn und André Bauler haben sich unter Verweis auf die Hitze und die Wetterstatistik, die die Jahre 2003, 2007 und 2011 als besonders warm ausweist, an Umweltministerin Carole Dieschbourg gewandt, um mehr über das luxemburgische Wasser zu erfahren. Sie wollten Auskunft über die Entwicklung der Wasservorräte und des Grundwasserspiegels seit 2010 haben, wissen ob es sinnvoll sei den Verbrauch einzuschränken und die Bevölkerung darauf einzustimmen und ob sich die Trockenheit der letzten Wochen schon bei Menge und Qualität des Wassers bemerkbar gemacht hat?

Da das Thema Wasser administrativ auch die Kommunen betrifft, antwortete Umweltministerin Dieschbourg auch für das Innenministerium.

Rund die Hälfte des verbrauchten Trinkwassers stammt aus unterirdischen Reserven, drei Viertel davon kommen aus den wasserführenden Schichten des
Luxemburger Sandsteins. Gespeist werden diese Vorräte durch die Niederschläge
im Winter.

Seit 2003 wird ein Rückgang der Reserven beobachtet, besonders schwach fielen die Niederschläge in den Wintern 2006/2007 und 2013 aus. Im ersten Halbjahr 2015 haben die Reserven ein ähnliches gehobenes Niveau wie im September 2010 erreicht. Der Grundwasserspiegel ist in den bisherigen Sommermonaten leicht gesunken.

Die Zahlen stammen sowohl vom Wasserwirtschaftsamt als auch von der Stadt Luxemburg. Die Zahlen beziehen sich auf die Sandsteinreservoire. Die Reserven im Sand- und Buntsandstein seien aktuell in einem guten Zustand. Die Ministerin verliert allerdings kein Wort über Metazachlor und andere Unannehmlichkeiten.

Für den Sauer-Stausee gelten andere Regeln, der See hat zwei Maximalstände, 317 Meter über Normalnull im Winter und 320 Meter im Sommer. Die geringere Befüllung im Winter soll Reserven zur Hochwasserregulierung lassen. Seinen Tiefststand hatte der See im November 2011 mit 309,6 Metern. Zwischen 2012 und 2015 schwankte die Höhe der Wasserlinie zwischen 314,7 und 319,6 Metern. Zu keinem Zeitpunkt habe eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung aus dem See bestanden, dessen Gesamtvolumen liegt bei 50 Millionen Kubikmeter Wasser, der Trinkwasserversorger SEBES kann maximal 70.000 Kubikmeter pro Tag aufbereiten.

Keine Gefahr absehbar

Kurz und knapp fasst Dieschbourg zusammen: Keine Gefahr für die Trinkwasserversorgung absehbar. Eine Einschränkung des Trinkwasserkonsums sei nicht notwendig. Im Sommer gehe der Trinkwasserverbrauch traditionell zurück, dafür gibt es zwei Gründe: Die Schulferien und der Kollektivurlaub im Baugewerbe. Die im Sommer 2007 verhängten Verordnungen zur Beschränkung des Trinkwasserkonsums seien auf die mangelhafte Kapazität von Hochbehältern und Leitungen bei stark schwankender Nachfrage zurückzuführen gewesen. Zum unregelmäßigen Verbrauch trägt auch die hohe Zahl der Grenzgänger bei, die zu starken Bedarfsschwankungen zwischen Arbeitstagen und Wochenende führt.

Carole Dieschbourg beruhigt die beiden Fragesteller auch in einem anderen Punkt: „Weder die Trockenheit noch die Hitze der letzten Wochen haben einen Einfluss auf die Qualität des Trinkwassers“.