LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Meiste Covid-19-Neuinfektionen sind auf Privatpartys zurückzuführen - Gesetz soll angepasst werden

Die jüngsten Zahlen der Covid-19-Neuinfektionen seien zwar nicht alarmierend, so Premierminister Xavier Bettel auf einer gestrigen, gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsministerin Paulette Lenert, doch dem Gesichtsausdruck des Regierungschefs nach zu urteilen sind sie dies sehr wohl, waren doch auch gestern wieder 46 Neuinfektionen zu verzeichnen. Seinem Satz, dass die Zahlen nicht alarmierend seien, fügte der Staatsminister dann aber noch hinzu, dass es jetzt darum gehe zu vermeiden, dass die Situation in den nächsten Wochen aus dem Ruder laufe.

Es gelten weiterhin die Abstandsregeln und die Maskenpflicht

Aus diesem Grund habe der Regierungsrat dann auch in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, dass Partys und Zusammenkünfte von über 20 Menschen vorerst wieder verboten werden sollen, nachdem dies bisher nur eine Empfehlung war. Ein entsprechender Gesetzestext sei in Ausarbeitung.
Erst vor einigen Tagen war ein entsprechender Textauszug, der die privaten Feiern betrifft, auf Wunsch des Staatsrats aus den Covid-19-Gesetzen gestrichen worden. Nun hofft Xavier Bettel natürlich, dass die Hohe Körperschaft den wieder abgeänderten Text nicht mit einer formellen Opposition belegt, ansonsten das Ganze keinen Sinn mache.
Fakt sei nun einmal, so ein verärgerter und sichtlich enttäuschter Premierminister, dass die Neuinfektionen auf eine Reihe von privaten Rave-Partys zurückzuführen seien, wobei sich allein auf einer dieser Partys, auf denen sich in keinerlei Weise an die Maskenpflicht und die Abstandsregeln gehalten worden sei, 24 Leute infiziert hätten.
Auch sei ihm zugetragen worden, dass sich auch im öffentlichen Transport immer weniger Leute an die Maskenpflicht halten würden, was bedauernswert und unverantwortlich sei. Die Maskenpflicht gelte hier dann auch in Zukunft. Jeder Einzelne müsse sich weiterhin an die Regeln halten und Verantwortung zeigen, seien die Regeln doch im Interesse aller Leute aufgestellt worden.  Luxemburg habe es  fertiggebracht, während Wochen und Monaten zusammenzuhalten, das sollte nun auch so weitergehen, so der Aufruf des Regierungschefs.
Besorgt zeigte sich aber auch Gesundheitsministerin Paulette Lenert, die darauf hinwies, dass der starke Anstieg der Neuinfektionen auf die Lockerungen zurückzuführen seien. Deshalb sei es umso wichtiger jetzt zu handeln, und die Situation nicht ausufern zu lassen. Die Ursachen für die vielen Neuinfektionen sei jedenfalls nicht das „Large Scale Testing“, auf das nur zehn Prozent der Neuinfektionen zurückzuführen seien.
Die Leute hätten sich vielmehr auf Privatpartys infiziert, wobei sich auf einer einzigen Party 24 Personen mit dem Virus angesteckt hätten. Weitere Neuinfektionen habe es auf Grillfeiern und Familienfesten gegeben. Zehn positive Fälle seien zudem in einem großen Unternehmen festgestellt worden, aber diese Neuinfektionen seien wohl auch auf private Feiern von Angestellten zurückzuführen.
Die Ministerin gab dann auch noch an, dass allein in der Woche vom 22. bis 28. Juni 146 Neuinfektionen festgestellt worden seien, bei denen mehr als 1.000 Kontakte identifiziert worden seien. Der Altersdurchschnitt der Neuinfizierten liege hier bei 35 Jahren; diese Altersgruppe sei zwar nicht so gefährdet, könne das Virus aber auf andere, vulnerable Leute übertragen.
Einige Neuinfektionen seien auch am Flughafen und in den Schulen festgestellt worden, aber immer nur in bescheidenem Rahmen. Das Risiko liege jedenfalls  nicht in der Schule und nicht in der Arbeitswelt,sondern ganz klar im privaten Bereich.
In der Abgeordnetenkammer findet heute Nachmittag übrigens eine von der größten Oppositionspartei angefragte Aktualitätsstunde statt, bei der es darum geht, ob die Regierung auf eine zweite Welle der Corona-Pandemie vorbereitet ist...