LUXEMBURG
INGO ZWANK

Wie sich die Post dem veränderten Markt anpassen will

Die liberalisierte Briefzustellung, Postscheck und ein sehr offener Telekombereich: „Vor rund sechs Monaten gab es die erste Situationseinschätzung“, so Post-Generaldirektor Claude Strasser zu seiner persönlichen Bilanz nach einem Jahr an der Spitze. „Alles hat sich bestätigt. Die Bäume wachsen auch für uns nicht in den Himmel, alles konkretisiert sich, der Trend ist klar erkennbar, auch wenn wir noch keine genauen Zahlen haben: Wir müssen gegensteuern“, so Strasser zu den sich präsentierenden Baustellen.

Nach außen hat sich sichtbar das Logo geändert, aber „dies ist nur die Spitze des Eisberges. Innen im Haus haben wir uns auch bereits sehr verändert.“

Die Post muss sich so dem Bereich Briefzustellung anpassen. Der Bereich werde sich weiter stark verändern, die reine Briefpost der Vergangenheit gibt es so nicht mehr. Postscheck und auch der Bereich Telekom müssen ebenfalls angegangen werden, auch „wenn wir hier noch nichts Genaues sagen können. Wir müssen uns auf jeden Fall auch auf diesen Feldern anpassen“, so Strasser gestern bei einer Pressekonferenz.

So wird der alte Briefpostbereich nun etwas mehr als „Logistikbereich“ ausgelegt werden, der mit der „neuen“ Direktorin Hjoerdis Stahl seit sieben Monaten repräsentiert wird. „Wir arbeiten nun einmal in einem sehr schwierigen Sektor“, so Stahl zum herrschenden Säulenkonzept. Darunter fällt der „Briefzusteller, denn hier gilt: Jeden Tag, jedes Haus“, der „Paketdienst“ (diese Bereiche müssen effektiv genutzt werden) und eben die Logistik, die mit den beiden anderen Säulen optimal verknüpft werden muss. „Doch dies muss klar definiert und langfristig ausgelegt werden“, sagt Stahl. Langfristiges Wachstum und Nachhaltigkeit seien erst in einiger Zeit ablesbar, doch man sei bereits sehr gut aufgestellt.

Sicher in der Wolke

Pierre Zimmer, seit einigen Tagen erst CIO bei der Post (früherer Direktor des Centre des Technologies de l’Information de l’Etat (CTIE)), definiert seine neue Position: „Wenn man die Post anschaut, ist sie auf der Kreuzung der Kommunikation. Die Idee, mehr Dienste anzubieten, muss umgesetzt werden.

Die Post als Akteur zwischen den Sektoren muss eben neben dem reinen Datentransport effektiv mehr Telekommunikationsdienste anbieten können.“ Den Kunden sollen diese Dienste einfacher, komplett und kompakter angeboten bekommen. Darunter ein „sicherer Cloud-Dienst, denn in Luxemburg sind wir in diesem Bereich sehr weit, Sicherheit und Vertrauen.“ „Als Service können wir dem Kunden dann eine umfangreiche Struktur und Lösung anbieten. Der muss sich dann über die Informatik keine Gedanken mehr machen“, ergänzt Strasser.

2014 steht weiterhin der Kunde im Mittelpunkt, was bei den „professionellen sicherlich und den privaten Kunden hoffentlich schon angekommen ist“, so Strasser mit Blick auf das 4G-Netz. Strasser stellte klar, dass man sich nicht zu „einer klassischen Postbank“ entwickeln wird, „nicht zuletzt mit Blick auf die Krise.“ Doch eine Zusammenarbeit mit einer Bank sei nicht auszuschließen.

Schalter-Konzept überdenken

Daraus ergebe sich auch eine notwendige Umstrukturierung der Post-Schalter vor Ort. „Viele Schalter heißt nicht gleich guter Service. Was aber jetzt nicht bedeutet, dass alle Schalter geschlossen werden, aber Schalter, die nur eineinhalb Stunden geöffnet sind oder wo der Kunde ewig warten muss“, gehörten eben nicht mehr in ein aktuelles Kundenbild der Post.

Strasser brachte hier an, dass sich der Post-Shop hierzulande so nicht wie beispielsweise in Deutschland durchgesetzt hat. Stahl ergänzt: „Schließlich haben wir auch dann geöffnet, wenn alle anderen Personen arbeiten gehen. Wir müssen uns der veränderten Welt anpassen. Und dies relativ schnell - denn der Kunde steht klar im Fokus.“ Doch bei alledem muss man die finanzielle Lage der Post im Auge behalten, „hier muss Rücksicht drauf genommen und entsprechend werden.“

Der Zuschlag für den Aufbau des mobilen Funknetzes RENITA für Polizei und Rettungsdienste ging bekanntlich an das Unternehmen und muss für Mitte 2015 stehen, „ein toller Erfolg für uns“, freute sich Strasser über diese Herausforderung.“