LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Valorlux startet Großversuch in den 46 SIDEC-Gemeinden

Der blaue Sack ist das luxemburgische Sinnbild für Verpackungsrecycling, wobei das Wort Verpackung von außerordentlicher Wichtigkeit ist. Denn in den blauen Sack gehören wirklich nur Verpackungen und nicht wie in sein deutsches Pendant, den gelben Sack, Wertstoffe. Das betonte gestern der Direktor des Sammel- und Recycling-Unternehmens Valorlux während einer Pressekonferenz. Dabei ging es um die zukünftige Strategie der Verpackungsmüllspezialisten.

Mehr Fraktionen

In Zukunft sollen weitere „Fraktionen“ in den blauen Sack kommen, etwa Folien und Plastikbeutel und Plastikbecher Damit folgt man der Nachfrage aus der Bevölkerung. Valorlux kommt demnach, weil es jetzt möglich ist die Kunststoffe PP und PS maschinell zu erkennen und zu sortieren.

Laut den geltenden EU-Direktiven müssen bis zum Jahresende 2025 mindestens 65 Prozent des Verpackungsmülls recycelt werden, bis 2030 steigt diese Vorgabe auf mindestens 70 Prozent. Für Kunststoffverpackungen steigt die Quote von 22,5 auf 50 Prozent bis 2025 und auf 55 Prozent bis 2030.

Zunächst nur im Norden

Allerdings ist die Ausweitung des Spektrums von Verpackungen für den „blauen Sack“ zunächst regional begrenzt, nämlich auf das Gebiet des Müllsyndikates für den Norden SIDEC. Seit März diesen Jahres war das erweiterte Sammelspektrum in drei Gemeinden (Differdingen, Helperknapp, Mondorf) getestet worden. Dort stieg das Aufkommen des gesammelten Verpackungsmülls um 15,9 Prozent an. In Folge dessen hat das Umweltministerium dem Unternehmen die Erlaubnis erteilt, die erweitere Sammlung auf die 46 Gemeinden des Abfallsyndikats SIDEC auszuweiten.

Claude Haagen, Bürgermeister von Diekirch und Präsident des Abfallsyndikats SIDEC, begrüßt die Initiative von Valorlux. Gleichzeitig betrachte er es aber als logistische Herausforderung, etwa 130.000 Bürger mit blauen Tonnen zu versorgen.

Automatische Sortieranlage

Übrigens: Valorlux sammelt keine schwarzen Kunststoffe. Das hat einen simplen Grund, die Infrarot-Augen der Sortieranlagen in Bech-Kleinmacher können den schwarzen Kunststoff nicht vom Transportband unterscheiden. Dennoch ist die Anlage der Firma Hein in der Lage automatisch zwölf Fraktionen Verpackungsmüll zu unterscheiden und zu sortieren. Nach Auskunft von Valorlux ist die Anlage gerade einmal zehn Monate alt und stellt einen technologischen Sprung dar. Sie soll für die nächsten zehn Jahre ausreichen.

Der Verpackungsmüll wird zwar in Luxemburg sortiert, kann aber (fast) nur im Ausland (Deutschland, Belgien, Frankreich und den Niederlanden) recycelt oder weiterverarbeitet werden. Nur ein Betrieb in Luxemburg stellt derzeit neue Plastikflaschen mit einem Anteil 50 Prozent recyceltem Kunststoff her, unter anderem für die „Source Rosport“.

Derzeit sammelt Valorlux den Verpackungsmüll von 591.255 Bürgern in 101 Gemeinden ein. Nur Schifflingen arbeitet mit einem anderen Sammelsystem. Pro Kopf wurden im letzten Jahr durch Valorlux 15,6 Kilogramm Verpackungsmüll gesammelt. Die Gesamtmenge lag bei 2018 bei 9.209 Tonnen Verpackungsmüll.

www.valorlux.lu - www.sidec.lu