LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Minister Hansen stellt Masterplan „Wunne mat der Wooltz“ vor - Glückliches Ende aller Diskussionen um die Zukunft der Industriebrachen in Wiltz?

Die Umnutzung der Industriebrachen im Ardennenstädtchen Wiltz ist seit zwei Jahrzehnten ein nationaler und kommunalpolitischer Dauerbrenner. Pläne und Ideen gab es viele, getan hat sich wenig - immerhin wurden zwischenzeitlich fast alle alten Anlagen abgerissen. Allein der markante Schornstein von 63 Meter Höhe und ein Gebäudeteil, das an den Streik von 1942 erinnert, bleiben erhalten - als Landmarke und als Mahnmal.

Jetzt scheint aber die entscheidende Hürde überwunden zu sein. Gestern gab es bei einer Pressekonferenz von Wohnungsbauminister Marc Hansen (DP) einen richtig großen Bahnhof. Neben dem Wiltzer Bürgermeister Fränk Arndt (LSAP), saßen die Staatssekretäre Francine Closener (LSAP) und Camille Gira (déi gréng), zusammen mit der Leitung des Fonds du Logement und zahlreichen Ministerialbeamten am Tisch. Thema war die Präsentation des Masterplans „Wunne mat der Wooltz“, der bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden soll und nach dem 780 Wohnungen, bei Einbeziehung eines alten ARBED-Geländes - „Hargarten“ - sogar 1.000 Wohnungen, entstehen sollen. Bob Strotz (Architekturbüro Hsa-Heisbourg Strotz) und Adrien Stolwijk (Schroeder & Associés) erläuterten ausführlich die Grundlagen und Dimensionen des Masterplans.

19 Verwaltungen an einem Tisch

Für Minister Hansen war es ganz entscheidend für das Vorankommen des Projektes, die Stadt Wiltz, 19 Verwaltungen, den Bauträger „Fonds du Logement“ und die Planer an einen Tisch bekommen zu haben. Auf diese Weise sei es möglich gewesen, den Masterplan unter Berücksichtigung aller Probleme und damit verbundenen Fragestellungen im vorgegebenen Zeitrahmen ausarbeiten zu können. Das eigentliche Projekt „Wunne mat der Wooltz“ umfasst eine Fläche von 25,5 Hektar, nimmt man das alte „Circuit foil“ Gelände, jetzt „Hargarten“, mit weiteren 8,3 Hektar hinzu, kommt man auf eine Gesamtfläche von 33,8 Hektar.

Ein Plan mit sozio-ökonomischen Aspekten

Der Plan, der in seiner Originalfassung 325 Seiten umfasst, beschäftigt sich nicht nur mit Architektur, Landschaftsplanung und Mobilität, sondern befasst sich auch mit Wasserwirtschaft, Bodensanierung und vor allem mit sozio-ökonomischen Aspekten, die das neue Stadtviertel an der „Wooltz“ zu einem Vorzeige-Quartier machen sollen. Bei 1.000 Wohnungen wird mit etwa 2.300 neuen Einwohnern für Wiltz gerechnet. Innerhalb des Viertels sollen durch Einzelhandel, Gastronomie und Kreislaufwirtschaft 400 bis 450 Arbeitsplätze entstehen. Minister Hansen schätzt die Gesamtkosten auf 700 bis 800 Millionen Euro - ohne Berücksichtigung von Einnahmen durch Verkäufe oder Erbpacht.

Renaturierung „first“

Eine der vorrangigen Aufgaben wird die Renaturierung der Wiltz sein. Denn nach über hundert Jahren Industriegeschichte haben die Stadt Wiltz und der Bach Wiltz nichts mehr miteinander zu tun. Durch die Renaturierung, eher eine Wiederentdeckung, der Wiltz und einen darum herum angelegten Park soll es tatsächlich zum „Wunne mat der Wooltz“ kommen.

Um eine kohärente Entwicklung zu erreichen wird auch die Gleisanlage der CFL gekürzt, dafür im Bereich des Bahnhofes erweitert. Das bisher geschlossene und de facto abgeriegelte Industriegelände soll nach seiner Umwandlung in ein Wohnviertel auch die bestehenden Teile von Wiltz miteinander verbinden. Das Viertel selbst wird nach Vorbildern, etwa Freiburg im Breisgau, als „Auto-arm“ angelegt werden. Alle breiten Wege sind als „Shared Space“ geplant, das Be- und Entladen eines Autos vor der Haustür wird möglich sein, aber die Fahrzeuge können nur auf Parkplätzen und in Tiefgaragen am Rande des Viertels abgestellt werden.

2018 Baubeginn

Die Renaturierung der Wiltz kann schon bald anlaufen, und laut Bürgermeister Arndt können einige Teilbebauungspläne - im Bereich der bisherigen Fußballplätze - schon in diesem Jahr bearbeitet werden, was einen Baubeginn 2018 möglich macht. Mit dem ersten Einzug von Bewohnern an der „Wooltz“ kann dann für 2020 oder 2021 gerechnet werden.