LUXEMBURG
FRÉDÉRIC HAUPERT

Vor kurzem hat die Hilfsorganisation CARE Luxembourg ihren Jahresbericht 2018 vorgestellt. Inzwischen kann man auf zehn Jahre humanitäre Hilfe zurückblicken. In dieser Zeit wurde viel geleistet, dennoch stoßen die Helfer immer wieder an Grenzen, besonders im Jemen, wie CARE-Direktor Frédéric Haupert erklärt.

„Seit Jahren dringt nur wenig über das Leben der Menschen im Jemen an die Öffentlichkeit. Daher befragten kürzlich unsere CARE-Helfer im Jemen Kinder zu ihrem Alltag. In einem Film hielten sie fest, wie es sich anfühlt, in einem Land zu leben, in dem 85 Prozent der Bevölkerung von Hunger, Krieg, Krankheit und Gewalt bedroht sind. Da neben vielen Häfen auch der zentrale Flughafen des Landes seit drei Jahren blockiert ist, haben die Familien keine Möglichkeit, der Not zu entkommen. Wir wollten wissen, welche Assoziation Kinder mit Flugzeugen haben, die in einem Land ohne Flughafen aufgewachsen sind. Die Kinder gaben ihre Antworten nüchtern, sachlich und mit einer schockierenden Selbstverständlichkeit. So erklärte ein fünfjähriges Mädchen: ,Die guten Flugzeuge nehmen Menschen mit, die bösen werfen Bomben.‘ Ein anderes erzählte: ,Wenn die Flugzeuge kommen, werfen sie Bomben auf uns. Ich drücke mir dann immer mein Kissen auf die Ohren.‘

Wenn die Hilfsorganisation CARE Luxemburg diesen Sommer über die Ergebnisse und die Erfolge der Arbeit im zurückliegenden Jahr berichtet, ist es mir wichtig dies voranzustellen. Denn wenngleich wir stolz und froh sind, dass wir dank der großen Solidarität der luxemburgischen Bevölkerung, Unternehmen und Regierung über 300.000 Menschen in großer Not beistehen konnten, sind es gerade die Konflikte, Gewalt und Hunger im Jemen, in Syrien oder in der Sahelregion, die uns die Grenzen unserer Hilfe aufzeigen. Die Lage im Jemen macht das besonders deutlich. Hier versorgt CARE jeden Monat weit mehr als eine Million Menschen mit dem, was sie zum täglichen Überleben brauchen. CARE Luxemburg hilft Familien, in denen ein Elternteil krank, verletzt oder verstorben ist, um das Überleben der Kinder sicherzustellen. Doch mit jedem neuen Bombenangriff auf Zivilisten oder Helfer wird diese lebenswichtige Hilfe in Gefahr gebracht. Das Leid bleibt indes in dieser größten humanitären Katastrophe unserer Zeit weiter schier unvorstellbar.

In dieser Zeit sind Erfolge in der humanitären Hilfe immer relativ. Doch sie sind da. Sie sind messbar und sie zeigen, wie wichtig diese luxemburgische Solidarität ist. 2018 konnten wir 60 Prozent unserer Hilfsprojekte der medizinischen Versorgung und der Ernährung von Schwangeren und Neugeborenen in akuten Notsituationen widmen. Ein weiteres Drittel der Hilfsprojekte nahm sich dem Schutz von Mädchen und Frauen vor sexualisierter Gewalt in Krisen und Katastrophengebieten an oder stellte geschützte Räume für die Betreuung von traumatisierten Kindern zur Verfügung.

Wir sind stolz und froh über das Vertrauen der 1.000 neuen Spender aus Luxemburg, die diese Hilfe 2018 zum ersten Mal unterstützten. Und auch 2018 sind wir diesem Vertrauen gerecht geworden: Nur 7 Prozent unserer Ausgaben fließen in die Verwaltung und die Kommunikation unserer Arbeit. Doch während ich diesen Text schreibe, sind meine Gedanken längst bei der Hilfe, die wir dieses Jahr leisten müssen. Es sind die Worte eines kleinen jemenitischen Jungen, die mich nicht loslassen, der mit klarem Blick und leicht brüchiger Stimme feststellt: ,Ich will hier nicht sterben‘.“

Das Video aus dem Jemen ist auf dem Youtube-Kanal von CARE Luxembourg zu sehen. Mehr Informationen: www.care.lu