BISSENCORDELIA CHATON

Renée Pauly ist Ingenieurin und leitet einen Familienbetrieb

Ameco - A. Pauly & fils steht auf dem Firmenschild. Richtig müsste es eigentlich heißen „fille & fils“. Denn im metallverarbeitenden Betrieb, den Albert Pauly in den 50er Jahren gegründet hat, arbeiten sowohl sein Sohn Serge als auch seine Tochter Renée mit - in leitender Position. Renée Pauly ist mit dem Unternehmen aufgewachsen. „Wir haben als Kinder über der Werkstatt meines Vaters gewohnt“, erzählt die Maschinenbau-Ingenieurin. Das ist lange her. Mittlerweile beschäftigt das Bissener Unternehmen 125 Mitarbeiter, darunter 20 Schweißer. Aus der Werkstatt eines Automechanikers und Maschinenschlossers ist ein Betrieb geworden, der in Straßensicherheit und Stahlbau ebenso zu Hause ist wie in der Feinmechanik und dem Maschinenbau. Konzepte, Bearbeitung, Drehen, Fräsen, Schweißen oder Zusammenbau und Einbau gehören zu den Unternehmensleistungen.

Während Renée Pauly durch die Hallen führt, erklärt sie: „Früher habe ich mal über einen sozialen Beruf nachgedacht. Aber es gibt auch ein gewisses Gefühl der Verpflichtung, wenn es in einem Unternehmen um so viele Arbeitsplätze geht.“ Die zu erhalten, ist ihr wichtig. Die Managerin ist mit 24 Jahren ins Unternehmen gekommen. „Ich habe eine Zusatzausbildung gemacht und wurde Fachfrau für Stahlschutzplanken und passive Straßensicherheit“, sagt Pauly. Sie ist der Typ, der Verantwortung gewissenhaft übernimmt. Feministische Rollen und große Auftritte liegen ihr nicht; ebenso wenig wie die Rolle einer Patronin mit Dynastie: „In einem Familienunternehmen zu arbeiten, ist nicht immer einfach. Ob meine Kinder diesen Weg gehen, weiß ich nicht“, sagt die dreifache Mutter. Ihre Kinder sind jetzt erwachsen. Derzeit arbeitet ihr Sohn im Unternehmen. Auch wenn die Luxemburgerin Spaß an ihrem Job hat und sieht, für wen sie das alles macht, ist der Job hart. Pauly will lieber nicht sagen, wie viele Stunden sie jeden Tag im Unternehmen ist.

Die Vorteile sind ganz klar: „Viel Abwechslung, jeder Tag ist anders und ich habe viel Kontakt mit den Mitarbeitern und Kunden und einen Bezug zum Produkt.“ Die Nachteile kennt sie ebenfalls: „Das Gleiche - es kann einem nämlich auch alles zu viel werden.“

Pauly möchte jungen Menschen eine Perspektive geben. Lange gab es wenig Interesse. „Das ändert sich jetzt, wir haben immer mehr Bewerbungen.“ Gleichzeitig findet sie es frustrierend, dass die Auflagen so hoch sind, dass Praktikanten vieles nicht machen dürfen. „Und ich wünsche mir, dass das Handwerk den Stellenwert erlangt, den es verdient.“ Pauly ist Mitglied bei der „Féderation Femmes Cheffes d´Entreprises du Luxembourg“ (FFCEL). „Da kann ich mal mit Frauen sprechen und sehen, wie sie Probleme, die ich als Unternehmerin auch habe, angehen. Aber es ist eher menschlich als geschäftlich. Ich habe wenig Zeit, mich mit jemandem zu treffen und sehe selten Frauen“, stellt sie fest. „Frauen treffen Entscheidungen anders als Männer.“