LUXEMBURG-KOCKELSCHEUER
PATRICK WELTER

meng-landwirtschaft: Plädoyer für eine neue Agrarpolitik in Luxemburg

Landwirtschaft und Romantik sind schon lange zweierlei Dinge. Schlimmer ist allerdings, dass zahlreiche Umweltgefährdungen heute nicht durch die Industrie sondern durch die industrialisierte Landwirtschaft entstehen. Die beiden größten Problemfälle, für die die Landwirtschaft verantwortlich ist, sind seit langem bekannt: Der Verlust von Biodiversität und die miserable Grundwasserqualität.

Heute ist die Artenvielfalt, egal ob Flora oder Fauna, in Privatgärten, städtischen Parks und stadtnahen Grünzonen erheblich größer als auf den anbauoptimierten landwirtschaftlichen Flächen. Füchse wohnen schon lange in der Stadt, jetzt haben auch die Bienen entdeckt, dass es ihnen zwischen Häuserreihen deutlich besser geht, als mitten in der Monotonie eines Rapsfeldes. Grundwasser muss aufwändig von Nitraten und Pflanzenschutzrückständen gereinigt werden um es zum Trinkwasser zu machen, außer man verpflichtet alle Landwirte im Einzugsgebiet öffentlicher Quellen ihren Hof auf biologischen Landbau umzustellen.

Die Fakten sind düster, dennoch stellte Daniela Nösen, Bio-Lëtzebuerg, gestern schnell klar: „Nicht der Bauer ist böse, die Sachzwänge sind es!“ Wobei Nösen auch darauf hinwies, dass die Landwirte beim Umgang mit Pflanzengiften in erster Linie ihre eigene Gesundheit gefährden.

Der Verein „Meng Landwirtschaft“, ein Zusammenschluss von 23 verschiedenen Gruppierungen, setzt sich seit 2010 für neue Wege in der luxemburgischen Landwirtschaft ein. Gestern wurde die Neuauflage der Broschüre „Landwirtschaft 2.0 - Ein Plädoyer für die Neuausrichtung der luxemburgischen Agrarpolitik“, erstmals 2014 erschienen, im Rahmen einer Mittagskonferenz im „Haus vun der Natur“ vorgestellt. Zunächst sind die Inhalte des Berichtes, wie kaum anders zu erwarten, düster, auch was die Freigabe der Milchquoten angeht. Die Meinungen zum neuen Agrargesetz und zum landwirtschaftlichen Entwicklungsplan tendieren auch stark ins Negative. Auch der Einfluss der EU-Landwirtschaftspolitik auf den Weltmarkt und die Agrarökonomie der Dritten Welt zeigt einen Irrweg auf. Damit die Neuauflage aber nicht nur aus Klagen besteht, so Daniela Noesen, schließt der Bericht mit einigen „Best practice“-Beispielen ab. Wie man Biolandwirtschaft richtig fördern kann erläuterten gestern auch zwei ausländische Referenten vor Ort. Im ersten Vortrag ging es um einen Strategieplan zur Förderung des Biologischen Landbaus in Wallonie, im zweiten um die Ausbildung von Biobauern in Oberösterreich.

Während Luxemburg mit einem Anteil von etwas mehr als drei Prozent immer noch weit unter dem EU-Standard liegt (Deutschland › 6%; Österreich › 20%), konnte die Wallonie ihre Biobauernquote von 7,6 Prozent (2010) aufgrund des 2012 in Kraft getretenen Strategieplans auf 9,7 Prozent im Jahr 2015 steigern, bis 2020 will man mindestens einen Bio-Anteil von 14 Prozent an der Landwirtschaftlichen Nutzfläche erreichen.

Für eine „wesensgerechte“ Landwirtschaft kämpft man im oberösterreichischen Mühlviertel - in dem idyllischen Mittelgebirgsgebiet liegt der Biolandbauanteil heute schon bei 27,4 Prozent. Dort, in Schlägl, gibt es auch die erste österreichische Fachschule für Biolandbau.

Beide Beispiele stehen dafür, dass für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft ein aktives Gegensteuern notwendig ist, das dann aber auch Früchte trägt.


www.meng-landwirtschaft.lu
www.biodewallonie.be
www.ooe-landwirtschaftsschulen.at