PATRICK WELTER

Wir müssen aufpassen, dass wir vor lauter Corona und Covid-19 noch mitkriegen, dass die Deppenregierung in den USA jedes Abkommen kurz und klein schlägt, China die demokratische Fassade in Hongkong einreißt und Väterchen Putin einfach sein Ding macht.

Die aktuelle US-Regierung ist stolz darauf, sich von der Welt abzuwenden, die nur aus Feinden der USA besteht – abgesehen von Brasilien und Saudi-Arabien. Für Washington sind Russen, Chinesen und Europäer alles lästerliche Verbündete gegen „Gods own country“.

Unter Trump ist die EU zum neuen Feind geworden, allein wegen ihrer wirtschaftlichen Stärke. Schade ist nur, dass die gleiche EU außenpolitisch immer noch ein Scheinriese ist. Sie führt lieber den ewigen Streit zwischen dem verschwenderischen Süden und dem knauserigen Norden. Nachdem die ewige Kanzlerin erkannt hat, dass es wichtig ist, den „schlamperten“ Südländern zu helfen, geriert sich jetzt der Mann an Metternichs Schreibtisch, Wiens Kanzler Kurz, als Sparfuchs. Unterstützt von den pingeligen Nordeuropäern. Toll. Draußen wird mit dem Feuer gespielt, drinnen werden die Dukaten hin und her gerechnet.

Da die EU mit den eigenen Fingern spielt, stellt sich die Welt gerade tri-polar dar. Eine bigott-reaktionäre Regierung in Washington, eine Militärdiktatur mit kapitalistischer Wirtschaftsordnung und kommunistischer Härte in Peking und eine autoritär-expansive Oligarchie in Moskau machen das Spiel unter sich aus.

Immerhin, in der NATO haben die Europäer Stellung bezogen und Washington klar gemacht, dass sie nicht aus dem Open-Skies-Abkommen aussteigen werden, egal was Donald T. für schräge Ideen hat. Übrigens: Das Abkommen, das gegenseitige Kontrollflüge über Nato-Gebiet und russischem Territorium erlaubt, wurde von keinem verräterischen „Linken“, wie Clinton oder Obama, unterzeichnet. Es wurde von George H. W. Bush 1992 ausgehandelt und trat unter Georg W. Bush 2002 in Kraft – konservative republikanische Präsidenten. Allerdings befand sich die „Grand Old Party“ damals noch nicht in den Fängen radikaler Sektierer.

Putin lacht sich eins. Der Mann in Washington spielt ihm in die Hände. Zwar haben die Europäer Putin in seltener Eintracht klar gemacht, dass im Baltikum und Osteuropa nichts mehr für Moskau zu holen ist, sie ihn aber durchaus als vernünftigen Gesprächspartner betrachten. Das hindert ihn aber nicht daran, seine Fühler erfolgreich nach Süden auszustrecken. Ohne Hilfe aus Moskau hätte Assad schon längst das Schicksal Gaddafis ereilt. Es wird in absehbarer Zukunft kein Syrien ohne russischen Einfluss geben.

Trump prügelt erfolglos auf den Chinesen als Urheber von Covid-19 herum, während die Europäer sich politische Erklärungen von Peking redigieren lassen – beides gleichermaßen dämlich. Was nimmt das Regime in Peking damit wahr? Wir können machen, was wir wollen! Warum bis 2047 warten, um sich Hongkong einzuverleiben? Jetzt verpassen wir Hongkong mal unser Sicherheitsgesetz und dann sehen wir weiter.

Gibt es Widerstand im Rest der Welt gegen Pekings Expansion? Keinen! Selbst London, das den Übergabevertrag ausgehandelt hat, ist alles egal. Haben wir von Boris etwas anderes erwartet? Nein!