CLAUDE KARGER

Der ausgezeichnete Luxemburger Autor Guy Helminger hat mit „Jockey“ ein Stück auf die Bühne gebracht, das „von Wünschen und Hormonen im digitalen Zeitalter“ handelt. Der „Saarbrücker Zeitung“ vertraute der Autor nun an, was er von Facebook und Co so hält: „Das größte Problem dort ist die Anonymität. Dass Leute, wenn sie ihr Gesicht nicht zeigen müssen, Dinge sagen, die sie von Angesicht zu Angesicht nicht sagen würden. Bei Anbahnungsplattformen sind die Anmachsprüche teilweise von einer Blödheit, dass man nur hoffen kann, dass sich niemand traut, die wirklich auszusprechen. Wer sich das doch traut, gehört in die Psychiatrie“. Das sitzt. „Das Problem ist: Hätten diese Leute sich früher in der Öffentlichkeit so geäußert, hätten sie schnell gemerkt, wie sie sich blamieren und nackt dastehen mit ihrem Gequassel. In der Anonymität können sie sich nun äußern bis zum Gehtnichtmehr und kriegen von den anderen, die sich genauso blöd benehmen, lauten Beifall. Diese sozialen Netzwerke sind für mich das Asozialiste was es gibt, wenn es etwa um Politik geht“, bringt Helminger die Sache treffend auf den Punkt. Ob die geheimen Schreibtisch-Sniper das alles auch gehört haben und sich darüber den Kopf zerbrechen? Hä? Wohl kaum. Denn: „Die meisten wollen gar keine Diskussion, die wollen nur brüllen“.