LUXEMBURG
TIBOR NAVRACSICS

Diese Woche steht im Zeichen der europäischen Jugend: Das Motto der „European Youth Week“, die bis zum 5. Mai dauert lautet „Democracy and me“ und soll die jungen Leute zur Beteiligung an demokratischen Entscheidungsprozessen und an der Gesellschaft animieren. Tibor Navracsics, EU Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport erklärt.

„In weniger als einem Monat haben wir alle die Gelegenheit, unsere Wahl zu treffen. Die Wahl zum Europäischen Parlament Ende Mai bietet uns eine einzigartige Möglichkeit, über Europas Zukunft mitzuentscheiden: Wie sollen wir die großen Fragen der heutigen Zeit wie etwa den Wandel der Arbeitswelt, die Bedrohungen unserer Demokratie oder den Klimawandel angehen? Ich hoffe, dass viele junge Menschen diese Gelegenheit wahrnehmen, ihrer Meinung Geltung zu verschaffen – ihnen kommt bei der Gestaltung der Zukunft eine wesentliche Rolle zu.

Dabei geht es um mehr als die Stimmabgabe bei Wahlen. Ich bin stolz darauf, dass wir in den letzten Jahren auf europäischer Ebene viele Möglichkeiten für junge Leute geschaffen haben, sich zu engagieren, ihr Leben zu gestalten und auch dem von anderen einen Rahmen zu geben. Ich möchte ein Europa, das in junge Menschen und ihre Talente, ihr Einfühlungsvermögen und ihre Bestrebungen investiert. Das ist einfach nur gerecht. Außerdem gilt es, für die Zukunft starke und widerstandsfähige Gesellschaften und Volkswirtschaften aufzubauen.

Deshalb haben wir das Europäische Solidaritätskorps ins Leben gerufen. Dank dieser Initiative können junge Menschen hilfsbedürftige Gemeinschaften und Einzelne unterstützen. Sie sind dabei zumeist als Freiwillige tätig und erhalten die Möglichkeit, etwas für andere zu tun, während sie zugleich wertvolle Erfahrungen machen und für ihr Leben lernen. Mehr als 124.000 junge Menschen haben sich beim Solidaritätskorps angemeldet, und mehr als 14.000 waren bereits im Einsatz.

Eine neue Initiative für die Jugend, bei der wir 18-Jährige durch Europa reisen lassen, nennt sich DiscoverEU. Wir geben ihnen Gelegenheit‚ das kulturelle Erbe und die Werte, auf denen unsere Union fußt, zu erkunden und aufzunehmen und aus diesen Wurzeln ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen zu lassen. 30.000 junge Menschen konnten 2018 auf diese Weise Europa entdecken, sodass eine echte Gemeinschaft entstanden ist.

Darüber hinaus haben wir durch Erasmus+ natürlich noch viel mehr Möglichkeiten eröffnet. Erasmus verkörpert mehr als jedes andere EU-Programm die europäische Idee – das heißt, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit verschiedenem Hintergrund zusammenzubringen, damit sie gemeinsam lernen und erfahren können, was es heißt, europäisch zu sein. Allein 2017 wurden durch Erasmus fast 800.000 Teilnehmende unterstützt, die im Ausland studierten, eine Ausbildung absolvierten oder eine Freiwilligentätigkeit ausübten – ein Rekordergebnis.

Solche Möglichkeiten wollen wir viel mehr jungen Menschen in Europa bieten. Aus diesem Grund hat die Europäische Kommission vorgeschlagen, im nächsten langfristigen EU-Haushalt für die Jahre 2021-2027 deutlich mehr in die Jugend zu investieren. Wir wollen die Mittel für Erasmus auf 30 Milliarden Euro für sieben Jahre verdoppeln und das Programm weiter öffnen und seine Reichweite erhöhen, indem wir verstärkt neue flexible Formate wie etwa den virtuellen Austausch und die Mobilität von Schülerinnen und Schülern nutzen. Außerdem wollen wir das Europäische Solidaritätskorps ausbauen und stärken. 2018 haben wir zudem das Fundament für einen echten europäischen Bildungsraum gelegt, den wir zusammen mit den Mitgliedstaaten bis 2025 schaffen wollen. Gedacht ist an einen Raum, in dem sich junge Menschen frei bewegen und ihre Kompetenzen entwickeln können.

Jungen Menschen sind ihre Gemeinschaft und ihre Zukunft wichtig. Dies wird deutlich, wenn sie auf die Straße gehen und Maßnahmen gegen den Klimawandel fordern und wenn sie verlangen, dass die politischen Entscheidungsträger Fragen wie die Jugendarbeitslosigkeit sowie die psychische Gesundheit und die isolierte Lage mancher Jugendlicher in ländlichen Gebieten angehen müssen. Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit – und dass wir Mittel für sie bereitstellen.“